Wo werden Flächen verbraucht?

Stadtverwaltung fordert „Mut zur Verantwortung“ ein

Langenhagen (gg). Die Stadtverwaltung hat freie Flächen im Visier, will mittels neuem Flächennutzungsplan (FNP) Rechte für zukünftige Bauentwicklung sichern. Die Auswahl hatte schon vor einigen Tagen die Grünflächen-Befürworter und Naturschützer auf den Plan gerufen. Sie wollen den Restflächenverbrauch in Langenhagen (Weiherfeld-Ost und Stadtpark) verhindern. In der jüngsten Sitzung des Stadtplanungsausschusses kam es nun zur Aussprache. Bürgermeister Mirko Heuer und Stadtbaurat Carsten Hettwer sprachen von einer notwendigen Aktualisierung des Bestands, die Bevölkerungsprognose liege bei 58.000 Einwohnern für das Jahr 2025; aktuell hat Langenhagen ungefähr 53.000 Einwohner.
Reinhard Grabowsky (CDU) fragte nach: „Sie sprachen von einem Wohnraumkonzept, das kennen wir noch gar nicht!“ Seitens der Stadtverwaltung schwenkte Planerin Carolin Ottensmeyer ein „Ist Mitte nächsten Jahres fertig.“ In der Einwohnerfragestunde hatte zuvor schon Michael Horn (Grüne) auf den Missstand hingewiesen, dass der Landschaftsplan fehlt, ebenfalls eigentlich eine Voraussetzung, um überhaupt über den FNP beraten zu können. Als nicht beratungsfähig attestierte die SPD den Verwaltungsvorschlag.
Das Hauptargument zum FNP, die dringend nötige Reaktion auf die steigende Einwohnerzahl, stieß nicht nur bei Reinhard Grabowsky auf Erstaunen. Auch Domenic Veltrup (BBL) empfand dies als unlogisch: „Wäre da nicht die Schaffung von Infrastruktur zuerst nötig?“ Carolin Ottensmeyer griff das auf. Sie relativierte das Problem mit dem Hinweis, dass „nach und nach“ Wohnungen gebaut werden. Unbeantwortet blieb, was passiert, wenn alle nach und nach errichteten Wohnungen bezogen sind. Die Dimensionen der möglichen neuen Wohneinheiten-Zahl ist beträchtlich, allein am Südrand von Engelbostel soll Platz für ein Plus von 750 Einwohner sein, am Köllingsmoor gar für 1.605 Einwohner.
Stadtbaurat Carsten Hettwer gab zu Bedenken, dass die einmal herbeigezogene Bevölkerung dann älter wird und dann andere Bedürfnisse entstehen: „Deshalb ist die Kita Sonnenblume im Weiherfeld auch so gebaut, dass sie später einmal ein Seniorentreffpunkt werden kann.“ Er reagierte mit erhobener Stimme auf den Vorschlag von Domenic Veltrup, die Planänderungen einfach wegzulassen: „Sie müssen mal Verantwortung für die Zukunft übernehmen und Position beziehen.“ Domenic Veltrup reagierte unbeeindruckt, sagte: “Das ist kein Argument, Entscheidungen mit Zukunftsblick können so oder so falsch sein. Niemand kann vorhersagen, was in 20 Jahren richtig ist.“ Mehrfach wiederholte Carolin Ottensmeyer, dass mit dem Flächennutzungsplan keine Bebauung beschlossen ist, bei weitem nicht. Sie erklärte: „Es geht darum, dass die Stadt ein Vorkaufsrecht auf Flächen hat, die später einmal benötigt werden.“ Anders vorgeprescht ist die Verwaltung allerdings mit dem Vorschlag zur Bebauung des Stadtparks, entweder östlich der Psychiatrie oder westlich der Theodor-Heuss-Straße (Rieselfelder). Ratsbeschlüsse aus dem Jahr 2016 liegen vor, die weder für die eine, noch für die andere Fläche Bebauung vorsehen, sondern Grünflächen zwecks Naherholung. Bürgermeister Mirko Heuer erinnerte daran, dass nicht einzelne Flächen, sondern der Wohnraumbedarf insgesamt zu sehen sei. Die Beratung wird im Januar fortgesetzt.