Wohin entwickelt sich Sexismus?

Die Erziehungsissenschaftlerin Henrike Niedermeyer (links) ist neue Mitarbeiterin im Ophelia-Team mit Kulturwissenschaftlerin Corona Bröker. (Foto: G. Gosewisch)

Beratungszentrum Ophelia stößt Debatte an

Langenhagen (gg). Sexismus lautet das Stichwort, auf das Ophelia, das „Beratungszentrum für Frauen und Mädchen mit Gewalterfahrung“ an der Ostpassage 9, im neuen Jahresprogramm ausgerichtet ist. Aufklärung und Aktionen dazu kündigten Antoanete Slavova und Corona Bröker aus dem Ophelia-Team nun im Pressegespräch an, um eine öffentliche Wahrnehmung anzustoßen – Provokation inbegriffen. Das scheinbar abgegriffene Wort Sexismus kommt aktuell zu brisanter Bedeutung, denn die Berliner CDU-Affaire ist in aller Munde. Da nennt der Innensenator Frank Henkel die Abgeordnete Janna Behrens eine „süße Maus" und wird dafür von ihr als Sexist bezeichnet. Parteikolleginnen stehen nicht ihr, sondern ihm bei, lassen wissen, dass sich die „süße Maus“ schon manchem Mann auf dem Schoß gedrängt habe. Gar geprahlt habe Janna Behrens, CDU-Generalsekretär Peter Tauber erobert zu haben – so die Gerüchteküche, die längst keine verlässlichen Quellen mehr hat.
„Bei Sexismus geht es um Vorteilsnahme, Macht und psychische Gewalt“, erklärt Corona Bröker. Die sogenannte Täter-Opfer-Umkehr, bei der Frauen in der Beweispflicht sind, sei schädlich. Sexismus sei zudem nicht auf die Arbeitswelt begrenzt. „Die meisten Beratungsfälle beziehen sich auf Gewalt im häuslichen Bereich“, bestätigt Antoaneta Slavova. Sie ist gespannt auf die Wirkung des verschärften Sexualstrafrechts, bei dem künftig nicht einvernehmlicher Sex bereits dann als Vergewaltigung gilt, wenn das Opfer lediglich mündlich seine Zustimmung dazu verweigert, aber keinen körperlichen Widerstand geleistet hat. Kritiker befürchten Falschbeschuldigungen in Hülle und Fülle. „Wir schauen, wie sich das entwickelt“, merkt Antoaneta Slavova an. Sie weiß aus langjähriger Beratungstätigkeit: „Frauen sind keine Heiligen in Auseinandersetzungen.“ Zum Streiten gehören immer zwei. Klar ist die naturgegebene Unterlegenheit der Frauen bei der Anwendung körperliche Gewalt und bei kulturell geformten Machtansprüchen.
Frauen und Mädchen (ab 13 Jahre), die Hilfe brauchen, können sich auch telefonisch an Ophelia wenden: (0511) 724 05 05. Zudem gibt es Aktionen für Schüler. Interessierte Lehrer können sich zu dem bekannten Präventionsprojekt "Meine-Grenzen, deine Grenzen" melden.