"Wollnwa nich"

„Lasst uns Lichtspuren aus Mut und Menschlichkeit legen...“
Kurz vor Weihnachten schrieb meine Schwester aus Berlin: „Der Berliner ist übrigens angstfrei. Der Anschlag hat uns alle erschüttert, aber wir sagen hier: Wollnwa nich, dit is Murks, wir lassen uns nix vamiesen!“ Ja, so sind sie, die Berliner. „Der Langenhagener ist übrigens angstfrei, wir lassen uns nix vamiesen!“. Das wäre doch auch ein guter Vorsatz für 2017: Alles, was unsere Gesellschaft spaltet und verstört: „Wollnwa nich“ - deshalb volle Kraft voraus, die öffentliche Sicherheit zu wahren, Gefährder konsequent zu beobachten und gegebenenfalls früher festzusetzen.
„Dit is Murks“ – deshalb volle Konzentration darauf, den Sumpf der Radikalisierung trocken zu legen. Viele Eltern in Langenhagen sorgen sich, es könnte auch ihre Kinder treffen.
„Übrigens angstfrei“ - das gibt es eigentlich nicht, sagen die Psychologen. Vielmehr gehe es darum, mit der eigenen Angst behutsam umzugehen, um dann selbst zu unterlassen, was anderen Angst macht.
„Lasst uns Lichtspuren aus Mut und Menschlichkeit legen“, schrieb Nina George November 2016 einen offenen Brief an ihre Freundin und Schriftsteller-Kollegin Asli Erdoğan. Als Redakteurin einer PKK-nahen Zeitung war sie im Sommer ohne Anklage und Prozess ins Frauengefängnis von Bakirköy weggeschlossen worden.
Nina George schreibt ihr, wie traurig und verängstigt sie sei. Doch wolle sie ihre Freundin, sich selbst und alle Zeitgenossen zu solchen „Lichtspuren“ mobilisieren, „um gegenzuhalten und niemals angstvoll zu schweigen“.
Asli Erdoğan wurde mittlerweile aus dem Gefängnis entlassen, die Aufgabe bleibt. Wie könnten wir solche Lichtspuren legen?
Mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht, hat mich solch eine Lichtspur... ereilt. Meine WhatsApp-Nachricht der Betroffenheit nach dem Berliner Anschlag erwiderte der leitende Mitarbeiter einer Langenhagener Moscheengemeinde. Beherzt erteilte er allen eine Absage, die unsere Gesellschaft spalten wollen und wünschte uns allen zusammen „Frieden und Barmherzigkeit“.
Dit wollnwa, oda?
Dieter Rudolph-Rodekohr, Pastor