Zeit der Türen

Advent ist die Zeit der Türen. Der großen und der kleinen, der offenen und der geschlossenen, der gesungenen und gesprochenen. Advent heißt, vor einer Tür zu warten, die nur von innen aufgeht. Dazu kann ich nichts tun. Ich kann nur warten.
Warten ist schwer. Darum gibt es Adventskalender im Advent. An jedem Tag können wir ein Türchen öffnen, bis zum 24. Dezember. Da mache ich das letzte Türchen auf. Meist ist es größer als die 23 vor ihr. Auch das, was hinter dem letzten Türchen ist, ist etwas größer, vielleicht auch schöner. Die Hersteller von Adventskalendern lassen sich da nicht lumpen. Der Heilige Abend soll strahlen. Mit besonderem Spielzeug, Schokolade oder mit einem Bild der Jungfrau Maria, die das Jesuskind zur Welt gebracht hat. Das Warten, das schwere, soll sich gelohnt haben.
Adventskalender sind Sinnbild des Wartens, das ein Ende kennt.
Worauf warte ich – gestern, heute, viele Tage vor dem Fest?
Im Advent kommt vieles wieder an die Oberfläche, was im Sommer verschwunden schien. Jetzt aber rückt es in den Vordergrund. Jetzt bedrängt es und kommt zur Sprache. Im Advent wird vielen bewusst, dass da noch etwas sein könnte, ja müsste; dass da noch eine Tür verschlossen ist, die nur von innen geöffnet werden kann. Menschen sehen wieder diese Tür und merken: Es soll noch etwas sein, was über unsern Alltag, der manchmal so grau ist, hinaus reicht.
Zum Warten im Advent gehört die Sehnsucht. Alles soll heil werden und bleiben. Alles. Darum können sich in der Adventszeit Erwachsene wie Kinder auf das Fest freuen – trotz des Stresses jetzt, in der Adventszeit. Denn in dem Weihnachtsfest bekommt unsere Sehnsucht ein sichtbares Ziel: Es wird heil werden – darauf können wir unsere Hoffnung setzen.

Claus Venz, Pastor