Zeitzeuge motiviert IGS-Schüler

Theodor Bergmann beantwortet viele Fragen

Langenhagen. Er hielt keinen Vortrag. Aber er beantwortete jede Frage, ging auf jeden Hinweis ein. Und das immer in erstaunlicher Klarheit und Kürze. So kamen viele der etwa 50 Schüler der Politik- und Geschichtskurse des 12. Jahrgangs der IGS und ihre Lehrer zu Wort, die das Gespräch mit dem Zeitzeugen Theodor Bergmann suchten. Die Idee dazu stammte von der stellvertretenden Schulleiterin Barbara Schikowski. Vor dem gespannten Auditorium entfalteten sich die ungewöhnlichen persönlichen und politischen Lebenserfahrungen eines Zoon Politikon. Jude, Kommunist, Professor der Agrarwissenschaften, geboren 1916 in Berlin, Jahre im NS-Widerstand in der Emigration, 1946 /47 hungernder Student in Bonn, Lebensjahre im Kibbuz; ausgedehnte politische Reisen nach Asien (China, Indien); zu all dem zahlreiche Veröffentlichungen, auch ganz neue; ununterbrochenes Engagement in Parteien und Organisationen der Arbeiterbewegung von früher Jugend an (zuletzt als Gründungsmitglied der Linken in Baden-Württemberg). Er sei immer ein undogmatischer Marxist gewesen, kaum etwas sei wichtiger als die Diskussion und die ständige Kontrolle der Mächtigen – auch und gerade der führenden Personen in der Arbeiterbewegung und der sozialistischen Parteien der Welt und in Deutschland, natürlich erst recht bei der Partei „Die Linke“. Er bekämpfe den Kapitalismus, aber er lebe gern in Deutschland, weil er hier seine Meinung frei sagen könne. All seine politischen Erkenntnisse verband er anschaulich mit konkreten Alltagserfahrungen; so etwa mit weltkriegstraumatisierten und auf einen neuen „Waffengang“ mit Frankreich hoffenden Lehrern auf einem traditionellen deutschen Gymnasium, das er wegen seines rebellischen Geistes verlassen musste oder als einfacher Waldarbeiter in Schweden - dort galt er den Landbewohnern anfangs als „schlechter Deutscher“, weil er Hitler nicht bei seinen militärischen Erfolgen helfen wollte. Was er ihnen, der heutigen Jugend empfehle? Sie sollte politischen Organisationen beitreten, sich gemeinsam mit anderen optimistisch an der Weiterentwicklung einer „lebendigen Demokratie“ beteiligen, gegen alle Rückschläge und Fehler verhindern, dass „die Herren, die 16 Millionen verdienen und nicht mehr wissen, was ein Brot kostet, wieder kaputtmachen, was die arbeitenden Menschen immer wieder aufbauen, fasst Gerd Fischer als Gesprächsbeobachter zusammen.