Zelleriehaus soll Kulturzentrum bleiben

Paul Laufenburg vor einer maßgeschneiderten Schrankwand, die unter anderem das umfangreiche Notenmaterial beinhaltet. Foto: K.Raap

Eindringlicher Appell von Paul Laufenburg an Bürgermeister Fischer

Kaltenweide (kr). Fast auf den Tag genau vor 20 Jahren wurde im Rahmen einer Feierstunde und eines Tages der offenen Tür das obere Geschoss des Zelleriehauses Kaltenweide seiner Bestimmung übergeben. Der ehemalige stellvertretende Bürgermeister Langenhagens, Peter Zarnowiecki, sprach damals von der "Inbetriebnahme" eines neuen Gemeinschafts- und Kulturzentrums. "Die Vereine, die dieses Haus mit Leben erfüllen", so Zarnowiecki, "haben mit über 2300 Arbeitsstunden den Rohbau des Obergeschosses in Eigenregie vorbildlich aus- und umgebaut, und es waren gerade auch diese Gemeinschaften, die seit der Gebiets- und Gemeindereform im Jahr 1974 wesentlich zur Integration aller Bürger in der neuen Stadt Langenhagen beigetragen haben." Doch den heutigen Nutzern des Zelleriehauses ist überhaupt nicht nach Feiern eines 20-jährigen Geburtstages zumute, nachdem bekannt geworden ist, dass die Stadt Langenhagen plant, das Obergeschoss als Hort umzubauen und die dort ansässigen Vereine "umzusiedeln". Die Liedertafel, das Musik- und Spielmannskorps, der Bürgerverein, der Kulturzirkel und die Arbeiterwohlfahrt der Ortschaft wollen nicht einfach klein beigeben. Sie haben, unterstützt vom Ortsrat, der Langenhagener Verwaltung inzwischen den Kampf angesagt. In einem persönlichen Schreiben hat jetzt Paul Laufenburg einen eindringlichen Appell an Bürgermeister Friedhelm Fischer gerichtet, "nicht mit einem Federstrich alles zu vernichten, was kulturbeflissene moderne Menschen seit Jahrzehnten aufgebaut und bis in die heutige Zeit forgeführt haben." Paul Laufenburgs Wort hat nicht nur im Norden Langenhagens Gewicht. Der als besonnen geltende 79-Jährige weiß, wovon er spricht. Vor 20 Jahren hatte ihn Peter Zarnowiecki als engagierten Koordinator gelobt und geehrt , der in Absprache mit der Bauverwaltung Langenhagen die Ausbauarbeiten geleitet habe. Doch bekannt geworden ist der gebürtige Duisburger, der seit 1959 in Langenhagen wohnt und hier viele Jahre im Berufsleben stand – unter anderem als Frachtleiter einer Firma am Flughafen – vor allem durch sein Hobby: Schon früh verschrieb er sich der Chormusik und wurde auch für die Liedertafel von 1875 zu einem Glücksfall. 31 Jahre lange führte er als ausgebildeter Chorleiter diese Sangesgemeinschaft mit großem Erfolg und ist heute noch deren Ehrendirigent. Umso vehementer plädiert er in seinem Schreiben an Bürgermeister Fischer, den "Rausschmiss der Vereine" zu überdenken. "Alle Gruppen haben jahrelang vorbildliche Kultur- und Jugendarbeit geleistet", betont Paul Laufenburg, "und so haben die Liedertafel und das Musikkorps mit unzähligen Konzerten bei diversen Veranstaltungen in Seniorenheimen, Krankenhäusern und Kirchen und natürlich im Zelleriehaus mitgewirkt." Genauso wichtig seien die Aktivitäten von Kulturzirkel, Bürgerverein und AWO. Die fünf Vereine und auch weitere Musikgruppen nutzten den attraktiven Gemeinschaftssaal regelmäßig für Proben, Versammlungen und geselligem Beisammensein und öffentliche Aktivitäten für die Bürger.
Eine sehr wichtige Rolle für die Nutzer spielen die vereinseigenen Räume, denn nur hier haben sie in den in Eigenregie maßgeschneiderten Schrankwänden Stauraum für Musikinstrumente, Noten und Notenständer, Uniformen, Schriftverkehr, Archivunterlagen, Pokale, Kopierer, Geschirr und Bastelmaterial. Und diese Räumlichkeiten, die der damalige Stadtbaurat Jan Sievers bei der Einweihung als "schnuckelige Vereinszimmer" bezeichnet hatte, sind natürlich auch wichtige Standorte interner Kommunikation. "Die von der Verwaltung in Aussicht gestellten drastisch reduzierten Räumlichkeiten", betonte Paul Laufenburg gegenüber dem Echo, "erfüllen nicht annähernd die Voraussetzungen für eine produktive Vereinsarbeit. Da sind Auflösungstrends durchaus vorprogrammiert. Und das würde den kulturellen Aktivitäten im Norden Langenhagens irreparablen Schaden zufügen."