Zorn um Fluglärm steigt

Raoul Hille (links), Geschäftsführer der Flughafen GmbH, sorgt mit Maßnahmen wie den System FluWi (online Fluglärmdaten) für Transparenz und sachliche Aufklärung und hinterfragt den stadtplanerischen Sinn von Neubaugebieten in der Nähe des Flughafens. Auch Stadtbaurat Carsten Hettwer (rechts) war Teilnehmer der Diskussionsrunde. (Foto: G. Gosewisch)
 
Viele Teilnehmer und verhärtete Fronten - der Nachbarschaftsdialog Fluglärm in der Aula des Schulzentrums. (Foto: G. Gosewisch)

Fronten im Nachbarschaftsdialog härter denn je

Langenhagen (gg). Zu einem Nachbarschaftsdialog zum Thema Fluglärm hatte die Stadtverwaltung mit dem Zweck eingeladen, die öffentliche Diskussion zu versachlichen. Neu ist diese Absicht nicht, schon mehrmals haben in den vergangenen Jahren Diskussionen dieser Art in Form von so genannten Runden Tischen stattgefunden. Insbesondere die Interessengemeinschaft Lärmschutz Südbahn (IG) forderte aber weitere Foren unnachgiebig ein, „trotzdem es keine neuen Argumente seitens der Beteiligten gibt“, erklärte Bürgermeister Friedhelm Fischer mehrfach im Vorfeld. Zeichen des guten Willens wurden seitens der Stadtverwaltung gesetzt – mehrere Experten wurden nun wieder zur Diskussion eingeladen, für die Moderation wurde die Dienstleistung des Kommunikationsbüros Koris eingekauft. Im Jahr 2013 hat die Verwaltung das Budget für den Bürgerdialog Fluglärm auf 12.000 Euro kalkuliert. Rund 150 Besucher, in der Mehrzahl nicht aus Langenhagen, sondern aus den umliegenden Gemeinden (insbesondere Isernhagen), nahmen nun an der Veranstaltung in der Aula des Schulzentrums teil.
Seitens der Experten erklärten Michael Schwarze von der Deutsche Flugsicherung (DFS), Jörg Westphal (Pilot der TuiFly), Michael Staats (Schallschutzexperte der Flughafen GmbH), Raoul Hille (Geschäftsführer der Flughafen GmbH), Birthe Vogt (zuständig für Luftverkehr im Niedersächsischen Ministerium für Arbeit, Wirtschaft und Verkehr) und Reinhart Thomas (Fluglärmschutzbeauftragter des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr für den Verkehrsflughafen Hannover-Langenhagen) viele Fakten zur Fluglärmentwicklung, -überprüfung, deren rechtliche und technische Einordnung und wirtschaftliche Notwendigkeiten, insbesondere zum Thema Nachtflüge. „Wir halten uns an Recht und Gesetz. Das öffentliche Interesse und das Gemeinwohl aller Bürger (Flugverkehr nutzen zu können) wiegen mehr als Partikularinteressen“, lies Raoul Hille wissen und Birthe Vogt betonte: „Angesichts der Messwerte und deren Überprüfung (Fluglärm) gibt es keinen Handlungsbedarf.“ Vogt erklärte, dass die Sicherstellung des Flugverkehrs ein Bundesauftrag sei. Michael Schwarze und Jörg Westphal zeigten technische Grenzen aber auch Perspektiven des Flugverkehrs auf – Einflugschneisen, notwendige Absinkwinkel, die technische Entwicklung der Turbinen und vieles mehr wurden erläutert.
Das alles nützte nichts: Aus den Redebeiträgen von Holger Zenz (IG) wurde schnell klar, dass er diese Fakten für die zornige Forderung nach Abschaffung der Nachtflugregelung bei Seite schiebt, trotzdem Birthe Vogt wiederholte, dass diese rechtlich nicht möglich sei und Bestand habe, mindestens bis zum Jahr 2019. Bürger aus Isernhagen meldeten sich mit Beschwerden emotional und polemisch zu Wort, erklärten ihre individuellen Wahrnehmungen und buhten Bürger und Vertreter des Forums „Pro Airport“ aus, die den Fluglärm als „akzeptabel“ beschrieben. Auch die unumstrittene Tatsache, dass Fluglärm je Flugzeug in den vergangenen Jahren kontinuierlich weniger geworden ist, statt mehr, und dass dieser Trend sich aufgrund der technischen Entwicklung an Flugzeugen langfristig fortsetzen wird, konnte Zenz nicht davon abbringen, eine sofortige Lärmminderung einzufordern. Damit blieb er im Namen der IG ebenso festgefahren bei seiner Position wie die Flughafengeschäftsführung, die die Fortführung der Nachtflüge betreibt, weil sie damit einen Bundesauftrag und zudem eine wirtschaftliche Notwendigkeit (Erhalt der mehreren tausend Arbeitsplätze) erfüllen muss.
So blieb den Vertretern der Politik, die an der Diskussion teilnahmen, nur der Hinweis, dass die Lösung in dem Beschreiten kleiner Schritte liegen könne. Während Wolfgang Langrehr und Matthias Gleichmann, SPD-Ratsfraktion, weiteren Dialog, Transparenz und weitere Angebote der Flughafengeschäftsführung empfahlen, mahnte Grünen-Ratsher Michael Horn dasselbe mit drohenden Formulierungen an. BBL-Ratsherr Jens Mommsen sah einen möglichen Fortschritt in zusätzlichen Überprüfungen von Lärm-Messwerten. Marco Zacharias, CDU-Ratsfraktion, meinte, dass ein Dialog nur funktioniere, wenn über Fakten Einigkeit bestehe.
Als „offen“ benannte CDU-Ratsherr Reinhard Grabowsky, Vorsitzender der Fluglärmschutzkommission (Gremium mit beratender Funktion), das Ergebnis des Bürgerdialogs. Bürgermeister Friedhelm Fischer attestierte der modernen Gesellschaft eine hohe Sensibilität in Bezug auf Verkehrslärm mit Kraftfahrzeugen auf Straßen und Autobahnen, Schienen- und Flugverkehr. Eine Minderung sei daher politisch anzustreben.