Zorn um Hortplätze und Klassenräume

Domenic Veltrup überreichte Ortsbürgermeister Wolfgang Langrehr die Unterschriften der Anlieger, die sich gegen die Weiherfeld-Erweiterung wehren wollen. (Foto: G. Gosewisch)

Eltern der Grundschüler fordern Lösungen ein

Kaltenweide (gg). Wird ein Missstand zum Sachstand, wenn er nur oft genug angeprangert wird? Nutzen sich Argumente ab, wenn emotionale Facetten zu oft auf die sprichwörtliche Tränendrüse gedrückt haben? Der Verlauf der jüngsten Ortsratssitzung vermittelte diesen Eindruck. Rund 70 aufgebrachte Eltern forderten Hortplätze für ihre Kinder ein, andernfalls drohe ihr Jobverlust. Die Enge im völlig überfüllten Schulgebäude treibe Kinder und Lehrer über die Stress-Belastungsgrenze. Ortsbürgermeister Wolfgang Langrehr stand Rede und Antwort, wie in jedem Jahr, und wiederholte die Antworten, wie in jedem Jahr: „Ich muss davon ausgehen, dass die Verwaltung weiß, was sie tut.“ Der Sturm der Entrüstung weht seit zehn Jahren, ein Abflauen ist nicht in Sicht, weil die Abhilfe, die seitens der Stadtverwaltung geschaffen wurde, ungenügendes Stückwerk blieb und dem Minimalprinzip unterlag. Unter dem Motto „Besser als nichts“ wurden mehr und mehr Container aufgestellt, Notlösungen wurden zu Dauereinrichtungen, und nun gibt es eine Option auf zusätzliche drei Container. Wo sollen die stehen? Warum wird der Schützenplatz nicht bebaut? Zornige Eltern haben rigorose Ideen – auch das kennt Wolfgang Langrehr schon. „Ich habe schon im Jahr 2003 mit ihren Schülerzahlen versucht, bei der Stadtverwaltung Lösungen herbeizuführen. Das Gutachten, das die Stadtverwaltung in Auftrag gegeben hat, weist andere Prognosen zu den Schülerzahlen aus. Was soll ich da machen?“
Befeuert wurde der Zorn der Eltern mit der Nachricht zur Erweiterung des Baugebiets Weiherfeld. Anlieger Domenic Veltrup erklärte in der Ortsratssitzung den Protest, den seine Nachbarschaft teile – dokumentiert in einer 230 Unterschriften starken Liste: „Die Infrastruktur reicht nicht aus, und wir wollen nicht noch mehr Natur vernichten!“
Absehbar ist die Erstellung des Baukörpers samt Tiefgarage auf der REWE-Rückseite, direkt am S-Bahnhof. 92 Wohneinheiten, zwei Gewerbeeinheiten, eine Arztpraxis und ein Restaurant sollen im Sommer 2018 fertig sein. Dann gibt es den nächsten Zuzug junger Familien, deren Kinder in Krippen, Kitas und in der Grundschule Platz brauchen.
Informationen der Stadtverwaltung zum Thema stehen für die nächste Ortsratssitzung am Dienstag, 1. März, um 19 Uhr im Nie´t Hus an der Clara-Schumann-Straße/Weiherfeldallee auf dem Programm. Ortsbürgermeister Wolfgang Langrehr empfahl dem Bürgern, daran teilzunehmen.