Zugespitzte Stimmung am runden Tisch

Aussprache zum Erzieher-Streik, Friedenspflicht ab Montag

Langenhagen (gg). Die erlösende Nachricht für Eltern zu den seit Wochen bestreikten Kitas kam am Donnerstag: Es gibt eine bundesweite Schlichtungsvereinbarung zwischen der Gewerkschaft verdi und dem kommunalen Arbeitgeberverband. Es gibt nach wie vor keine Einigung in den Tarifverhandlungen, aber mit der Schlichtung tritt eine Friedenspflicht ein, sodass ab Montag die Kitas, Krippen und Horte wieder geöffnet sein werden. Glatte vier Wochen sind die Kitas in städtischer Trägerschaft damit geschlossen gewesen. Noch am vergangenen Mittwochabend hat es eine Langenhagener Aussprache unter den Beteiligten und Betroffenen am runden Tisch gegeben. Auf Einladung des Kita-Stadtelternrates waren die Kita-Beschäftigten Melanie Lüschen, Ute Fahrenholz-Teuber und Claudia Strathmann vor Ort. Sie erhielten Unterstützung von der Verdi-Vertreterin Stefanie Reich. Seitens der Stadtverwaltung warben Bürgermeister Mirko Heuer, Fachbereichsleiterin Heidi von der Ah und weitere Fachdienstleiter für eine Notdienstvereinbarung für Krippenkinder. „Bitte führen Sie ihren Streik weiter, aber lassen sie die Krippenkinder raus. Die brauchen Sie für ihren Arbeitskampf nicht“, sagte Oliver Röttger aus dem Vorstand des Kita-Stadtelternrates. Betroffene Mütter vor Ort und der Vorsitzende des Vereins „Bürger für Kaltenweide“ Markus Villwock warben eindringlich für dasselbe. Als Expertin für frühkindliche Entwicklungsstörung unterstützte die Professorin Eva Busch (Winnicott-Institut, Hannover) die Forderung des Kita-Stadtelternrats, die Krippenversorgung schnellstmöglich wieder sicherzustellen. In einem kurzen Vortrag hatte sie dargestellt, dass die Bezugspersonenanzahl bei der frühkindlichen Bindung auf maximal drei (Mutter, Vater und der vertrauten Erzieherin) beschränkt ist. Das Fehlen oder Unterbrechen der Beziehung zu Bindungspersonen durch permanent wechselnde Betreuung hat physische und psychische Beeinträchtigungen und möglicherweise bleibende Entwicklungsstörung bei den Kleinkindern zur Folge. Der Streik - nach fast vierwöchiger Dauer - zwingt Krippenkinder aber in genau diese Situation, de facto eine Körperverletzung. „Sie wissen das und tun es trotzdem?“, fragte Oliver Röttger. Bürgermeister Mirko Heuer setzte heftig nach: „Da reißt mir die Geduld!“ Wie Heidi von der Ah kann er nicht nachvollziehen, warum der Vorschlag der Stadtverwaltung zur jüngsten Notdienstvereinbarung von verdi abgelehnt wurde. Demnach hätte es nur eine Umverteilung der bestehenden Notdienst-Plätze zugunsten der Krippenkinder gegeben, der Arbeitskampf und der Streikdruck wären aus ihrer Sicht gewahrt geblieben. Claudia Strathmann ließ wissen, dass die Erzieher Angst haben, ihren Dienst wieder aufzunehmen: „Auf einen so langen Streik waren wir nicht vorbereitet.“ Stefanie Reich betonte mehrfach, dass es um einen Arbeitskampf gehe. Die Stimmung unter den Teilnehmern spitzte sich mehr und mehr zu. Immerhin wurde am runden Tisch die Vereinbarung getroffen, am kommenden Montag ein weiteres Gespräch zu führen.
„Die verdi-Vertreterin als auch die Erzieherinnen haben zugesagt, intern eine schnellstmögliche Lösung für die Krippenkinder zu finden. Bürgermeister Heuer signalisiert, dass alle notwendigen Schritte von seiner Seite für eine entsprechende Notdienstvereinbarung gewährleistet werden“, so die abschließende Notiz im Gesprächsprotokoll.