Zukunftssorgen und kreative Ideen

Die Langenhagener Pastoren (von links): Marc Gommlich (Elia), Frank Foerster (St. Paulus), Claus Venz (Matthias-Claudius), Dorothee Renner-Venz (Matthias Claudius), Rainer Müller-Jödicke (Engelbostel), Marieta Blumenau (Emmaus), Karin Borchers-Schmidt (Psychiatrie), Isabel Schulz-Grave (Emmaus) und Falk Wook (Godshorn). (Foto: A. Hesse)

Rückblick im Kirchenkreis auf das Jahr 2015

Langenhagen. Der Jahreswechsel lädt zum Innenhalten und Reflektieren ein. Welche allgemeine Haltung war in den Langenhagener Kirchengemeinden im Jahr 2015 spürbar – eine eher optimistische oder eine eher pessimistische in Bezug auf die Zukunft? Worüber wurde gesprochen und diskutiert? Das ECHO bat Andrea Hesse, Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen, um Mithilfe bei der Zusammenfassung der Stellungnahmen. Hier ihr Bericht aus dem Gespräch mit Pastor Rainer Müller-Jödicke (Martinsgemeinde Engelbostel), Pastorin Marieta Blumenau (Langenhagen Emmausgemeinde) und Pastorin Isabel Schulz-Grave (Langenhagen Emmausgemeinde): "Im Frühjahr und Frühsommer gab es im Kirchenkreis und insbesondere in Engelbostel ganz viele Täuflinge. Das war einfach schön. In einem Taufgespräch sagte eine Mutter, dass sie sich auch durch die zunehmende Präsenz des Islam in unserer Gesellschaft aufgefordert sehe, sich selbst mit ihrem Glauben, dem christlichen Glauben, wieder intensiver zu beschäftigen. Sie will ihr eigenes Kind in der christlichen Tradition, in der ihre Familie steht, kundig machen, damit es weiß, woher es kommt und sich in religiösen Fragen positionieren kann. Als Frühjahrsthema sehe ich also ein hohes Interesse am christlichen Glauben – auch angesichts der Herausforderung der Begegnung mit dem Islam in unserer Gesellschaft.
Im Sommer gab es innerhalb des Kirchenkreises sehr viele Gespräche zum bevorstehenden neuen Planungszeitraum. Wir müssen trotz der guten wirtschaftlichen Lage in ein paar Jahren mit weiteren Kürzungen rechnen, weil wir langfristig planen und auch in unserem Kirchenkreis in diesem Jahr wieder viel zu viele Menschen aus der Kirche ausgetreten sind. Diese Tatsache kann aber überraschend kreative Prozesse in Gang setzen: So soll eine wegfallende Pfarrstelle durch eine Diakonenstelle ersetzt werden, um die Flüchtlingsarbeit zu unterstützen. Auch die Landeskirche stellt für diese Arbeit unbürokratisch Geld bereit, das wir sinnvoll einsetzen können. Ich freue mich darüber, dass wir den Zukunftssorgen mit kreativen Ideen begegnen.
Spätestens seit dem Spätsommer setzen wir uns intensiv damit auseinander, dass viele Flüchtlinge nach Langenhagen kommen. Die Kirchengemeinden Godshorn und Emmaus sind hier besonders vorbildlich und engagiert, aber auch in anderen Gemeinden helfen viele Ehrenamtliche – meistens im Stillen und im Hintergrund. Auch wenn eigentlich noch viel mehr getan werden müsste, passieren doch erstaunlich viele gute Dinge. Gleichzeitig müssen wir im Blick behalten, dass in unseren Gemeinden schon immer Menschen leben, die aufgrund von materieller Armut oder anderen Einschränkungen unsere Hilfe brauchen. Ich sehe die Sorgen vieler benachteiligter Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen, freue mich aber gleichzeitig über das wachsende Interesse für den Nächsten.
Vor wenigen Wochen überraschte uns alle der Ausbruch des Terrors mitten in Europa und der folgende Beschluss des Bundestages, sich auch militärisch in die Syrienkrise einzuschalten. Dies hat auch die Gottesdienste und Andachten am Volkstrauertag geprägt. Ich sehe die Gefahr, dass Krieg und Terror uns deutlich näher kommen und hoffe – um es mal etwas pastörlich auszudrücken – umso mehr, dass die weihnachtliche Friedensbotschaft weltweit die Menschen bewegen möge.
Das Thema „Flüchtlinge und soziale Gerechtigkeit“ hat mich in diesem Jahr sehr beschäftigt, beschäftigt mich aber auch schon seit längerer Zeit. Da ich aber ein nach vorne schauender Mensch bin, lebe ich mit der Hoffnung, dass unsere Welt die Chance hat, jeden Tag vor allem im Kleinen ein Stückchen mehr dem zu gleichen, wie Gott sie sich wünscht und uns in Jesus vorgelebt hat.
Trotz aller Sorgen und Erschütterungen sehe ich eher optimistisch in die Zukunft und glaube, dass dies auch bei der Mehrheit meiner Pastorenkolleginnen und -kollegen so ist. In unserer Gemeinde hatten wir ein schweren Einbruch – das hat uns sehr beschäftigt, ist für die Zukunft aber kein Thema mehr.
In unserer Gemeinde war die Flüchtlingsfrage mit allem Schwierigen und Schönen, was daran hängt, ein zentrales Thema. Eine Gruppe von Ehrenamtlichen beschäftigt sich intensiv damit und so wird dieses Thema auch im neuen Jahr ganz wichtig bleiben.
Als Gemeinde ist für uns die Frage eines Neubaus als Ersatz für unser Gemeindehaus ein Hauptthema für die Zukunft. Ich persönlich verfolge von den großen politischen Fragen mit dem höchsten Interesse die Verhandlungen während der Klimakonferenz und all das, was danach passiert oder nicht passiert. Mich beschäftigt die Frage, was aus unserer Erde wird.
Und dann der Terror in der Welt: Der Islam ist an sich eine friedliche Religion – wieso aber gibt es an den verschiedensten Stellen der Welt in seinem Namen so viele Gewaltausbrüche? Vielleicht sollte man sich dieser Frage eher soziologisch oder psychologisch als theologisch annähern. Diese Frage ist sehr oft auch in Gesprächen mit Menschen aus unserer Gemeinde thematisiert worden."