Zwei Drittel werden sexuell belästigt

Ophelia nennt Zahlen zu Gewalt an Frauen und Mädchen

Langenhagen. Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November erinnert das Ophelia Beratungszentrum Langenhagen daran, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen auch in Deutschland noch immer alltäglich ist. Dies belegt das Beratungszentrum mit den Fallzahlen des vergangenen Jahres. Im letzten Jahr haben 274 Selbstmelderinnen ab 13 Jahren das Beratungszentrum Ophelia selbständig kontaktiert. Sie hatten verschiedene Formen von Gewalt erlebt, zum Beispiel psychische Gewalt, Mobbing, Belästigung am Arbeitsplatz, sexualisierte Gewalt oder Vergewaltigung. 138 der Selbstmelderinnen kamen aus Langenhagen, 36 aus Hannover, 30 aus der Wedemark, 27 aus Isernhagen, 13 aus Burgwedel und 30 haben keine Wohnortangabe gemacht. Als einzige Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) im Norden der Region Hannover arbeitet Ophelia auch proaktiv, das heißt, bei einem Polizeieinsatz zu häuslicher Gewalt nimmt das Beratungszentrum Kontakt zu betroffenen Frauen auf und bietet Hilfe an. Im vegangenenJahr erhielt Ophelia 277 Polizeimeldungen zu häuslicher Gewalt (sogenannte BISS-Fälle). 175 der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen hatten ihren Wohnsitz in Langenhagen. Andere Betroffene kamen aus den Gemeinden Isernhagen (39), Wedemark (38), Burgwedel (20), Hannover (2) oder blieben ohne Wohnortangabe (3). Innerhalb der BISS-Arbeit hat Ophelia im letzten Jahr 199 Frauen mit einem Beratungsangebot erreicht. Zählt man Selbstmelderinnen und proaktiv erreichte und beratene Betroffene zusammen, so haben im vergangenen Jahr insgesamt 473 Frauen aus dem Norden der Region Hannover die persönliche oder telefonische Beratung von Ophelia in Anspruch genommen.
„Diese Zahlen beleuchten nur das Hellfeld. Statistisch gesehen haben zwei Drittel aller Frauen in ihrem Leben sexuelle Belästigungen erfahren. Fast jede zweite Frau erleidet psychische Gewalt wie massive verbale Einschüchterungen und Drohungen und jede dritte Frau in Deutschland erlebt körperliche oder sexualisierte Gewalt“, fasst Corona Bröker vom Ophelia Beratungszentrum zusammen. „Gewalt gegen Frauen geht quer durch die Gesellschaft und durch alle Schichten. Die meisten Übergriffe passieren noch dazu im direkten sozialen Umfeld der Betroffenen, wo sie sich eigentlich sicher fühlen müssten. Angst und Scham erhöhen den Leidensdruck. Viele schweigen und fühlen sich sogar mitschuldig. Dabei sind Sexismus, das Herunterspielen von Vorfällen und eine Täter-Opfer-Umkehr strukturelle Probleme unserer Gesellschaft, die Gewalt und Machtmissbrauch begünstigen“, so Bröker. Das Ophelia Beratungszentrum unterstützt und bestärkt Frauen und Mädchen, die Gewalt erfahren haben. „Wer von Gewalt und Belästigungen betroffen ist, verarbeitet dies immer individuell. Unsere Beraterinnen nehmen jede Betroffene mit ihrer jeweils eigenen Geschichte und ihren persönlichen Bedürfnissen wahr und ernst“, so Bröker. Die Beratung erfolgt vertraulich, kostenlos und auf Wunsch anonym. Das Ophelia Beratungszentrum in der Ostpassage 9 in Langenhagen berät Frauen und Mädchen ab 13 Jahren, die Gewalterfahrungen gemacht haben – egal, ob körperliche, seelische, sexualisierte, soziale, ökonomische oder digitale Gewalt. „Das Beratungsangebot beschränkt sich dabei nicht nur auf Akutsituationen. Unterstützung kann auch gesucht werden, bevor Gewalt eskaliert oder wenn die belastenden Erlebnisse bereits länger zurückliegen“, betont Bröker. Sie erreichen das Ophelia Beratungszentrum unter der Telefonnummer (0511) 7 24 05 05 und können sich online unter www.ophelia-langenhagen.de informieren.
Das Ophelia-Beratungszentrum berät Frauen und Mädchen ab 13 Jahren. Von sexualisierter Gewalt betroffene Mädchen unter 13 Jahren können sich an die Fachberatungsstelle Violetta wenden (Infos unter www.violetta-hannover.de). Für Jungen und jugendliche Männer gibt es die Fachstelle mannigfaltig (Infos unter www.mannigfaltig.de). Männer finden eine Beratungsmöglichkeit im Männerbüro in Hannover (Infos unter www.maennerbuero-hannover.de).