Zwei ganz besondere Objekte

Die Architekten Florian Holik (links) und Manuel Windmann, verantwortlich für Entwurf und Planung der neuen Airport-Apotheke.
 
Stefan Klotmann und Frauke Schaper rückten die Vorzüge des Cafés Sichtbar wieder ins rechte Licht. Fotos: D. Lange

Tag der Architektur rückt den Flughafen ins Blickfeld

Langenhagen (dl). Eine „begehbare Raumskulptur in Weiß und Orange“ nennen die Braunschweiger Architekten Manuel Windmann und Florian Holik ihren Entwurf für den Innenausbau der neuen Airport-Apotheke, die jetzt als eines von drei Langenhagener Objekten zum Tag der Architektur interessierten Besuchern vorgestellt wurde.
Bauherrin und Betreiberin Irene Friedemann hatte sich gegen eine vorgefertigte Apothekenausstattung entschieden und setzte stattdessen auf das individuelle Konzept der Braunschweiger. Keine Ecken und Kanten, stattdessen Rundungen und fließende Formen in Weiß mit Farbakzenten in Orange bei bestmöglicher Raumausnutzung zur Schaffung maximalen Stauraums – das waren die konkreten Vorgaben der Bauherrin, die zusätzlich mit den baurechtlichen Anforderungen für den Apothekenausbau und nicht zuletzt mit den Auflagen des Flughafens in Einklang zu bringen waren. Kernstück des Raumes ist der Verkaufstresen, der zunächst den Rundungen der Wand folgt und sich dann als funktionaler Raumteiler durch den Laden zieht. Die weiße Tresenfläche wird dabei von einem orangefarbigen Absatz optisch betont. Die Oberfläche des Tresens besteht aus einem mineralischen, durchgefärbten Werkstoff, der sich unter Hitzeeinwirkung mit Hilfe von Schablonen biegen und formen lässt. Dessen Herstellung sei allerdings wegen der vielen Rundungen mit unterschiedlichen Radien eine besondere handwerkliche Herausforderung gewesen und habe die Herstellung etlicher Schablonen notwendig gemacht, berichteten die Architekten.
Das Ergebnis der Mühe kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen, aber auch fühlen lassen: Das Material wirkt angenehm, und die Oberflächen sind antibakteriell und leicht zu reinigen. Einen großen Anteil am hellen und großzügigen Gesamteindruck des Verkaufsraumes hat auch die Lichtgestaltung: Statt einzelner Leuchtstoffröhren befinden sich diese hinter zwei Lichtflächen an der Decke und vermitteln das Gefühl von Tageslicht.
Als zweites für den Tag der Architektur ausgewähltes Objekt präsentierte sich am Sonntag das Café „ Sichtbar“, zu finden an der Außenfront des Flughafens mit Blick auf das Vorfeld. Mit seinen großen Fensterflächen ist das Café sicher ein Highlight in der Flughafengastronomie, allerdings war diese Qualität aufgrund der dunklen Möbelfronten und der sichtbehindernden Gestaltung des Tresens bislang nicht ohne weiteres zu erkennen. Zudem waren in zehn Jahren täglichen Betriebs der Bodenbelag, die Polster der Sitzbänke sowie viele Oberflächen verschlissen und abgenutzt – höchste Zeit also für einen Umbau.
Gemeinsam mit Architektin Frauke Schaper erarbeitete der neue Betreiber des Cafés, Stefan Klotmann, den Entwurf für die Neugestaltung, der mit seinen weißen Fronten,Tischen und Stühlen sowie einigen farbigen Akzenten einen leichten und luftigen Eindruck macht. Dank exakter Planung dauerte der komplette Umbau lediglich zehn Tage, und seitdem fällt der Blick bereits vom Eingang her und natürlich von jedem Sitzplatz aus auf das Geschehen jenseits der großen Fensterfront - es wird eben wieder „sichtbar“. Damit war denn auch der neue Name für das Cafè gefunden; schließlich ist der freie Blick auf die Flugzeuge das Pfund, mit dem die „Sichtbar“ wuchern kann. Die Gäste sitzen mit den Piloten quasi auf Augenhöhe, im Unterschied zur Aussichtsterrasse. Stefan Klotmann erzählt, dass in regelmäßigen Abständen ein Vater mit seinem kleinen Sohn kommt, und die beiden lange bei ihm sitzen um die Flugzeuge zu beobachten. Als der Airbus A 380 da war, habe man den Riesenvogel vom Café aus leider nicht sehen können, aber Lena, die sei im offenen Auto direkt am Fenster vorbei gefahren. Da war es natürlich rappelvoll – und anschließend dauerte das Fensterputzen etwas länger als sonst.