Zweifel am Zahlenwerk

"Lärmaktionsplanung ist eine Daueraufgabe" ist auf der Leinwand zu lesen. Die rechnerischen Ergebnisse der Gutachter finden kaum Akzeptanz bei den Zuhörern. Wolfgang Langrehr (links), Carsten Hettwer und Anette Mecke nehmen Stellung.Foto: G. Gosewisch

Prognose zur Verkehrsentwicklung vorgestellt

Kaltenweide (gg). Es waren die Ratsfraktionen von SPD und Grünen, die vor zwei Jahren die Erstellung eines gutachterlichen Verkehrsentwicklungsplans als Beschlussdrucksache anregten. Dieser wurde ihnen nun von Thomas Müller vom Ingenieurbüro Schubert in einer gemeinsamen Sitzung der Ortsräte aus Kaltenweide und Krähenwinkel im Niet Hus in Kaltenweide umfangreich vorgestellt. Doch die sachliche Aufklärung über die tatsächliche Situation zur Verkehrsbelastung führte vorerst nicht zur Einsicht. Mehr noch, selbst die Richtigkeit wurde angezweifelt. Verständnisschwierigkeiten forderten die Geduld aller Sitzungsteilnehmer. Entscheidungen der Ortsräte gab es keine, die entsprechenden Vorlagen wurden in die Beratung zurückgezogen. Aufgrund vieler emotionaler Reaktionen aus den Reihen der Zuhörer musste Ortsbürgermeister Wolfgang Langrehr als Sitzungsvorsitzenden mehrfach für Ordnung sorgen. Auf der Basis von Zählungen des aktuellen Verkehrsaufkommens wurde vom Ingenieurbüro Schubert eine Analyse und eine Prognose erstellt, die wiederum zu einer Empfehlung für die Verkehrsführung ausgearbeitet wurde – sowohl für den Autoverkehr als auch für Verkehrsteilnehmer mit dem Rad. „Klar ist, dass die Walsroder Straße und die Weiherfeldallee immer eine Hauptverkehrsstraße bleiben werden“, musste Thomas Müller auf Nachfragen mehrfach wiederholen. Das ergebe sich aus der Tatsache der Wohnbebauung im Weiherfeld. Nur 20 Prozent sei Durchgangsverkehr – beispielsweise aus der Wedemark in Richtung Langenhagen. Insgesamt geht es aktuell um Größenordnungen von 10.000 Autos pro Tag auf der Weiherfeldallee und 12.500 Autos pro Tag auf der Walsroder Straße. Ohne Veränderung der Verkehrsführung sieht die Trendrechnung für das Jahr 2020 einen deutlichen Anstieg des Verkehrsaufkommens. Das bedinge die Strukturentwicklung mit weiterer Wohn- und Gewerbebebauung, mit der Erweiterung des Flughafens und der des Zentrums Langenhagen. Mit einer Änderung der Verkehrsführung prognostiziert Müller eine Reduzierung der täglich zu zählenden Autos um 2.000 weniger als im Moment. Er empfiehlt die Abhängung der Walsroder Straße für den Durchgangsverkehr in Höhe der Heinrich-Hagemann-Allee (das ECHO berichtete), um den Durchgangsverkehr auf die A 352 zu führen und ein Maßnahmenpaket zur Förderung des Radverkehrs. Dringender Handlungsbedarf sei an der Kreuzung Wagenzeller Straße und Kananoher Straße. Viele sehr positive Strukturen seien vorhanden, dazu gehöre insbesondere die S-Bahn-Anbindung. Bestätigt wurden die Ausführungen von Müller durch die Ergebnisse des Lärmaktionsplans der LK Argus, die von Eckhard Heinrichs vorgestellt wurden. Per EU- und Bundesverordnung untersuchungspflichtig sei die Situation nicht. Die sei erst ab einem Verkehrsaufkommen von 16.000 Autos pro Tag und einer Lärmbelästigung von mehr als 75 Dezibel gegeben. „Langenhagen lässt hier also vorsorglich Gutachten ausarbeiten“, so sein Hinweis. Wie weit sich die individuell wahrgenommene Verkehrsbelastung von der Feststellung der Messwerte der Ingenieurbüros unterscheide, machten die Fragen von Edgar Schmidt-Nordmeier und Gabriele Spier aus dem Ortsrat Krähenwinkel deutlich. Immer wieder ging es ihnen um den Schwerlastverkehr, den sie als größte Belastung empfinden. Das Gutachten stellt dazu keine außerordentlich hohe Belastung fest und die sei nach den Ausführungen von Müller auch nicht zu mindern. Grund ist die Brücke mit beschränkter Durchfahrtshöhe von 3,70 Meter am Pferdemarkt, die Alternativstrecke. „Daran etwas zu ändern ist so gut wie aussichtslos“, so Stadtbaurat Carsten Hettwer mit Hinweis auf die Zuständigkeiten von Bahn und Bund. Als nächstes spricht der Ortsrat Krähenwinkel wieder am 27. Januar über das Thema ab 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus.