Zwischen Leben und Tod

Der Grat zwischen Leben und Tod ist schmal, das wird beim Suizid von Mechthild Bach deutlich. Wo beginnt die Schmerzlinderung, um das Sterben zu erleichtern und wo die aktive Sterbehilfe? Es ist immer noch eine Grauzone, in der wir uns in Deutschland bewegen. Eine Grauzone, die die Beurteilung des Falles Bach so schwer macht. Hat die Medizinerin ihre Grenzen im rechtlichen Sinne überschritten oder hat sie im ethischen Sinne zum Wohle ihrer Patientinnen und Patienten gehandelt und ihnen einen würdigen Tod ermöglicht? Wie weit darf eine Ärztin, die eine gewisse Machtposition hat und mit ihrem Verhalten über Leben und Tod richten kann, gehen? Eine Frage, der das Gericht in einem jahrelangen Prozess nachgegangen ist, bei dem am Schluss sogar der Vorwurf des Mordes im Raum stand. Die Dauer des Prozesses hat Mechthild Bach sicherlich zermürbt; die jüngste Einschätzung der Richter haben ihr wahrscheinlich jegliche Lebensperspektive genommen, eine lebenslange Freiheitsstrafe vor Augen. So bleiben nach diesem Suizid eine Menge Fragen ungeklärt, vor allem die Frage nach der Schuld. Die kann nun nicht mehr aufgearbeitet werden, aber das Thema „Sterbehilfe“ bleibt weiterhin brisant und polarisierend. Oliver Krebs