Autokorsos werden zunehmend gefährlicher – Polizei oft machtlos

AvD ruft motorisierte Fußballfans zu Besonnenheit auf

Am morgigen Freitag treten die griechische und die deutsche Nationalmannschaft gegeneinander an und kämpfen um den Sieg des EM-Viertelfinales. Aus spielerischen, aber auch aus bekannten politischen Gründen dürfte es also ziemlich heiß hergehen. Die nach dem Ende solch entscheidender Spiele sehr beliebten und immer exzessiver gestalteten Autokorsos bereiten der bisher eher zurückhaltenden Polizei zunehmend Sorgen. Denn: Fans ragen weit aus Fenstern und Schiebedach heraus, Cabrios mutieren zu offenen rollenden Showbühnen der Fahnen- und Bierflaschenschwenker, die Motorhaube dient als Tanzfläche und Gesangs-Parkett. Das ist wie Spontan-Karneval. Jubellaune und Siegesrausch enthemmen schnell und fördern den Leichtsinn. Die emotionsgeladene Stimmung schaltet nicht selten und gerade bei jüngeren Teilnehmern jede Vernunftreaktion aus. Nachvollziehbar ja – aber nicht akzeptabel.
Klare Sache: Hupen, johlen, feiern – das steckt zum Mitmachen an. Die andere Seite der Medaille: Vor einer Woche stürzte ein kroatischer Fußballfan in Frankfurt beim Feiern aus dem Autofenster und starb wenig später an den schweren Kopfverletzungen. Wenige Tage später prallte in Remscheid ein Korso-Pkw gegen einen entgegenkommenden Wagen – acht Personen wurden zum Teil schwer verletzt. In Recklinghausen verfing sich die Fahne eines Quadfahrers im eigenen Antrieb, das Korsogefährt kippte schlagartig um – Fahrer schwer verletzt. Nur drei Beispiele von vielen.
AvD und Polizei warnen Korso-Teilnehmer deshalb eindrücklich vor leichtsinnigen Feiertouren. Denn bei aller verständlichen Freude und Ausgelassenheit sind die Regeln der Straßenverkehrsordnung (StVO) auch nach wichtigen EM-Spielen nicht außer Kraft gesetzt. Alkohol am Steuer, Rotlichtsünden, Missachten von Vorfahrtsregelungen und Lärmstörungen bleiben ungesetzlich.
Sind Autokorsos denn überhaupt erlaubt? Streng genommen nein. Laut Straßenverkehrsordnung ist bei der Benutzung von Fahrzeugen unnötiger Lärm sowie unnützes Hin- und Herfahren verboten. Aber die Polizei drückt während der EM erfahrungsgemäß beide Augen zu. Vorerst noch.
Der AvD empfiehlt allen Korso-Teilnehmern: im Fahrzeug stets anschnallen und angeschnallt bleiben, auch bei sehr geringem Tempo. Denn das Verletzungsrisiko ist ohne Sicherheitsgurt um ein Vielfaches höher, zudem kann die Haftpflichtversicherung sonst von einem Mitverschulden ausgehen. Apropos Mitverschulden: Der Fahrer selbst muss darauf achten, keine alkoholisierten Mitfahrer zu befördern, die ihn selbst gefährden könnten. Das hört sich nachvollziehbar an, ist in der Praxis erfahrungsgemäß eher schwierig, aber dennoch unumgänglich. Und es setzt beim Fahrer ein starkes Persönlichkeitsbild voraus: Er will kein „Spielverderber“ sein, muss aber ganz genau abwägen, was noch vertretbar ist und wo er die Notbremse ziehen muss. Der AvD warnt: dem ausgelassenen Feierdrang bei erkennbarem Risiko auf keinen Fall nachgeben!
Was außerdem tabu ist und bei der Polizei auf Null-Toleranz trifft: Das Auto ist während der Fahrt keine Kletter- und Hüpfburg, also: nicht übermäßig hinauslehnen, niemals aufs Dach klettern, nicht die Haube besteigen, nicht den Kofferraum als Passagierabteil umfunktionieren. Fahnenschwenker und Schalträger sollten dem Fahrer nicht die Sicht nehmen, Trillerpfeifen am Fahrerohr rauben jegliche Aufmerksamkeit fürs Verkehrsgeschehen. Der Abstand zum Vordermann sollte immer ausreichend sein und bleiben, damit man bei plötzlichen Stopps noch ohne Auffahrunfall reagieren kann. Anweisungen der Polizei sind immer zu befolgen, diese bringt viel Verständnis mit, muss aber die Regeln der StVO durchsetzen.
Das Auto ist als Plattform für überschwängliches Feiern denkbar ungeeignet. Damit ein Autokorso dennoch zu einem unvergesslich positiven Ereignis werden kann, müssen nur ein paar Grundsätze beachtet werden. Damit das Viertelfinale zum vollen Erfolg wird.
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