Sieg oder Niederlage?

Am Ende steht immer die Niederlage. Ob bei Sportlern oder in unserem eigenen Leben. Am Ende können wir nicht Sieger oder Hero bleiben. Schade, dabei tun wir so viel für den Erfolg. Wir lernen und arbeiten, trainieren und studieren und vorübergehend sieht es auch nach dem großen Erfolg aus. Wir schaffen Prüfungen, gründen eine Familie, sind erfolgreich.
Am Ende stehen aber doch die Niederlage, der Verlust und das Abschiednehmen. Erfolg ist flüchtig. Das ist eine der bittersten Erfahrungen unseres Lebens. Diese Erfahrung hat auch Jesus in einer geradezu sprichwörtlichen Art gemacht. Erst haben sie ihn auf den Schild gehoben, um ihn wenige Tage später zu kreuzigen. „Halleluja“ und „kreuziget ihn“ lagen unmittelbar hintereinander. Gerade noch wollten sie ihn zum König machen, um sich vier Tage später für seinen Tod auszusprechen. Wir erinnern uns an Palmsonntag und Karfreitag daran.
Auch bei Jesus stand am Ende die Niederlage wie bei uns. Nur jetzt kommt der eigentliche Clou. Die Niederlage war ein Sieg. Wie kann das sein? Wir kennen das ein wenig aus dem aktuellen Geschehen. Wenn jemand in der Niederlage aufrecht bleibt, er oder sie selbst, wenn jemand zu seinem Scheitern steht und sich nicht zum Affen macht, dann gewinnt er u.U. sogar trotz des Scheiterns an Ansehen. Die deutsche Fußballnationalmannschaft war 2006 so ein Fall. Trotz des Scheiterns im Halbfinale gegen Italien wurden sie wie Sieger gefeiert. Unsere zurückgetretene Bischöfin Margot Käßmann gehört für mich auch in diese Kategorie. Sie ist ohne Frage gescheitert, aber sie blieb aufrecht und trat zurück. Das hat ihr viel Respekt eingebracht. Die Häme ist verstummt.
Noch tiefer geht dieser Effekt bei Jesus. Sein Scheitern war total. Es endete tödlich. Sein Sieg war aber noch umfassender. Er wurde zu der Hoffnung aller Gescheiterten. Er wurde nach dem Tod lebendiger als er je als Lebender auf Erden war. Wir glauben, dass seine Auferstehung für uns alle gilt und am Ende nur scheinbar eine Niederlage steht. Am Ende werden auch wir mit ihm siegen.

Ulrich Krämer, Pastor