„Bis auf wenige Ausnahmen haben die Ergebnisse gestimmt“

Die Spieler im Urlaub oder in der WM-Qualifikation, doch in der RECKEN-Geschäftsstelle herrscht noch reger Betrieb. Das Team um Geschäftsführer Benjamin Chatton befindet sich mitten in den Vorbereitungen für die neue Saison. Im ersten Teil des großen Interviews mit die-recken.de blickt Chatton auf die Saison 2013/2014 zurück und spricht über das bevorstehende WM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Polen. Ein weiterer Teil des Interviews erscheint in den kommenden Tagen.
Welche Schulnote würdest du der Mannschaft in der Endabrechnung geben?
Ich würde uns über den gesamten Saisonverlauf die Schulnote gut geben.
Warum?
Bis auf wenige Ausnahmen haben unsere Ergebnisse gestimmt. Wir haben eine grundsolide Hinrunde mit dem Höhepunkt des ersten Europapokalspiels gegen die Kadetten Schaffhausen gespielt. In der Rückrunde haben wir eine enttäuschende Woche (Anmerkung der Redaktion Spiel in Magdeburg, gegen Lund und in Csurgoi) gehabt. Vom reinen Ergebnis her sind der Sieg gegen Flensburg und das Unentschieden in Hamburg sicherlich hervorzuheben. Für mich war allerdings der Erfolg im Heimspiel über Csurgoi der wesentlich bedeutendere Sieg. Die Mannschaft hat in diesem Spiel unter äußerst schwierigen Voraussetzungen Tugenden gezeigt, die man sonst nur im Titel- oder Abstiegskampf beobachten kann.
Welche Spieler haben dich in dieser Saison am meisten begeistert?!
Gefreut habe ich mich über die Entwicklung und die gestiegenen Spielanteile der Akteure aus dem Perspektivkader wie beispielsweise Julius Hinz, Timo Kastening oder Hendrik Pollex.
Welche Erfahrungen können wir aus dem EHF Cup mitnehmen?!
Unsere Gegner Lugi Lund HF, Csurgoi KK und Reale Ademar León in der Gruppenphase haben den Gedanken und den Charakter des Wettbewerbs sehr gut wiedergespiegelt. Wir sind in den Genuss der nord-, mittel- und südeuropäischen Kultur gekommen. Ein wichtiger Lerneffekt für uns war es, dass man in solchen Spielen auf den Punkt bereit sein muss und sich keine Ausrutscher erlauben darf, da man diese nicht mehr kompensieren kann. Es ist uns nach der Winterpause nicht gelungen, direkt zu funktionieren.
Hat sich die Mannschaft im EHF Cup unter Wert verkauft?!
Das würde ich nicht sagen. Diese Aussage würde eine unberechtigte Arroganz gegenüber unseren Gegnern darstellen. Wir haben in drei von vier Heimspielen packende Duelle für unsere Zuschauer geliefert, aber die Ergebnisse haben insgesamt nicht gereicht, um in das Viertelfinale einzuziehen.
Der Perspektivkader hat am letzten Spieltag die 3. Liga gehalten. Wie wichtig ist der erfolgreiche Unterbau für das Gesamtkonzept der RECKEN?!
Die zweite Mannschaft ist ein elementarer Bestandteil unseres Konzeptes. Die Spieler sind zugleich Hoffnungsträger für den zukünftigen Bundesligakaders und dienen auch als Vorbilder für die gesamte Jugendabteilung. Die dritte Liga ist extrem wichtig, um den Talenten den Sprung in den Bundesligakader überhaupt zu ermöglichen. Eine hohe Trainingsqualität sowie die nötige Spielpraxis sind für junge Spieler essentielle Voraussetzungen.
Am Wochenende kämpft die Nationalmannschaft um die Quali zur WM. Wie siehst du die Chancen im Rückspiel?!
Ich sehe die Chancen wie bereits vor dem Hinspiel bei 50:50. Allerdings ist nicht nur die Spielstätte von Ost nach West gewandert, sondern auch der Erwartungsdruck. Wenn wir am Sonnabend Spieler haben, die die Atmosphäre und den Druck nicht als Belastung sondern als positive Herausforderung empfinden, werden wir das Spiel gewinnen.
Welche Bedeutung hat der Ausgang des Spiels für den deutschen Handball?
Sowohl ein Sieg als auch eine Niederlage bieten Chancen. Eine erfolgreiche WM-Qualifikation würde der kurz- bis mittelfristigen Planung aber sicherlich einen Impuls geben. Egal wie das ausgeht, Handball wird weiterhin auf 40 mal 20 Metern gespielt werden, allerdings könnte das Scheinwerferlicht etwas gedimmt sein.
In diesem Zusammenhang werden auch immer wieder Ausbildungsquoten und so weiter gefordert. Was hältst du davon?
Es gibt aus meiner Sicht eine klare Rechtslage in der EU. Daher wird es für uns primär gemeinsam darum gehen, die Qualität unserer Nachwuchsspieler zu erhöhen und die Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Wenn alle Beteiligten Verantwortung übernehmen, ist aus meiner Sicht auch keine Sonderregelung nötig.