Die Nummer eins der Stadt trägt Rot und Blau

Überglücklich nach dem Spiel: das Team des TSV KK und seine Fans. (Foto: O. Krebs)
 
Ein Bild mit Symbolcharakter: Die Godshorner waren nach der bitteren Niederlage auf dem Boden der Tatsachen angekommen. (Foto: O. Krebs)

1.000 Zuschauer erleben beim 6:0 ein Fußballfest am Waldsee

Langenhagen. „Da kommen höchstens 300“, so die Prognose einiger Helfer des TSV Krähenwinkel/Kaltenweide, als sie zur Mittagszeit gen Himmel sahen. Es regnete seit Stunden und eine wirkliche Besserung war nicht in Sicht. Dabei sollte es doch richtig voll werden – heute, da der große Tag gekommen war. Der Tag, an dem das lange ersehnte Derby in der Fußball-Landesliga zwischen dem TSV KK und dem TSV Godshorn angepfiffen werden sollte. Ein Duell mit historischer Bedeutung, denn
in der höchsten Spielklasse des Fußballbezirks hatte es diese Paarung noch nie gegeben.
Doch dann kamen sie in Scharen. Unzählige Rot-Blaue, etliche Grün-Weiße und eine große Zahl neutraler Besucher sorgten dafür, dass am Ende rund 1.000 Zuschauer eine großartige Kulisse bildeten – trotz des Regens, trotz der Kälte - all dies war an diesem Nachmittag nebensächlich. Und die vielen Schlachtenbummler hatten auf ein emotionales, jedoch faires und spannendes Spiel gehofft. Nun, was die Fairness betrifft, so gab es auf beiden Seiten nichts zu bemängeln. Die Akteure gingen respektvoll miteinander um und stellten Schiedsrichter Alexander Roj vom TSV Barsinghausen vor keine allzu großen Probleme. Doch wer auf Spannung gehofft hatte, der wurde schnell eines Besseren belehrt. Denn während die eine Mannschaft eine heraus- ragende Leistung auf den Rasen brachte, sollte dem anderen Team an diesem Tag kaum etwas
gelingen. Schülermannschaft gegen gestandenes Herrenteam brachte Godshorns Trainer Tan Türkyilmaz die Rollenverteilung nach dem Spiel klar auf den Punkt. Nach 14 Minuten durfte der große Anhang des TSV KK zum erstenmal jubeln. Philipp
Schmidt brachte sein Team mit einem direkt verwandelten Freistoß in Führung. Und in die
Freudengesänge des lautstarken KK- Fanblocks hinein legte Marcel Kunstmann nach einer Flanke von René Legien direkt das zweite Tor nach. Damit nicht genug. Nur fünf Minuten später erhöhte Felipe-Marcel Böttcher auf 3:0. Als den Godshornern nach einem Missverständnis zwischen Metin Akyol und Torhüter Daniel Hoffmeister auch noch ein äußerst unglückliches
Eigentor unterlief, da hatte kaum jemand einen Zweifel mehr daran, welche Mannschaft
an diesem Tag als Sieger vom Platz gehen würde. Die Gastgeber waren in allen Belangen
hochüberlegen, hätten bis zur Pause sogar noch weitere Treffer nachlegen können.
Nach dem Seitenwechsel schien der TSV KK zunächst einen Gang zurückzuschalten, ohne dass der TSV Godshorn daraus hätte Kapital schlagen können. So war Gästetrainer
Tan Türkyilmaz auch tief enttäuscht, sprach davon, dass seine Mannschaft teilweise
„Angst vor dem eigenen Schatte und Blei in den Knochen und“ gehabt, Angsthasenfußball gespielt habe. In der 65.Minute war es dann Daniel Mücke, der den Ball zum 5:0 im Netz versenkte. Der Schlusspunkt des Torreigens war Marcel Kunstmann vorbehalten. Der Torjäger traf in der 71.Minute zum 6:0-Endstand und
steht nun gemeinsam mit Pattensens Darius Marotzke und Adem Lukac vom HSC auf Platz eins der Torschützenliste. Dieses ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Kunstmann erst eine Viertelstunde vor Beginn des Spiels von der Arbeit kommend erschienen war. So stand am Ende ein beeindruckendes 6:0 auf der Anzeigentafel – ein Resultat, mit dem sicherlich kaum jemand zuvor gerechnet hatte. Das einzige Lob, das Türkyilmaz verteilte, ging an die Anhänger des TSV Godshorn. Diese standen im Moment des deftigen Rückschlags zu ihrer Mannschaft, sangen den Klassiker „You`ll never walk alone“. Aber die Fans der Krähen waren es eben,die  zum Schluss wurde ein riesiges Spruchband mit dem Lieblingswort „Derbysieger“ präsentieren konnten.
So waren es neben der eigenen Leistungsstärke vielleicht zwei Faktoren, die den TSV KK zu diesem Sieg geführt haben. Die Aussage des Godshorner Trainers, die Grün-Weißen seien auf
jeder Position besser besetzt, hat bei den Krähen mit Sicherheit für weitere Motivation vor dem Stadtderby gesorgt, um das Gegenteil zu beweisen. Und zum anderen hat die unglaubliche Kulisse die Rot-Blauen  zum Derbysieg getragen. Ein Fußballfest par excellence, und Krähenwinkels Trainer Ingo Trebing schwärmte: „Überragend in allen Belangen!“
Schon jetzt sollten sich alle Fußballfreunde den 22. April 2018 freihalten – dann findet am
Godshorner Spielplatzweg das Rückspiel statt.
Nach dem emotionalen Derby geht es am nächsten Wochenende in der Landesliga
mit dem zehnten Spieltag weiter. Die Krähen hoffen trotz des legendenumwobenen
Datums auf einen Glückstag am kommenden Freitag, 13. Sie treten bei der
Reserve des Regionalligisten 1.FC Germania Egestorf/Langreder an. Das Spiel wird
um 20 Uhr unter Flutlicht auf der Anlage in Langreder angepfiffen.
Der TSV Godshorn wird am Sonntag, 15.Oktober, ab 15 Uhr im Heimspiel gegen
die SpVgg Bad Pyrmont versuchen, wieder in die Erfolgsspur zu finden.

Mannschaft TSV KK: J. Helms, Hübner, S. Helms (ab 61.Schütz), T. Miener, Pfeuffer
(ab 72.Tasche), Dosch, Mücke, Böttcher, Legien, Schmidt (ab 51.Döpke), Kunstmann
Trainer: Trebing
Mannschaft TSV Godshorn: Hoffmeister, Jav. Guerrero-Diz (ab 56.Garcia Sanchez),
Wittber, Thiele, Akyol (ab 26.Joel Guerrero Diz), Huxohl, Fürst, Kasumovic, Rodriguez
(ab 73.A. Bönig), S. Bönig, Göhr Trainer: Türkyilmaz
Tore: 14.1:0 Philipp Schmidt, 15.2:0 Marcel Kunstmann, 19.3:0 Felipe-Marcel Böttcher,
24.4:0 Eigentor, 65.5:0 Daniel Mücke, 71.6:0 Marcel Kunstmann