Die Spätstarterin mit der Flinte

Zielsicher unterwegs: Nele Wißmer.

Nele Wißmer will im Skeet 2020 zu Olympia nach Tokio

(ok). Sie ist eine Spätstarterin in ihrem Sport, allerdings eine sehr erfolgreiche. Erst mit 16 Jahren ist die Isernhagenerin Nele Wißmer 2013 zum Schießen gekommen, in die Fußstapfen ihres Opas getreten, der ein passionierter Jäger und Sportschütze war. Vorher hatte die heute 19-jährige Studentin der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hannover mit Waffen nichts am Hut gehabt; ihre Leidenschaft waren eher Cheerleading und Reiten. Nele Wißmer: „Reiten hat mir schon viel gebracht; gerade, was Gleichgewicht und Körpergefühl angeht.“ Sonst sei das Schießen eher „eine mentale Geschichte“, die viel Technik erfordere. Nele Wißmers Disziplin ist Skeet – insgesamt 75 Schuss aus acht verschiedenen Positionen auf die Wurfscheiben. Und die junge Sportlerin, die im Schnitt 65 bis 70 Treffer schafft, ist ehrgeizig, hat sich die Teilnahme an der Olympischen Sommerspielen in Tokio im Jahre 2020 zum Ziel gesetzt. In ihrer noch jungen Laufbahn hat sie schon einige Titel eingeheimst: Bronzemedaille bei der Deutschen Meisterschaft, wo Juniorinnen und Seniorinnen gemeinsam antreten; Vizeuropameisterin in der Mannschaft bei den Juniorinnen 2015 und 2016, im Einzel 2016. „Der Einzug ins Finale in Lonato am Gardasee war völlig überraschend, für Gold hat die Anspannung dann einfach nicht mehr gereicht“, sagt Nele Wißmer. Trotzdem freut sie sich über den großen Erfolg. Die Begeisterung über ihre Siege teilt sie oft mit ihrem Vater Kay, der sie zu Turnieren begleitet und mit ihr trainiert. „Durch mich ist er wieder auf den Geschmack beim Schießen gekommen“, erzählt Nele Wißmer schmunzelnd. Doch der Weg zum Ziel ist weit, nicht leicht und auch nicht ganz billig. Deshalb ist die junge Frau, die 2013 beim Schützenverein Kaltenweide – dort werden die Jüngsten schon mit dem Lichtpunktgewehr an den Schießsport herangeführt – angefangen hat, dann zum Hannoverschen Jagdklub gewechselt ist und demnächst in Westfalen beim SSC Schale schießen wird, froh über ihre Sponsoren, die Deutsche Sporthilfe und die so genannte Nord-West-Allianz Wurfscheibe. Und dann ist da ja noch das Baby der Schießsportlerin, ihre Flinte: Demnächst steht bei Nele Wißmer ein Waffenwechsel auf dem Programm, eine Perazzi, die Königin unter den Gewehren soll es werden. In etwa einem Monat endet die Saison, da nur im Sommerhalbjahr geschossen wird. Nele Wißmer: „In der Halle gibt es einfach nicht die realistischen Bedingungen wie zum Beispiel Wind.“ Bis Saisonende stehen noch die Deutsche Meisterschaft in München und die Studenten-Weltmeisterschaft in Polen auf dem Programm. „Dann wird die Flinte erst einmal weggelegt“, sagt die junge Frau lachend. Im nächsten Jahr will sie dann wieder angreifen, sich in ihrem Premierenjahr einen Platz in der Damenriege erkämpfen.
Das gehe parallel zum Studium nur mit viel Herzblut und Zeit. Und mit einem Freund an der Seite, der Fußballer ist und viel Verständnis für Nele Wißmers aufwändiges Hobby hat.