Gewonnen – gezittert – gefeiert

Sicherte nicht zuletzt mit seinen Toren den Klassenerhalt des TSV KK: Neuzugang Marcel Kunstmann (links), hier im Laufduell mit Ramlingens Christopher Weindl. (Foto: T. Bork)

Überglückliche Krähen feiern Nichtabstiegsparty

Was für ein Finale im Abstiegskampf der Fußball-Landesliga. Am vergangenen Sonnabend war er gekommen, der Tag der Entscheidung. Aus drei Mannschaften wurde noch eine gesucht, die die bereits feststehenden Absteigern aus der Landesliga begleiten wird und den bitteren Gang in die Bezirksliga antreten muss. Alle drei Teams waren im Jahr 2015 in die Landesliga aufgestiegen und hatten im ersten Jahr die Klasse halten können. Doch, dass das zweite Jahr ungleich schwerer sein würde, dessen war man sich sowohl in Eldagsen als auch in Almstedt und in Krähenwinkel im Laufe der Zeit bewusst geworden. Aus diesem Trio hatte der TSV Krähenwinkel/Kaltenweide vor dem finalen Spieltag die schlechtesten Voraussetzungen. Zum einen starteten die Krähen von jenem Abstiegsrang, dem 13. Platz, in den letzten Spieltag; zum anderen wartete mit einem Auswärtsspiel beim Tabellenvierten SV Ramlingen/Ehlershausen eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe. Der FC Eldagsen und der MTV Almstedt hatten da mit Heimspielen gegen die Teams aus Wetschen und Lehrte, die bereits als Absteiger feststanden, vermeintlich lösbarere Programme zu absolvieren. Doch die Hoffnung aufgeben – so etwas, das haben die vergangenen Monate eindrucksvoll bewiesen, gibt es für den TSV Krähenwinkel/Kaltenweide nicht. So machte sich ein großer und stimmgewaltiger rot-blauer Tross auf den Weg nach Ramlingen, um die Mannschaft dort
nach Kräften zu unterstützen. Nach einer beeindruckenden Rückrunde und zuletzt fünf Siegen in Folge war das Vertrauen in das Team groß, auch im Waldstadion einen Sieg einfahren zu können. Die Anfangsphase gehörte jedoch den Hausherren. Der SV Ramlingen/Ehlershausen hatte sich bereits aus dem Meisterschaftsrennen verabschiedet. Dennoch hatte sich der RSE vorgenommen, die Saison seriös zu Ende bringen. Und dass sich die Ramlinger angesichts des für sie nahezu
bedeutungslosen Spiels hängen lassen würden, davon konnte keine Rede sein. Im Gegenteil: Die erste Halbzeit wurde klar von den Gastgebern dominiert. Doch der TSV KK hatte einen großartig aufgelegten Jan Helms im Kasten stehen, der die Chancen von Kesip Caran und Kirill Weber mit Glanzparaden entschärfte. Dann spielte es den Krähen in die Karten, dass sich Ramlingens Bülent Durduran zu einem Foul an RenéLegien hinreißen ließen. Die rote Karte war die Folge. Trotz Unterzahsl wäre der RSE in der 39. Minute fast zum Führungstreffer gekommen. Aron Gebreslasies Kopfball landete am Lattenkreuz, und die bekannte Weisheit vom
Glück des Tüchtigen wurde auf Krähenseite vielfach bemüht. So schaffte es der TSV KK, ein torloses Unentschieden mit in die Halbzeitpause zu nehmen. Die Resultate von den anderen Plätzen sahen zu diesem Zeitpunkt alles andere als krähenfreundlich aus. Der FC Eldagsen verabschiedete sich schnell aus der Verlosung, hatte gegen den TSV Wetschen schon einige Treffer vorgelegt und sollte am Ende zu einem 5:0-Sieg kommen. Der MTV Almstedt lag ebenfalls in Führung – 1:0 gegen den FC Lehrte. Die Krähen waren zur Halbzeitpause abgestiegen.
In der zweiten Halbzeit hatte der TSV KK deutlich mehr vielversprechende Aktionen, während den Hausherren angesichts der numerischen Unterlegenheit mehr und mehr die Kräfte zu schwinden schienen. Die letzten 20 Minuten brachen irgendwann an, und was jetzt folgen sollte, dafür wurden später mit Begriffen wie „unbeschreiblich“, „unglaublich“ oder „märchenhaft“ immer stärkere Adjektive bemüht. In der 72. Minute durften die Krähen zum ersten Mal jubeln – Philipp Schmidt gelang mit einem sehenswerten Flachschuss das 1:0 für die Rot-Blauen. Nur drei Minuten später legte Marcel Kunstmann nach einer schönen
Einzelaktion das 2:0 nach. Und in Almstedt schaffte der FC Lehrte den Ausgleich. Damit wären die Krähen in der Tabelle vor die Almstedter gerückt. Dann gelang dem Waldsee-Team noch ein Treffer – Philipp Schmidt nutzte die starke Vorarbeit zum 3:0. Kurz darauf erfolgte der Schlusspfiff, doch großartiger Jubel wollte nach diesem beeindruckenden sechsten Sieg in Serie zunächst nicht aufkommen. Zu angespannt war die Lage, denn niemand wusste, was in Almstedt passiert. Dort stand es nach wie vor 1:1, es waren jedoch noch einige Minuten zu absolvieren. Kann der FC Lehrte dieses Unentschieden halten? Man muss sich vor Augen führen, dass es gerade einmal fünf Tage zurücklag, dass die Lehrter den
bitteren Abstieg hinnehmen mussten. Und jetzt waren sie zum Landesliga-Kehraus bei einem Team zu Gast, das von 500 Zuschauern unterstützt wurde. Währenddessen hoffte der gesamte TSV Krähenwinkel/Kaltenweide auf den FCL. Hätte Almstedt noch ein Tor geschossen – für die Krähen wäre alles aus gewesen, und die fantastische Rückrunde wäre unbelohnt geblieben. Doch dann dieser Moment: In Almstedt lief die 93. Minute, und Patrick Heldt schießt das 2:1 für Lehrte. Lehrtes Torjäger hat seine aktive Laufbahn nach diesem Spiel beendet, und für KK war Heldts letztes Tor sein schönstes Tor – denn kurz darauf war das Spiel in Almstedt beendet.
Was für ein unglaublicher Aufschrei, der jetzt bei allen Krähen ausbrach – geschafft,
der TSV KK bleibt in der Landesliga! Der Jubel kannte keine Grenzen, und noch tief
in der Nacht waren die Jubelgesänge der überglücklichen Spieler in Krähenwinkel
zu hören.
Die Mannschaft hat etwas geschafft, für das man nicht genügend Hüte ziehen kann.
Zu Weihnachten: abgeschlagen, am Tabellenende, zwischenzeitlich Letzter mit
einem Rückstand von elf Punkten. Viele hatten die Krähen längst abgeschrieben.
Doch die Mannschaft und das Umfeld haben immer daran geglaubt, dass der TSV KK
den Klassenerhalt schaffen kann. Jetzt werden die Spieler und ihre Anhänger noch
lange feiern. Die Verantwortlichen um Manager Wolfgang Ulrich haben endlich
Planungssicherheit und können die Vorbereitungen auf ein weiteres Jahr in der
Landesliga intensivieren. Und Trainer Ingo Trebing kann von sich behaupten,
einen Erfolg verbucht zu haben, der wohl mit einem Titelgewinn vergleichbar ist.
1991 zog Trebing als Spieler mit dem TSVKK als krasser Außenseiter in den DFB-
Pokal ein – nun hat er als Trainer zusammen mit seinem Stab und den vielen Helfern
erneut etwas Unmögliches möglich gemacht. Auch in der neuen Saison werden große Namen wie der VfL Bückeburg oder der HSC am Waldsee aufkreuzen. Aus Ramlingen kommt weiterhin die erste Mannschaft, und alle fiebern bereits jetzt dem ersten Lokalderby gegen den TSV Godshorn auf Landesligaebene entgegen. Und alle drücken dem FC Lehrte, dem der TSV KK unendlich dankbar ist und der mindestens eine Einladung zum Essen erhalten wird, die Daumen, dass er schnell zurückkehrt und im übernächsten Jahr wieder zum Landesligaspiel nach Krähenwinkel reisen darf. Die Saison 2017/2018 wird beim TSV KK mit einem Freundschaftsspiel gegen den Regionalligisten TSV Havelse eröffnet werden. Der Termin wird rechtzeitig bekann getgeben.

Aufstellung: J.Helms, Tegtmeyer, T. Miener, S. Helms, Legien (ab 49.Böttcher), Mücke,
Dosch, Zimmermann, Tasche (ab 84.Hübner), P. Schmidt (ab 87.M.Ulrich), Kunstmann
Trainer: Trebing
Tore: 72.0:1 Philipp Schmidt, 75.0:2 Marcel Kunstmann, 85.0:3 Philipp Schmidt
Rot: 29.Bülent Durduran (RSE)