Goldener Punkt im Abstiegs-Krimi

Bei Sparta wurde der Klassenerhalt gebührend gefeiert.

Spartas letztes Aufgebot sichert Klassenerhalt

Geradezu erboste und wütende Proteste einer großen Spielertraube auf der einen, sowie dreizehn erschöpfte, kaum zum Jubel fähige Spieler im schwarz-gelben Dress, auf der anderen Seite. Dieses Bild bot sich den zahlreichen Besuchern auf der Anlage des SV Dedensen am vergangenen Sonntag um 16.53 Uhr. Soeben hatte der Unparteiische Philipp Roegner-Arasin vom TSV Kleinburgwedel eine hochemotionale Partie abgepfiffen, viel zu früh, meinte man seitens der Platzherren, denn außer der dreiminütigen Nachspielzeit für eine Trinkpause zur Mitte der zweiten Halbzeit gab es keinen weiteren Nachschlag und dafür konnte Sparta sehr dankbar sein. Bis zur allerletzten Sekunde musste nämlich zuvor um jenen Punkt gezittert werden, der in diesem direkten Abstiegs-Duell letztlich den Verbleib in der Kreisliga bedeutete.
Bereits vor dem Anpfiff war klar, dass die Elf vom Silbersee absolut unter Erfolgszwang stand, denn Inter Burgdorf als feststehender Absteiger hatte die zeitgleiche Begegnung mit dem SV Scharrel wegen Personalmangels abgesagt und diesem Team somit eine 5:0-Wertung beschert. Der bisherige Tabellen-Vorletzte war damit kampflos zum Klassenerhalt gekommen, unabhängig vom Ausgang des Spieles der beiden anderen gefährdeten Mannschaften. Ein höchst unsportliches Verhalten des Vereins, dessen Teams kommende Saison mit dem SCL fusionieren.
Wer gehofft hatte, dass Spartas Coach Jamal Miri diese richtungsweisende Partie mit einem personell verstärkten Aufgebot bestreiten könnte, sah sich enttäuscht. Im Gegenteil, jetzt musste auch noch der Ausfall von Cem Erkan verkraftet werden, der vergangene Woche einen Bänderriss erlitten hatte. So kam Eduard Zimmerman aus der Reserve zu seinem Debut und zum Glück stand zumindest Torjäger Ümit Topal wieder zur Verfügung, der zunächst zurückgezogen agierte. Sicherheit zuerst, lautete die Devise beider Trainer, wohl auch deshalb, weil bei Temperatuten um 30 Grad die Kräfte beiderseits gut eingeteilt werden sollten. Welchen Stellenwert Ümit Topal für seine Elf besitzt, stellte er einmal mehr nach exakt einer Viertelstunde unter Beweis. Aus gut 25 Metern schlug sein Freistoß aus halbrechter Position unhaltbar im oberen Torwinkel ein. Als Traumtor wird ein derartiges Ereignis in im Fußballjargon wohl bezeichnet. In der 21. Minute forderten die Schwarz-Gelben vehement einen Strafstoß, nachdem Jamal Miri am Fünfmeterraum in aussichtsreicher Schussposition rustikal abgeräumt wurde. Selbst SV-Trainer Sascha Pohle sprach danach von „Glück gehabt!“ Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Gastgeber, die immer wieder an den gut gegen den Ball arbeitenden Spartanern hängen blieben, überhaupt keinen Schuss auf das von Keeper Hafez Hasso gehütete Gehäuse abgegeben. Spartas Viererkette um Dachas Doski bot eine hochkonzentrierte Vorstellung und im Mittelfeld sorgten Bilel Khlifi und Arber Musliu für wirkungsvolle Aufräumarbeit. Bei einem Eckball wagte sich Doski nach gut einer halben Stunde in den gegnerischen Strafraum und erzielte mit einer artistischen Aktion den Treffer zum 0:2, wobei erst der gut postierte Schiri-Assistent seinem Chef das Überschreiten des Balles hinter die Torlinie unmissverständlich anzeigte. Dumm nur, dass SV-Angreifer Sebastian Reh diesen scheinbar beruhigenden Vorsprung noch vor der Pause in der 41. Minute mit einem kapitalen Flachschuss zum 1:2 schmälerte.
Ganz offensichtlich hatte die Resultatverkürzung bei den bis dahin so harmlosen Dedensern neue Kräfte freigesetzt, denn mit erkennbar neuem Schwung und Elan starteten sie in den zweiten Abschnitt. Sparta indes wähnte sich noch allzu sicher. Jedenfalls wäre der der Ausgleich zum 2:2 in dieser Form während der ersten Halbzeit, als man den SV-Angriff noch voll unter Kontrolle hatte, wohl kaum gefallen. Dennis Nebel bedankte sich in der 50. Minute mit einem Abstauber-Tor für die ihm gewährte Freiheit. In der Folge verstärkte sich der Druck der Platzherren, denen nur ein Sieg zur Vermeidung des Abstiegs helfen würde. Mit einer wahren Belagerung des Sparta-Strafraumes wurde versucht, das Abwehr-Bollwerk zu knacken. Dachas Doski entwickelte sich in dieser Phase sozusagen zum Turm in der Schlacht, der gegen die hochgewachsenen Stürmer auch im Luftkampf viele Bälle abräumte. Im Tor war nun auch Hafez Hasso vermehrt in Eins-zu-eins-Situationen gefordert, meisterte diese wie z.B. gegen Timo Frercks in der 60. Minute jedoch bravourös. Machtlos blieb er allerdings zwei Minuten später, als Nicolas Authier das Leder aus kurzer Distanz über die Torlinie spitzelte. Zu diesem Zeitpunkt war Sparta abgestiegen! Wer weiß, welchen Verlauf diese Partie nun genommen hätte, wäre nicht erneut Ümit Topal bei einem der wenigen Gegenstöße an der richtigen Stelle gewesen. Jedenfalls drückte er in der 66. Minute das Spielgerät dieses Mal unspektakulär aus Nahdistanz in die Maschen.
Die Partie nahm danach einen hektischen Verlauf mit vielen Freistößen und selbst die dreiminütige Trinkpause kühlte die Gemüter nicht ab. Von der Außenlinie gab es nicht nur unterstützende Aufmunterung für die Platzherren, sondern auch unflätige Beschimpfungen, die den Schiri gar mit einem Spielabbruch drohen ließen. Sparta behielt nun kühlen Kopf und mit Glück und Geschick wurde das Remis über die Runden gebracht. Jamal Miris Freistoß hätte in der 79. Minute gar den Sieg bringen können, aber SV-Torwart Niklas Trapphagen reagierte glänzend.
Sparta geht auf dem 14.Tabellenrang aus einer Saison, die von vielen Problemen sowie unerklärlichen
Leistungsschwankungen begleitet war. Einzig positiv, dass als Neuling doch noch der Klassenerhalt in der Kreisliga geschafft werden konnte. Jetzt gilt es, nach einer anstehenden Zusammenlegung der Hannover-Stadt- und drei Landkreis-Staffeln, in wahrscheinlich neuer Umgebung ein Team zusammenzustellen, das eine sorgenfreie Saison möglich macht.
Aufstellung: Hafez Hasso; Dachas Doski, Turan Topal, Emre Yaz, Murat Gürcan, Arber Musliu (53. Minute Diako Omar), Eduard Zimmermann, Rinaz Ossman (73. Minute Mahmut Topal), Bilel Khlifi, Jamal Miri, Ümit Topal.