Große Überraschung am Silbersee

Entscheidung in der 93. Minute für Sparta

„0:0, und das bei einem Chancen-Plus von 8:1, hoffentlich rächt sich unsere Fahrlässigkeit nicht noch wie zuletzt beim 2:2 gegen Mühlenfeld!“ MTV-Coach Edis Bajrovic zeigte sich vor dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit in diesem Fußball-Nachbarschafts-Derby sichtlich beunruhigt und unzufrieden zugleich mit seinen Angreifern, die zuvor Chancen sozusagen im Minutentakt ausgelassen hatten. Im Gegensatz dazu konnte sein Kontrahent, Spartas Übungsleiter Jamal Miri, der einmal mehr aufgrund der akuten Personalnot selbst aktiv eingriff, mit dem schmeichelhaften Resultat gut leben. „Mal sehen, was hinten raus noch geht, wenn wir das Remis bis in die Schlussphase halten können“, orakelte er mit einem Augenzwinkern, wissend, dass sein Team kräftemäßig bereits in der ersten Halbzeit stark gefordert worden war.
Die Ausgangslage vor diesem Derby wies die auf Rang drei positionierten Gäste als klaren Favoriten aus, immerhin liegt man fast gleichauf mit dem TSV Kolenfeld beim Kampf um den Relegationsplatz. Bei den Spartanern, die sich aus verschiedenen Gründen in der Winterpause von einigen Spielern getrennt haben und nur noch über einen relativ kleinen Kader verfügen, geht es dagegen einzig darum die Klasse zu erhalten. Die aktuelle Mannschaft hat dieses Ziel offenbar verinnerlicht und präsentierte sich diesmal als kompakte und disziplinierte Einheit, die mit viel Hingabe und Leidenschaft versuchte, den torgefährlichen MTV-Angreifern Paroli zu bieten. Zum Glück hatte auch Schlussmann Hafez Hasso einen Sahnetag erwischt. Steen Zimmermann und Arne Sohnemann, sonst hauptsächlich für das Wesentliche bei Engelbostel zuständig, war eine leichte Verzweifelung anzumerken, denn Chancen wie in der 12. Minute, als auch noch der Innenpfosten dem Keeper zur Hilfe kam sowie in der 28. und 30. Minute lassen sich beide nur selten entgehen. Im Gegensatz dazu waren wirksame Entlastungsangriffe der Schwarz-Gelben in dieser Phase kaum zu registrieren, da in vorderster Front Torjäger Ümit Topal ziemlich auf sich allein gestellt war. Lukas Kleen handelte sich zu Recht eine Gelbe Karte ein, nachdem er den davoneilenden Stürmer in der 24. Minute mit einem taktischen Foul knapp hinter der Mittellinie zu Boden gerissen hatte. Ansonsten gab es für Schiri Bernd Albrecht von Hannover 96 in dieser ausgesprochen fair verlaufenen Begegnung kaum Handlungsbedarf. Sabri Bargougui sorgte mit beherztem Einsatz auf der Torlinie in der 38. Minute dafür, dass für Sparta beim Gang in die Kabinen hinten weiterhin die Null stand.
Mit einer nicht genutzten Großchance eröffnete die Silbersee-Elf die zweite Halbzeit. Rinaz Ossman hätte bei seinem Kopfball vom Fünfmeter-Raum den Spielverlauf völlig auf den Kopf stellen können. Kurz darauf musste Turan Topal verletzt das Feld verlassen und als einzige Option von der Bank kam dafür Diako Omar ins Spiel. Eine schwierige letzte halbe Stunde schien für die Spartaner angesichts schwindender Kräfte anzubrechen, zumal Arne Sohnemann per Kopf im Anschluss an eine Ecke das vermeintlich erlösende 0:1 erzielen konnte (61. Minute). Der zahlreiche MTV-Anhang wähnte sich zu diesem Zeitpunkt nun vollends auf der Siegerstraße. Ganz das Gegenteil trat jedoch ein, die Moral der Platzherren war ungebrochen und sozusagen mit der zweiten Luft befreiten sich die Miri-Schützlinge zusehends. Dem 36-Jährigen Coach selbst gelang nach 78 Minuten auf Vorarbeit von Ümit Topal der überraschende Ausgleich. Der zweikampfstarke Cem Ugur Tekin trieb seine Mannschaft unermüdlich nach vorn und nun verhinderte der Pfosten gar den Führungstreffer von Ümit Topal (87. Minute). Es entwickelte sich in den letzten Minuten eine Partie, die mit offenem Visier geführt wurde. Finn Mügge verfehlte nur um Zentimeter einen Treffer (89. Minute). Dieser gelang Diako Omar, der in der 3. Minute der Nachspielzeit einen Freistoß aus 18 Metern unhaltbar für Keeper Niclas Lange in die Maschen setzte; Endstand 2:1 für Sparta. Es bleibt festzuhalten: Beide Trainer hatten irgendwie die richtige Vorahnung.

Aufstellung Sparta: Hafez Hasso; Mahmut Topal, Emre Yaz, Bilel Khlifi, Sabri Bargougui, Turan Topal (57. Minute Diako Omar), Cem Ugur Tekin, Dachas Doski, Jamal Miri, Ümit Topal, Rinaz Ossman.
Aufstellung MTV: Niclas Lange; Finn Mügge, Björn Pommer (65. Minute Giacomo Armbrecht), Murat Alin, Arne Sohnemann, Dennis Driemel, Fabian Leyritz, Marven Bendel, Pierre Gawronski (65. Minute Alexander Kozlov), Lukas Kleen (59. Minute Moussa Coulibaly), Steen Zimmermann.