„Haben alles in der eigenen Hand“

Benjamin Chatton im Exklusiv-Interview

Fünf Spieltage vor Schluss sind in der DKB Handball-Bundesliga fast noch keine Entscheidungen gefallen. Die TSV Hannover-Burgdorf liegt zwar aktuell auf dem elften Tabellenplatz, hat aber nur vier Punkte Vorsprung vor dem ersten Abstiegsrang. „Die gefährliche Zone endet bei uns. Leider nicht hinter uns“, weiß auch Geschäftsführer Benjamin Chatton um die gefährliche Konstellation. Im Interview mit die-recken.de spricht der 34-Jährige über die Dramaturgie in der Liga, die schwierige Personalkonstellation bei den RECKEN und die entscheidenden Tugenden im Saisonendspurt.
Frage: Die DKB Handball-Bundesliga biegt auf die Zielgeraden ein und ist in dieser Saison so spannend wie selten zuvor. Wo liegen die Gründe dafür?
Benjamin Chatton: Das sind vermutlich mehrere Faktoren, die zu diesem spannenden Tabellenbild führen. Es gibt ein breites Mittelfeld an Mannschaften, bei denen fast an jedem Wochenende direkte Duelle anstehen und Prognosen fast unmöglich sind. Zudem ist auch die Anzahl der Mannschaften im Abstiegskampf, unter anderem durch vier Absteiger in diesem Jahr, deutlich gestiegen. Bis zum elften Tabellenplatz kann sich noch niemand sicher sein und die Beine hochlegen.

Frage: Erwartest du einen Showdown im Meister- und Abstiegskampf erst am letzten Spieltag?
Benjamin Chatton: Für die Zuschauer wäre das natürlich eine wünschenswerte Konstellation und für die Spannung großartig. Für alle direkt Beteiligten ist es aber eine enorme Anspannung über einen sehr langen Zeitraum.

Frage: DIE RECKEN liegen aktuell auf dem elften Tabellenplatz im vermeintlich „gesicherten“ Mittelfeld. Wie trügerisch ist dieses Bild?
Benjamin Chatton: Der Tabellenplatz sagt überhaupt nichts aus. Wie schon angemerkt, endet bei uns die gefährliche Zone. Leider nicht hinter uns. Wir haben noch ein anspruchsvolles Restprogramm, aber auch alles in eigener Hand. Das ist aus meiner Sicht immer eine gute Basis.

Frage: Du hast bereits im Februar vor der Rückrunde gewarnt. Siehst du dich bestätigt?
Benjamin Chatton: Es gibt doch immer wieder Themen, bei denen man sich gerne geirrt hätte. Ich glaube, dass wir unser Restprogramm und unsere personelle Konstellation schon zu diesem Zeitpunkt richtig beurteilt haben. Allerdings wurde ich zu meiner Aussage doch auch immer wieder belächelt.

Frage: Welche Tugenden werden im Saisonendspurt entscheidend sein?
Benjamin Chatton: Einfach ausgedrückt die "3-E-Formel": Einsatz + Emotion = Erfolg
Ich denke, man muss jede Aufgabe als nächste und schwierigste sehen. Das hört sich zwar etwas einfach gesprochen an, ist aber aus meiner Sicht von elementarer Bedeutung. Wir dürfen uns nicht von anderen Ergebnissen irritieren lassen, sondern müssen auf die eigenen Stärken Vertrauen und unsere Chancen sehen. Wir benötigen wahrscheinlich nur noch einen Sieg, um nicht mehr nach hinten schauen zu müssen.





Frage: Wie schwer wiegt die Verletzung von Kai Häfner?
Benjamin Chatton: Jede personelle Schwächung ist für uns sehr ärgerlich. Wir haben vor allem durch Verletzungen immer wieder mangelnde Quantität im Training, was dauerhaft einfach zu ausreichender Trainingsqualität führt. Das ist vermutlich unser größtes Problem.

Frage: Mait Patrail und Torge Johannsen sind wieder in den Kader zurückgekehrt. Welchen Anteil haben die beiden für den Teamerfolg?
Benjamin Chatton: Beide sind nach einer langen Verletzungsphase wieder im Aufbau, von einer Rückkehr kann man aus meiner Sicht daher noch nicht sprechen. Trotzdem haben wir einfach wieder mehr Breite im Kader und natürlich sind sie mit ihrer Qualität in der Lage, uns punktuell wichtige Impulse zu geben.

Frage: Hast du schon mal so eine Saison mit so vielen Verletzungen erlebt?
Benjamin Chatton: Dieses Jahr ist vor allem markant, das wir über einen sehr langen Zeitraum auf vier, fünf und teilweise sogar sechs Spieler verzichten mussten.

Frage: Mit Erik Schmidt, Morten Olsen und Malte Semisch gibt es drei Neuzugänge. Werden DIE RECKEN noch weitere Spieler verpflichten?
Benjamin Chatton: Ich habe aus den vergangenen Spielzeiten gelernt, dass Personalplanung vermutlich nie endet. Im Leistungssport gibt fast jeder Tag wieder Unerwartetes her und stellt neue Aufgaben bereit, auch und gerade in der Personalplanung.