„Im Langzeit-EKG ist eine gute Tendenz zu erkennen“

Benjamin Chatton im Exklusiv-Interview

Fünf Tage haben die Profis der TSV Hannover-Burgdorf noch Zeit, ehe Trainer Jens Bürkle zum Auftakt in die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte bittet. Außer den WM-Teilnehmern, die sich auf das in der kommenden Woche beginnende Großereignis vorbereiten, können die RECKEN-Profis die verbleibenden Tage noch zum Durchschnaufen nutzen. Geschäftsführer Benjamin Chatton hat keine Zeit für Urlaub, denn für den 35-jährigen laufen die Planungen für die Saison 2017/18 bereits auf Hochtouren. „Wir werden die Vorbereitungsphase auf die Rückrunde nutzen, um weitere Weichen für die Zukunft zu stellen“, kündigt Chatton nach den Vertragsverlängerungen von Jens Bürkle, Timo Kastening und Morten Olsen weitere Personalentscheidungen an. Im Interview mit www.die-recken.de blickt der Geschäftsführer zudem auf die erste Saisonhälfte zurück, bewertet das Experiment mehrfach in der TUI Arena zu spielen und spricht über die Chancen von Kai Häfner und Co. bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft.
Benjamin Chatton über…
...die erste Saisonhälfte: „Die Herzfrequenz der Mannschaft lässt im Langzeit-EKG eine gute Tendenz erkennen. In der genaueren Betrachtung ist die Hinrunde aber auch durch besorgniserregende Ausschläge gekennzeichnet, welche sich medizinisch vermutlich nur durch den Gruppenkonsum von Adrenalin oder Baldrian in der jeweiligen sportlichen Ausprägung erklären lassen. Schmerzhaft waren für uns die Niederlagen in Stuttgart und Balingen. Tragisch das Heimspiel gegen Melsungen und mit einem Folgeschmerz die Pokalniederlage in Leipzig, welche wir am REWE Final Four Wochenende im April wieder spüren werden. Euphorisch war unser Auftaktsieg in Göppingen, glücklich der Heimerfolg über Coburg und historisch der Triumph in Magdeburg. Zudem lassen uns die beiden Abschlusssiege in der TUI Arena mit einem guten Gefühl in die Winterpause gehen.“
…den zweiten Saisonteil: „Die Basis für die Erwartungshaltung auf die Rückrunde darf nicht das trügerische Tabellenbild sein. Die aktuelle Platzierung ist nur eine vereinfachte Darstellung unseres Punkteverhältnisses und die Hinrunde hat mehr als deutlich aufgezeigt, dass in dieser Saison häufig nur Nuancen über Sieg oder Niederlage entscheiden.“
…das Experiment, in der aktuellen Saison fünf Spiele in der TUI Arena auszutragen: „Die Zwischenbilanz nach drei Spielen fällt nicht nur aufgrund von über 7.000 Zuschauern pro Spiel, sondern auch aus sportlicher Sicht positiv aus. Die Arena hat sich von einer reinen Eventspielstätte hin zu einem zweiten Wohnzimmer für unsere Heimspiele entwickelt.“
…das aufkommende Thema „Europa“ in den Medien: „Die Frage stellt sich für mich kurzfristig nicht. Nur weil gestern mal die Sonne schien, kommen wir morgen nicht alle in Badehose zur Arbeit. Wir wissen, in welcher Jahreszeit wir uns in unserer Entwicklung befinden und wir tun gut daran, weiter an unserem Ziel, der dauerhaften Etablierung unter den besten zehn Mannschaften in der stärksten Liga der Welt, festzuhalten.“
…die Vertragsverlängerungen von Jens Bürkle, Timo Kastening und Morten Olsen: „Jens Bürkle hat sich in seinem ersten Jahr sehr schnell in einem neuen Umfeld zurechtgefunden und wirkt prägend auf die Mannschaft ein. Von seinen Qualitäten als Trainer und von seinem Gespür für die Führung eines Bundesligateams werden wir zukünftig profitieren. Die sportliche


Weiterentwicklung nur an der Tabellenplatzierung zu manifestieren, würde der Arbeit von Jens nicht gerecht werden. Da wir die zentrale Achse im nächsten Jahr mit neuen Teilchen anreichern werden, ist es wichtig, dass uns mit Morten Olsen ein konstantes Element erhalten bleibt. Er kann eine besondere Note in unser Spiel bringen und seine individuellen Qualitäten helfen uns weiter. Es ist eine Freude zu sehen, dass Timo Kastening den Weg vom Jugendspieler über den Nachwuchskader bis zum festen Bestandteil des Bundesligateams geschafft hat. Noch erfreulicher ist es, dass er die Möglichkeiten zu seiner Weiterentwicklung in unserem Umfeld sieht.“
…weitere Personalentscheidungen: „Wir werden die Vorbereitungsphase auf die Rückrunde nutzen, um auch weitere Weichen für die Zukunft zu stellen. Neben neuen Impulsen wird die Konstanz in der Personalplanung eine wichtige Rolle spielen.“
…die Nominierung von Kai Häfner zum Sportler des Jahres in Niedersachsen: „Das ist toll für uns, weil es eine Premiere ist und eine sehr schöne Auszeichnung für Kai selbst. 2016 wird für ihn ein erinnerungsreiches Jahr bleiben. Europameister, Bronze bei den Olympischen Spielen, Einträge ins Goldene Buch, Hochzeit seiner langjährigen Freundin Saskia – das wird zukünftig schwer zu toppen sein.“
…die Chancen der RECKEN-Profis bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft: „Alle unsere Spieler können mit ihren Nationalmannschaften für positive Überraschungen sorgen. Es würde mich sehr freuen, wenn wir Teilnehmer aus Hannover in den Halbfinalspielen dabeihätten. Auf diesem Niveau entscheidet häufig die bessere Tagesform, aber wir hätten gegen eine weitere Medaille natürlich nichts einzuwenden.“
…die Übertragung der WM auf einer Streamingplattform des Ligapartners DKB: Eine mediale Verbreitung ist für jedes sportliche Großereignis die notwendige Basis. Die Handball EM 2016 hat gezeigt, welch positive Wirkung eine erfolgreiche Nationalmannschaft bei entsprechender TV-Reichweite für unsere Sportart haben kann. Der „Handball-Fan“ hat eine Handballplattform für die Weltmeisterschaft somit sicher, das ist – wenn auch zunächst neu und ungewohnt - gut. Den allgemein Sportinteressierten gewinnt man momentan noch über das klassisch lineare Fernsehen, die Aktivierung für die neue Plattform wird in der kurzen Zeit eine große Herausforderung. Ich bin positiv gespannt auf die Erfahrungen. Perspektivisch wird sich der Sportzuschauer aber voraussichtlich deutlich flexibler aufstellen müssen, was am prägnantesten bei der Vergabe der TV-Rechte für die zukünftigen Olympischen Spiele zu sehen ist.“