Karlheinz Teufert holt Gold und zweimal Silber

Äußerst erfolgreich: Karlheinz Teufert (von links), Emil Bölling und Erich Kiermaier.

Gut besuchte und bestens organisierte Mammutveranstaltung in Erfurt

Jetzt fanden in Erfurt bei recht kaltem Winterwetter die diesjährigen leichtathletischen Hallenmeisterschaften der Senioren statt, die sowohl mit den Wettbewerben der Geher wie auch mit den Winterwurfmeisterschaften gekoppelt waren. Somit lief in der großen Leichtathletikhalle der thüringischen Landeshauptstadt wieder einmal eine gut besuchte und bestens organisierte Mammutveranstaltung ab.
Während die Läufer und Geher dort eine annähernd temperierte Hallenatmosphäre vorfanden, hatte man die Speer- und Diskuswerfer nach draußen ins Stadionrund zitiert und dabei die ältesten unter ihnen ausgerechnet zeitlich am frühsten starten lassen. Einer der beteiligten Spaßvögel meinte, das wäre ja noch "vor dem Aufstehen"! Natürlich konnte keiner der erfurter Planungsstrategen ahnen, dass gerade zum Monatswechsel die letzte Kältewelle dieses Jahres ihren Höhepunkt erreichen würde: Ein echtes Winterwurfvergnügen! So traten dann die Altersklassen 80 bis 90 beiderlei Geschlechts bei gemessenen minus zehn Grad Celsius und leicht windigem Schneefall trotz der bei ihnen allgemein verbreiteten senilen Arthritis und anderer Alterszipperlein auf der nicht gerade rutschfesten Abwurfbahn zum Speerwurf-Wettkampf an: Insgesamt ein gutes Dutzend Unerschrockene, die sich aber mit einer Art von gutlaunigem Galgenhumor gegenseitig aufmunternd, in ihre dicken Trainingsanzüge gehüllt, noch schnell aufzuwärmen versuchten. Einer der stählernen Speere machte den Spaß nicht mit, sondern zersplitterte schon beim Einwerfen auf dem durchgefrorenen Boden. Leider hatte der Altsenior Karlheinz Teufert von SC Langenhagen wieder einmal Pech, denn in seiner Altersgruppe der 85- bis 89-Jährigen war kein weiterer Mitbewerber erschienen. So reichte ihm eine Speerwurfweite von 17,22 Meter zum "Abstauben" des Deutschen Hallenmeistertitels. Damit konnte er auch die dafür geforderte Qualifikationsweite übertreffen.
Zwei Stunden später sah alles schon wesentlich besser aus. Teufert hatte auch für den 60m-Sprint gemeldet, weil er testen wollte, wie es nach seinem vorjährigen Krankenhausaufenthalt nunmehr mit der Schnelligkeit aussah. Und das war dann auch in der merklich wärmeren Halle möglich. Da sich aber vorher ein jüngerer Athlet beim Sprint eine böse Muskelverletzung zugezogen hatte, zog es Teufert vor, nun vorsichtigerweise mit Pulli und langer Stretchhose zu laufen. Gleich hinter dem Deutschen und Europameister Herbert E. Müller (11,38 Sekunden) aus Dormagen kam er dann auch als Zweiter mit einer Zeit von 11,59 Sekunden. ins Ziel. Später wurden die beiden von der Erfurter Presse als älteste Sprinter Deutschlands ausgemacht und entsprechend bildlich vorgestellt. Auf den später stattfindenden 200-Meter-Lauf musste der Langenhagener allerdings verzichten, weil er das Gefühl hatte, dass sich an seinem rechten Knie leichte Beschwerden zeigen würden.
Am letzten Wettkampftag stand dann das Diskuswerfen mit der 1kg-Scheibe auf dem Programm. Der Beginn war allerdings nicht ganz so früh wie am Tag vorher, doch unangenehm kalt war es draußen dennoch. Hinter dem alten DDR-Wurfprofi Emil Bölling (18,34 Meter) von der LG Merseburg gelangte der Langenhagener Altsenior durch einen Wurf von 17,42 Meter, also mit knapp unter einem Meter Abstand auf den Sieger, abermals zu einem Vizemeistertitel. Den dritten Platz erreichte der Bayer Erich Kiermaier mit 16,88 Meter. Der Rest des Tages wurde dann mit einer Besichtigung der hoch gelegenen Erfurter Petersberg-Zitadelle zugebracht, wobei der imposante Ausblick auf die alte historische Stadt doch leider von den in letzter Zeit erstellten, das Stadtbild unschön umgebenden Hochhausvierteln beeinträchtigt erschien. Kurz vor der Abreise konnten sich die Teuferts am Frühstückstisch noch kurz mit der bekannten Eisschnellläuferin Claudia Pechstein unterhalten, die ebenfalls im gleichen Mannschaftshotel logiert hatte.
Alles in allem: Erfurt ist eine Reise wert!