Mit Bescheidenheit zum großen Titel

Der Behindertensportler wurde auf einer großen Gala mit prominenter Besetzung geehrt.

Linus Natho ist „Behindertensportler des Jahres“ 2016

Er selbst hätte es wohl am allerwenigsten erwartet. Dementsprechend sprachlos war Linus Natho, als er gestern Abend vom Präsidenten des Behinderten-Sport- verbandes Niedersachsen (BSN) Karl Finke, Laudator Jupp Heynckes und Sozial- ministerin Cornelia Rundt vor 310 geladenen Gästen im festlichen Ambiente des GOP-Varietés Hannover zum „Behindertensportler des Jahres“ 2016 gekürt wur- de.
„Wer es bis zu unserer glanzvollen Gala geschafft hat, gehört sowieso schon zu den Gewinnern. Sie sind sechs Ausnahmesportler, auf die der BSN besonders stolz ist. Deshalb ist es fast bedauerlich, dass auch in diesem Jahr nur einer von Ihnen Sieger sein kann“, sagte Finke und überreichte dem 17-jährigen Schwim- mer zusammen mit Jupp Heynckes die begehrte Sieges-Trophäe, geschaffen vom hannoverschen Künstler Siegfried Neuenhausen.
Trotz aller Erfolge und Ehrungen im vergangenen Jahr – eine solche Aufmerksam- keit wie bei der BSN-Wahl mit über 24.000 Wählern und der Gala mit einem hochrangigen Publikum aus Sport, Politik und Wirtschaft wurde ihnen nie zuvor entgegengebracht.
Obwohl Linus Natho mit 25,9 Prozent aller Stimmen relativ deutlich vor Philippa Bartels (19,4) und Timm Seestädt (18,2) gewann, wurde doch allen sechs Nomi- nierten gleichermaßen die ihnen gebührende Ehre auf der „kleinen großen Bühne“ des GOP zuteil. Durch Filme und unterhaltsame Interviews konnten sich die Anwesenden von ihnen wie auch von Felix Schrader (15,7), Christian Götze (10,8) und Benjamin Weese (10,0) ein eindrucksvolles Bild verschaffen.
Sogar Laudator Jupp Heynckes, der in seiner eigenen sportlichen Karriere und auch als Fußball-Trainer schon vielen verschiedenen Menschen begegnet ist, zeigte sich berührt. „Ihre Leistungen sind fantastisch. Sie sind beeindruckende Menschen. Ich habe großen Respekt davor, wie Sie die täglichen Herausforde-
rungen im Sport annehmen. Sie sind Vorbilder, wie man das Leben positiv und voller Engagement meistern kann.“
„Linus Natho ist zudem ein gutes Beispiel für gelebte Inklusion, hat er doch als Kind schon immer mit Nichtbehinderten trainiert“, betonte Karl Finke. „Ich freue mich, mit dem jungen Schwimmer einen Menschen im BSN zu wissen, der unser Bemühen bestätigt, Inklusion zur Selbstverständlichkeit in der Gesellschaft wer- den zu lassen.“ Denn auch heute noch zieht der 17-Jährige in seinem Verein hauptsächlich mit Jugendlichen ohne Handicap seine Bahnen und findet das „ganz normal“.
Überhaupt steht der junge Mann – in den Fußstapfen seines Vorbildes, des Sie- gers von 2010 Stephan Engelhardt (ebenfalls Schwimmer) – mit beiden Beinen fest auf dem Boden. In seiner Bescheidenheit konzentriert er sich einfach darauf, immer besser zu werden. Und mit seiner Kandidatur ist ihm vor allem eines noch bewusster geworden: dass er in erster Linie für sich selbst schwimmt.