Mit Kraftakt und Moral

Der Sieg wurde bei den Spartanern ausgiebig gefeiert.

Sparta dreht verloren geglaubtes Spiel

Selbst für die Spaziergänger am nahen Silbersee dürfte es unüberhörbar gewesen sein, dass an diesem kalten Novembernachmittag auf der Anlage im Sportzentrum II an der Emil-Berliner-Straße etwas Besonderes geschehen sein musste. Es ist schon einige Zeit her, dass bei Sparta nach einem Fußballspiel Veranlassung zu derartiger Jubelstimmung aufkam, diesmal gab es allerdings einen guten Grund dafür. In einer geradezu mitreißenden letzten halben Stunde sicherten sich die Schwarz-Gelben in der Partie mit dem SV Dedensen aus dem Seelzer Ortsteil einen 3:2-Erfolg und das nach einem schier hoffnungslosen 0:2-Rückstand.
Nach dem finalen Treffer durch Bilel Khlifi quasi in letzter Sekunde gab es kein Halten mehr und selbst Klaus Borschewski, Spartas Betreuer-Urgestein, geriet schier aus dem Häuschen.
Eine Wiedergutmachung für die desolate Vorstellung bei der 1:3-Niederlage aus der Vorwoche beim Tabellenletzten SV Scharrel war gelungen und nicht nur Trainer Jamal Miri zeigte sich erleichtert, dass seine emotionale Ansprache offensichtlich die richtige Wirkung im Team hinterlassen hatte.
Allerdings sah es lange danach aus, dass die Heimelf in dieser richtungsweisenden Partie erneut den Kürzeren ziehen sollte, was angesichts der engen Tabellensituation ein weiteres Abrutschen auf die hinteren Ränge bedeutet hätte. Es entstand der Eindruck, dass die Mannschaft mehr mit der existierenden Drucksituation denn mit dem Gegner zu kämpfen hatte. Es mangelte zwar nicht an Lauf- und Einsatzbereitschaft, aber die spielerische Komponente und Ideen besonders im Umschaltspiel ließen im ersten Abschnitt zu wünschen übrig. Natürlich kam dann auch noch Pech hinzu, denn ein Treffer von Miri nach einer Viertelstunde fand wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung des Schützen keine Anerkennung. Auch Ümit Topal scheiterte im letzten Moment am gegnerischen Keeper Dennis Zeiske. Insgesamt wirkten die Gäste zielstrebiger und so war deren Führungstor in der 28. Minute nicht unverdient. Der von Spartas Abwehr sträflich vernachlässigte Florian Frecks hatte keine Mühe die Vorlage seines Mitspielers Dennis Nebel zum 0:1 einzuschieben. Auf der Gegenseite geriet das SV-Gehäuse bis zur Pause nur noch einmal durch Miris 16-Meter-Freistoß in Gefahr, der jedoch zur Ecke abgewehrt wurde (35. Minute). Vollends auf die Verliererstraße schienen die Platzherren dann in der 53. Minute zu geraten.
SV-Verteidiger Lukas Gierl profitierte dabei von einer Konfusion in Spartas Strafraum und setzte das Leder mit strammem Schuss unhaltbar für Hafez Hasso zum 0:2 in die Maschen. Der Wendepunkt in dieser Begegnung bahnte sich danach in der 62. Minute an. Bilel Khlifi, dienstältester Akteur im gelben Trikot und sonst bei der Silbersee-Elf eher für das Toreverhindern zuständig, kam nach Flanke von Topal am Fünfmeterraum frei zum Kopfball und stellte den Anschlusstreffer her. Bei der Einwechselung von Lukas Lichtenstein nach siebenwöchiger Verletzungspause unmittelbar danach konnte man von einem wahren Glücksgriff des Trainers sprechen. Spartas Spiel wurde nun aggressiver und druckvoller und der Gegner fast in der eigenen Hälfte eingeschnürt. Der Treffer von Jamal Miri auf Vorarbeit von Cem Ugur Tekin in der 77. Minute war sozusagen die logische Konsequenz für das anhaltende Powerplay. Die Mannschaft war nun nicht wiederzuerkennen und drängte mit Vehemenz und Leidenschaft auch noch auf den Siegtreffer. Dieser gelang dann tatsächlich noch in allerletzter Sekunde dem Mann dieses Spiels, Bilel Khlifi, der den Ball mit einer Energieleistung gut zwanzig Meter vor dem SV-Tor erkämpfte und sich entschlossen gegen mehrere Abwehrspieler und den Torhüter zum 3:2 durchsetzte.
Auf eine weitere interessante Partie können sich Spartas Anhänger am Sonntag freuen, wenn sich mit dem Tabellendritten vom MTV Engelbostel-Schulenburg eine Mannschaft am Silbersee vorstellt, die gerade dem Primus Türkay Sport Garbsen die erste Saisonniederlage beigebracht hat. Es ist bereits das erste Rückrundenspiel und die Spartaner wollen natürlich besser als bei der 1:4-Auftaktniederlage auftreten. Spielbeginn 14 Uhr.
Aufstellung Sparta: Hafez Hasso, Erdem Deniz, Cem Erkan, Bilel Khlifi, Tolga Candir, Dachas Doski, Jamal Miri (90. Minute Ersin Piskin), Turan Topal (46. Minute Diako Omar), Cem Ugur Tekin, Deniz Karacam (63. Minute Lukas Lichtenstein), Ümit Topal.