Nach Kaltstart nur langsam in Gang

Das DM-Team ihn Andernach (von links): Hans-Peter Damitz, Birgit Komoll und Juri Ivanov.

Bronze für LAC-Geher Juri Ivanov bei Deutscher Meisterschaft

Ohne ihre sichere Medaillenkandidatin Roswitha Ebel mussten die Geher des LAC Langenhagen die Reise zur Deutschen Meisterschaft im Zehn-Kilometer- Straßengehen in Andernach antreten. Kurzfristig sagte die schnellste Langenhagener Geherin krankheitsbedingt ab. Die nächste Hiobsbotschaft gab es am Bahnhof in Hannover. Der ICE war ersatzlos gestrichen worden. Ein IC als Ersatz machte wegen diverser Bauarbeiten und Umleitungen eine Art Sightseeing-Tour durchs Ruhrgebiet, mit dem Ergebnis, dass die Langenhagener Geher erst 15 Minuten vor ihrem Start auf der Rheinpromenade von Andernach ankamen. Nachdem sie sich bereits im Zug umgezogen hatten, blieb vor Ort bis zum Startschuss gerade noch Zeit zum Befestigen der Startnummern am Trikot.
Birgit Komoll kam bei ihrem Kaltstart auch prompt nur langsam in Gang. Nachdem sie einige Akteure eingesammelt hatte, erreichte sie dennoch in 1:10,50 Stunden in ihrer Klasse W 55 Platz vier. Den Bronzeplatz auf dem Siegerpodest behauptete Brigitte Patrzalek aus Groß-Gerau mit ihrer Zeit von 1:08,20. Für eine Überraschung sorgte Juri Ivanov. In seiner traditionell stark besetzten Klasse M 60 konnte der Geher aus Estland, der zurzeit beim LAC Langenhagen in die Rolle als neuer Gehsportbetreuer hineinwächst, hinter den auch international ganz starken Gehern Helmut Prieler (Niederaichbach) und Uwe Tolle (Berlin) in 1:05,58 Bronze erkämpfen und damit von der Deutschen Meisterschaft doch die vom LAC-Team erhoffte Medaille mit nach Langenhagen bringen.
Enttäuscht wurde jedoch Hans-Peter Damitz. Er ging in Andernach in seiner Klasse M 70 schon mit gemischten Gefühlen an den Start. Bei seinem letzten DM-Start im Juni im nicht weit entfernten Düsseldorf war er aus dem Wettbewerb genommen worden wegen unzureichender Beinstreckung, diese wird aber vom Reglement verlangt. Dieselben strengen Gehrichter wie in Düsseldorf kamen auch diesmal wieder nach zwei Drittel der 10 km-Distanz zum Ergebnis Disqualifikation. Der Langenhagener war zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg zum fünften Platz. 400 Meter vor dem Ziel kam dann die Obergehrichterin mit der gefürchteten roten Kelle auf Karl Degener zu, der zu diesem Zeitpunkt an dritter Stelle lag. Hans-Peter Damitz langjähriger sportlicher Weggefährte, der eine Zeit lang für Langenhagen große internationale und nationale Erfolge errungen hat und heute für Berlin startet, ereilte das gleiche Schicksal der Disqualifikation. Und so kam es, dass nur eine Stunde nachdem die beiden jungen Geher Carl Dohmann (Baden-Baden) und Hagen Pohle (Potsdam) die Olympianorm für 2016 geschafft hatten, zwei 72-jährige national und international erfolgreiche Geher bei strahlend blauem Herbsthimmel am Rhein standen und jeder für sich über einen Abschluss der sportlichen Laufbahn nachsannen.
Am Abend traten die Langenhagener gemeinsam mit ihren Leichtathletikfreunden aus Berlin die Rückreise an. Der Zug fuhr pünktlich los, in Hamm legte der vollbesetzte ICE jedoch einen Halt von 50 Minuten ein. Die anschließende Durchsage, dass erst ein Streckenplan gesucht werden musste, erzeugte bei den Reisenden unterschiedliche Reaktionen. Weitgehend gelassen nahmen es die Geher. Bei einem Gläschen Rotwein feierten sie zum einen ihre Erfolge bei der Deutschen Meisterschaftund zum anderen den Abschied des Berliner Uwe Tolle vom aktiven Gehsport. Dieser bleibt seinem Verein aber als Betreuer erhalten. Das Zugpersonal drückte im Gegensatz zu den strengen Gehrichtern ein Auge zu und die LACer freuten sich insgeheim darüber, dass ihr Juri nun einen ganz schweren Mitbewerber los wird, den er bisher nicht bezwingen konnte.