Verdientes Remis beim Tabellendritten

Wundertüte Sparta – mit Mini-Aufgebot gepunktet

Ziemlich einsam muss er sich vorgekommen sein auf der Bank am Spielfeldrand in Bokeloh am Sonntagnachmittag. Spartas rühriger Mannschaftsbetreuer Klaus Borschewski hatte neben sich ungewohnt viel Platz für seinen Erste-Hilfe-Koffer und die Pausen- und Erfrischungsgetränke. „Ich bin seit 1999 dabei, aber solche Situation erlebe ich hier das erste Mal!“ Was er meinte, war eine Gegebenheit, die auch bei Trainer Zoran Aladzic vor dieser Partie leichtes Unbehagen ausgelöst hatte, nämlich, dass unmittelbar vor der Abfahrt drei Akteure absagten und somit lediglich elf Spieler auf dem Spielberichtsbogen vermerkt werden konnten. Die Voraussetzungen für die ohnehin schon arg dezimierte Truppe glichen einer kaum zu bewältigenden Herkulesaufgabe. Wie sich die Schwarz-Gelben dann allerdings auf äußerst schwierigem Geläuf aus der Affäre zogen, war aller Ehren wert. Mit großartiger Moral sowie unbändiger Lauf- und Einsatzbereitschaft hielt das Team diese Begegnung nicht nur jederzeit offen, sondern hätte bei konsequenterer Chancennutzung gar die volle Punktzahl mit auf den Heimweg nehmen können.
Angriff ist die beste Verteidigung, nach diesem Motto startete die Elf vom Silbersee couragiert und mutig offensiv, was die Platzherren sichtlich überraschte. Geradezu als Laufwunder präsentierte sich über die gesamte Distanz einmal mehr Dennis Schweer in der Sechser-Position. Leichtfüßig entwischte er in der zwölften Minute seinem Bewacher, Pech allerdings, der folgende Schuss landete nur am Torpfosten. Als Steven Schmeisser drei Minuten später im Strafraum zu Fall gebracht wurde, entschied der umsichtig leitende Schiri Thomas Friebel auf Elfmeter. Die Ausführung übernahm Schweer mit gewohnter Sicherheit und vollendete zur 1:0-Führung. Wahrscheinlich verleiteten die nachfolgenden Glücksgefühle zu vorübergehender Unkonzentriertheit, denn im Anschluss an einen Freistoß aus dem Mittelfeld schaltete Bokelohs Malte Kiewitz am schnellsten und wuchtete das Leder zum Ausgleich unter die Latte (17.Minute). Bernd Winkler, in Spartas Tor wiederum eine Bank, konnte sich danach jedoch auf die Arbeit seiner Vorderleute wieder verlassen. Die Aktionen der Platzherren wurden oftmals bereits an der Mittellinie erfolgreich gestört und ihr mit 17 Saisontreffern gefährlichster Angreifer, Janik Kiewitz, vom herausragenden Bilel Khlifi fast völlig aus dem Spiel genommen. „Er hat leider nur einen linken Fuß!“ Ralf Neumann, Ex-Liga-Spieler, Mannschaftskapitän der Ü50 und Vater von Niklas haderte in der 38.Minute etwas mit seinem Sohn, der den Ball in aussichtsreicher Position mit rechts am TSV-Gehäuse vorbeischob.
Für Kritik gab es in der Halbzeitpause so gut wie keinen Anlass und personelle Veränderungen waren mangels Masse sowieso nicht möglich. Daher blieb es bei der Aufforderung von Aladzic, weiterhin aggressiv und mit energischem Pressing aufzutreten. Seine Mannschaft befolgte diese Marschroute in der Folge konsequent und nutzte dabei auch jede Möglichkeit eigene Akzente nach vorn zu setzen. Schmeisser verfehlte in der 50.Minute nur knapp den Führungstreffer, der ebenfalls Stanislaus Vetter durch eine reaktionsschnelle Parade von TSV-Keeper Jannik Lange verwehrt blieb (55.Minute). Als Matthias Pollmann mit einer schmerzhaften Schulterverletzung behandelt wurde und gleichzeitig auch Vetter mit einer Blessur am Knie auszufallen drohte, musste man Mitte der zweiten Spielhälfte das Schlimmste befürchten. Beide angeschlagene Spieler bissen trotz ihrer Beeinträchtigung auf die Zähne und nahmen das Spiel wieder auf. Bokeloh hatte spielerisch an diesem Tage nur wenig zu bieten und verlegte sich fast ausschließlich auf die Hereingabe von hohen Bällen in den Strafraum. Obwohl deren Angreifer körperlich mit Gardemaß ausgestattet waren, entstand dabei nur höchst selten ernsthafte Gefahr für das Tor der Spartaner. Beim Abpfiff der fast fünfzig Minuten dauernden zweiten Halbzeit durften die Schwarz-Gelben einen völlig verdienten Punktgewinn feiern.
Die letzte Partie der Vorrunde führt am Sonntag um 14 Uhr den FC Wacker Neustadt an den Silbersee. Die Mannschaft ziert scheinbar abgeschlagen das Tabellenende, hat allerdings zuletzt gegen den TSV Schloß-Ricklingen erstmals gepunktet. Sparta will den eigenen Anhang nur zu gern mit dem zweiten Heimerfolg erfreuen und somit den Abstand zu den Abstiegsplätzen vergrößern.

Aufstellung: Bernd Winkler; Daniel Hupp, Sven Hoffmann, André Lange, Niklas Neumann, Dennis Schweer, Patrick Brodersen, Steven Schmeisser, Bilel Khlifi, Matthias Pollmann, Stanislaus Vetter.