Wolfgang Schaper holt mit deutschem Team Europameistertitel

Landeten in den Top 10: Roswitha Ebel (links) und Birgit Komoll.

Vier Geher vom LAC Langenhagen glänzen in Italien

Die Geherinnen Roswitha Ebel und Birgit Komoll haben Anfang des Jahres für die ersten Meisterschaftserfolge des neuen Leichtathletikvereins LAC Langenhagen gesorgt. Dann reihte sich für sie und ihre männlichen Vereinskollegen ein Erfolg an den anderen. Jetzt ging es zur Europameisterschaft der Master ins italienische Grosseto. Verstärkt wurde diesmal das Geherteam durch Wolfgang Schaper und Trainer Marian Bigocki. In Grosseto standen die Langdistanzen, zehn und 20 Kilometer Straßengehen auf dem Programm. Die Startliste zeigte, dass die Langenhagener hier auf starke Gegner stoßen würden. Der erste Wettkampftag begann mit dem Zehn-Kilometer-Straßengehen der Seniorinnen. Bei angenehmen 25 Grad Celsius und bedecktem Himmel gingen Roswitha Ebel und Birgit Komoll, beide Klasse W 50, an den Start. Bisher an kurze Pendelkurse gewöhnt, mussten die Geherinnen hier auf zwei langen verschlungenen Wegen durch den Park gehen. So war es schwierig, die Konkurrenz im Blick zu behalten. Für die Zuschauer war diese Strecke jedoch optimal, konnten sie doch im gesamten Park an den unterschiedlichsten Stellen immer wieder ihre Favoriten anfeuern.
Beherzt gingen die beiden Geherinnen des LAC im großen Feld ihr Tempo. Die Kampfrichter beobachteten mit Argusaugen, ob Kniestreckung und Bodenkontakt gegeben waren und verteilten gnadenlos Ermahnungen und Verwarnungen. Komoll und Ebel kamen jedoch ohne Beanstandungen über die Strecke. Der Kurs schien ihnen zu liegen, Roswitha Ebel konnte ihre bisherige Bestzeit gleich um eine Minute unterbieten und kam nach 1:03,45 Stunden ins Ziel. Das bedeutete Platz sieben in der Einzelwertung. Birgit Komoll blieb immer an der dritten deutschen Teilnehmerin, Brigitte Zeidler aus Berlin, dran und schaffte eine Zeit von 1:10,06 Stunden. Mit Spannung wurde das Mannschaftsergebnis erwartet. Wie schnell waren die starken Geherinnen aus dem Gastgeberland Italien und die Mitfavoritinnen aus der Schweiz, Frankreich und Russland unterwegs gewesen? Welche Freude, als bekanntgegeben wurde, dass sich das deutsche Trio nur den Italienerinnen geschlagen geben musste und noch vor Russland die Silbermedaille sicherte und damit Vize-Europameister geworden war.
Später am Tag gingen die Männer auf die Zehn-Kilometer-Strecke. Hier waren für den LAC Trainer Marian Bigocki (M55) und Wolfgang Schaper (M70) gemeldet. Beide hatten ebenfalls Chancen, in ihren Klassen in der Mannschaftswertung auf Medaillenkurs zu gehen. Marian Bigocki ging mit Risiko ein hohes Tempo, da er um den dritten Platz im deutschen Team kämpfen musste. Dieses Risiko wurde bald mit zwei Verwarnungen bestraft. Letztlich musste er das Tempo verringern, um keine Disqualifikation zu riskieren. So schaffte es der Berliner Wilfried Gaube, an dem Langenhagener vorbeizuziehen und somit als dritter Deutscher in die Mannschaftswertung zu kommen. Mit seiner Zeit von 1:00,05 Stunden hat Bigocki sein Ziel nur ganz knapp verfehlt, unter einer Stunde zu bleiben. Trotzdem zeigte er eine beeindruckende Leistung, die ihm Platz 17 in der Einzelwertung einbrachte. Wolfgang Schaper musste wie sein Vereinskollege kämpfen, um als dritter Deutscher in die Mannschaftswertung zu kommen. Auch er erhielt zwei Verwarnungen, ging aber als über 70-Jähriger starke 1:07,33 Stunden und holte nicht nur Platz acht seiner Klasse, sondern auch mit dem deutschen Team die Goldmedaille und damit den Europameistertitel.
Nach nur einem Tag zur Regeneration stand für Roswitha Ebel und Birgit Komoll das 20-Kilometer-Straßengehen an. Inzwischen zeigte sich das Wetter in der Toscana von seiner besten Seite, strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Ideal für den Strand, nicht jedoch, wenn am Nachmittag Höchstleistungen verlangt werden. Schon das Aufwärmen war schweißtreibend und ließ erahnen, was auf die Sportlerinnen zukam. Für die beiden erfahrenen Langenhagenerinnen stand fest: ins Ziel kommen ist alles. Nach der Silbermedaille über zehn Kilometer wussten sie, dass sie auch hier eine Chance auf einen Treppchenplatz haben würden. Bei diesen Temperaturen war Taktik alles, ein zu hohes Tempo am Anfang konnte alles zunichtemachen. Das zeigte sich auch bei einigen Konkurrentinnen, die bereits nach wenigen Kilometern schwer zu kämpfen hatten. Roswitha ging den Wettkampf verhalten an, auch Birgit blieb weit unter ihrem sonstigen Wettkampftempo. Zur Hälfte der Distanz zog plötzlich die Schweizerin Christine Metraux an Roswitha vorbei. Sie sah mit ihrer Mannschaft ebenso Medaillenchancen wie das deutsche Trio. Aber es war zu früh, so entschied Rosi, um schon jetzt in den Zweikampf zu gehen. Dann wurde sie auch noch von Brigitte Zeidler überholt, gegen die sie seit eineinhalb Jahren immer die Nase vorn gehabt hat. Doch auch hier blieb Rosi ruhig und ging kein Risiko eines zu frühen Angriffs ein. Erst ab Kilometer 14, als sie spürte, dass die Muskeln mit der Hitze und der Distanz gut klar kamen, erhöhte sie das Tempo. Meter für Meter kämpfte sie sich wieder an die Schweizerin und Brigitte Zeidler heran und konnte diese schließlich hinter sich lassen. Mit Platz sechs in ihrer Klasse war Roswitha Ebel hochzufrieden im Ziel, auch wenn die Zeit von 2:24,18 Stunden über acht Minuten hinter ihrer Zeit bei den Deutschen Meisterschaft in Naumburg von vor ein paar Wochen lag. Auch Birgit Komoll ließ sich von ihren Gegnerinnen nicht einschüchtern, ging konstant ihr Tempo und kam gleich hinter Brigitte Zeidler mit einer Zeit von 2:32:31 Stunden und Platz neun der W50 ins Ziel. Die Taktik ging für das deutsche Team auf: wieder holten sich Ebel, Zeidler und Komoll die Silbermedaille hinter den Italienerinnen. Das Schweizer Team kam auf Platz drei.