"You are an Ironman"

Bärbel Stielow musste sich in Klagenfurt regelrecht durchbeißen.

Hitzeschlacht für Bärbel Stielow in Klagenfurt

"You are an Ironman": Mit diesem Satz wurde Bärbel Stielow vom Sport Club Langenhagen nach 15:56,28 Stunden im Stadion am Wörthersee in Klagenfurt von Tausenden Zuschauern empfangen – unabhängig von der Tatsache, dass die durchtrainierte und drahtige Sportlerin, dem weiblichen Geschlecht angehört.
Der lange Tag beginnt um 4 Uhr in der Früh, wenn auch kein richtiger Hunger da ist, es wird gefrühstückt. Das Fahrrad wurde bereits am Vorabend in die Wechselzone gebracht, Wasserflaschen, Gels, Riegel einpacken und los geht es um 5 Uhr. Fahrrad noch einmal kontrollieren, den richtigen Gang eingelegen, Luft aufpumpen und Verpflegung am Rad platzieren.
Bereits am Abend zuvor hatten viele Athleten das Neoverbot schon zur Staatsaffäre gemacht. Es war die richtige Entscheidung. Die schwarzen Kunststoffhäute sind ursprünglich ohnehin nicht dafür gedacht, beim Schwimmen Auftrieb zu geben, sondern vielmehr bei kälteren Gewässern den Körper vor Unterkühlung zu schützen. Das war an diesem Tag nicht gegeben. 26 Grad Wassertemperatur brachten den Wörthersee beim Massenstart der 2.369 Athleten zum Kochen. 3,8 Kilometer durchbeißen in der Menge, die letzten 900 Meter im Lendkanal, der zum späteren Zeitpunkt für die langsameren Athleten schon sehr aufgewühlt war und die Algen durch die Hitze vermehrt, das Durchkommen schwieriger gestaltete.
Der Wechsel auf das Rad klappte prima und Bärbel Stielow fühlte sich auf dem Rad sauwohl. Zweimal musste eine 90-km-Runde gefahren werden; mit 1.800 Höhenmetern eine Herausforderung. Aber an den Steigungen herrschte ein Tour de France-Feeling. Die Straßen mit vielen tollen Sprüchen und Aufforderungen zum Durchhalten bemalt, machten einem trotz Hitze immer wieder Mut. Acht Liter Elektrolytgetränke, Wasser, Salztabletten und 17 Gels und Riegel versorgten den Körper während dieser Zeit. Nach 7:23 Stunden waren die 180 Kilometer im Sack und es ging in die Wechselzone. Hier noch einmal den Körper mit Sonnencreme einreiben, Kappe auf und dann auf zu 42,2 Kilometer laufen. Die Luft flimmert über die Pflastersteine. Die Gesichter der Athleten sagen alles. Sie sahen alle älter aus, als noch vor Stunden beim Start. Schon hier gehen viele der Teilnehmer. Bärbel Stielow läuft erst einmal los. Nach 1,7 Kilometer entscheidet sie sich für ein taktisches Rennen. Bei Temperaturen von 38 Grad im Schatten, in der Sonne misst das Thermometer 43 Grad. Hier gilt es anzukommen. In der prallen Sonne geht sie flott los und absolviert etwa sieben Kilometer in der Stunde. Wasser wird an diesem Tag zum kostbaren Gut. Tausende Liter fließen bei den Versorgungsstationen – in und über die Körper der Profis und Amateure. Da sind alle gleich. Die vielen freiwilligen Helfer sind gefordert wie nie. Selbst die Kleinsten zeigen Feuereifer und reichen nasse Schwämme. Die Hitze ist Wahnsinn, beim ersten Ironman das volle Paket. Bei vielen fordert der Backofen seinen Tribut, mehr Sportler als sonst müssen aufgeben. Insgesamt 374 Teilnehmer beenden vorzeitig das Rennen. Bärbel Stielow hält durch. Tapfer zieht sie das Tempo durch. In den Abendstunden trabt sie langsam an der Seite eines Teilnehmers aus Irland. Er wird begleitet von zwei Frauen, die dem stillen Läufer Balladen vorsingen. Sehr ergriffen, eine leichte Gänsehaut läuft Bärbel Stielow nebenher. Getragen von diesem Erlebnis geht es Richtung Ziel. Auf die Uhr geschaut, stellt Stielow fest, dass es noch für eine Zeit unter 16 Stunden reichen kann. Jetzt wird gelaufen. Und es geht. Im Zielkanal angekommen, feiert und bedankt sich Bärbel Stielow bei allen Zuschauern und sie feiern sie.
Alles richtig gemacht, Bärbel Stielow geht es richtig gut. Und sie feiert noch bis nach Mitternacht die Finisher und beim anschließenden Feuerwerk bleibt der Stolz und die Freude, es geschafft zu haben. Ein Jahr Vorbereitung, Unterstützung von Familie und Freunden auch an der Strecke, machten ihren ersten und nicht letzten Ironman zu einem unvergesslichen Erlebnis.
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