Auf den Spuren der Flussperlmuschel

Die Teilnehmer der Exkursion erfuhren viel Wissenswertes.

Die NVL unterwegs in der Südheide

NVL. Bei strahlendem Sonnenschein unternahm die Naturkundliche Vereinigung Langenhagen (NVL) eine Exkursion mit Reinhard Altmüller zu dem Thema “Naturschutzgroßprojekt Lutter” in die Südheide. Bei der Lutter handelt es sich um einen 26 Kilometer langen Bach, der in die Lachte fließt, die wiederum in die Aller mündet. 1989 startete dieses Großprojekt mit Unterstützung des Bundes, des Landes und der Landkreise Celle und Gifhorn. Das Ziel war mindestens die Stabilisierung der Population der Flussperlmuschel, wenn nicht gar eine Vermehrung, handelt es sich doch um das letzte Vorkommen dieser Süßwassermuschel im Norddeutschen Tiefland. Gab es 1994 nur noch etwa 1.800 Exemplare in der Lutter, so sind es heute deutlich über 15.000 Tiere und europaweit handelt es sich um die einzige Örtlichkeit, an der sich die Flussperlmuschel, die ein Alter von bis zu 280 Jahren erreichen kann, so stark vermehren konnte. Dazu musste die zuvor begradigte Lutter (niederdeutsch: hell, sauber) in einem aufwendigen und langjährigen Prozess wieder renaturiert und entsandet werden, da die Muschel sich nur in einem Kiesbett mit unterschiedlich großen Kieselsteinen festhalten kann. Für die ersten zehn Monate ihres langen Lebens benötigt diese Muschel die Bachforelle, die nur in einem sehr sauberen Fließgewässer vorkommt, als Wirt und in deren Kiemen sie lebt.
Die Teilnehmer der Exkursion erkundeten an fünf verschiedenen Standorten die heutige Situation an dem Bach und erfuhren viel Wissenswertes über die Flussperlmuschel, die zum Überleben ebenfalls ganz sauberes Wasser benötigt. Ihren Namen trägt diese Süßwassermuschel allerdings etwas zu Unrecht, denn nur ganz wenige enthalten tatsächlich eine Perle: die Angaben reichen von 0,05 Prozent bis zu vier Prozent was einer Perle auf 2.000 oder 25 Muscheln entspricht.
Als positiver Nebeneffekt dieses Großprojektes sind in der Südheide jetzt wieder Fischotter, Kraniche, Waldwasserläufer und Schwarzstörche anzutreffen.
Im Anschluss an die spannende Exkursion trafen sich die Teilnehmer in einem gemütlichen Café in Eschede zu Kaffee und Kuchen, bevor sich die Gruppe nach dem Besuch des kleinen Naturparkinformationszentrums im Bahnhof Eschede auf den Rückweg nach Langenhagen machte.
Die nächste Veranstaltung der NVL findet am Dienstag, 25. Oktober, um 19.30 Uhr im Wasserturm im Eichenpark statt. Thema des Vortrags von Diplom-Ingenieur Frerichs werden die Fossilienfunde aus der Tongrube bei Resse sein. "Die Tongrube Resse erlangte in Fachkreisen weltweite Berühmheit durch ihre spektakulären Ammonitenfunde aus der Kreidezeit", so NVL Pressesprecher Thomas Kaba. Ammoniten sind urzeitliche Vettern der Tintenfische mit aufgerollten Gehäusen aus Kalk. Inzwischen wurde der Wasserturm zum Natur-Informationszentrum-Langenhagen – kurz NIL – ausgebaut. Ab 18.30 Uhr besteht die Möglichkeit, die neu hergerichteten Räume und das Projekt zur Fledermausüberwinterung im Keller des Wasserturms anzuschauen.