Der Schiefe Turm von Bad Frankenhausen

Die Reisegruppe unterwegs vor dem Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar.

Ü 50 des SC Langenhagen vier Tage im Kyffhäuserkreis

SC Langenhagen. Die Fußballsenioren Ü50 des SC Langenhagen steuerten in diesem Jahr am Himmelfahrtswochenende mit Bad Frankenhausen den Kyffhäuserkreis an. Das von Helga und Fritz Rohn organisierte Programm bot neben vielen geselligen Aspekten auch jede Menge Kultur, zumal neben den Sehenswürdigkeiten um Bad Frankenhausen auch Fahrten nach Weimar und Erfurt organisiert waren. Schon die erste Stadtführung in Bad Frankenhausen brachte einige Überraschungen zu Tage, so den Schiefen Turm der Oberkirche, deutlich schiefer als der Turm in Pisa und mit ähnlichen Bemühungen zur Stabilisierung. Wunderschön angelegt sind der sogenannte Solewasser-Vitalpark und die Kyffhäuser-Therme.
Bad Frankenhausen ist eine geschichtsträchtige Kleinstadt am Südhang des Kyffhäusergebirges. Vor knapp 500 Jahren fand hier ein blutiger Glaubenskampf statt: eine der letzten Schlachten im Deutschen Bauernkrieg 1525, angeführt von dem wortgewaltigen, radikalen Prediger Thomas Müntzer. Der einstige Weggefährte des Reformators Martin Luther rief als „Knecht Gottes wider die Gottlosen“ zum kompromisslosen Kampf gegen die Obrigkeit auf. Über der Stadt befindet sich heute ein zylindrisches Bauwerk, das Panorama-Museum. Der Maler Werner Tübke (1929-2004) schuf hier von 1983-87 ein monumentales Öl-Gemälde von 14 Metern Höhe und 123 Meter im Umfang – das Panoramabild „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“. Dieses imposante Kunstwerk mit über 3000 Einzelfiguren zählt zu den größten und figurenreichsten Gemälden der neueren Kunstgeschichte. Nach der Führung mit interessanten Deutungsversuchen des Panoramabildes ging es mit dem Bus weiter zum Kyffhäuser-Denkmal.
Auf dem 457 Meter hohen Burgberg erhebt sich das imposante Kaiser Wilhelm I.- Denkmal, das das zweitgrößte Nationaldenkmal Deutschlands ist. 1896 fand die Eröffnungsfeier statt. Unter Kaiser Wilhelm I. sitzt Barbarossa. Mit dieser Figur ist noch immer ein Mythos verbunden, der der Gruppe durch eine offensichtlich total in Barbarossa verliebte Burgführerin vermittelt wurde. Tief im Innern des Kyffhäusers soll der Staufferkaiser Friedrich I. Barbarossa verzaubert sein. Man erzählt, dass er einen Kreuzzug ins Heilige Land unternahm, von dem er nicht wiederkehrte. Aber er ist nicht gestorben, sondern wird wiederkommen. Am meisten wird der Kyffhäuser als Unterschlupfberg genannt. Hier sitzt König Barbarossa in einer glänzenden Halle an einem Marmortisch und trägt auf dem Kopf eine goldene Krone. Des Kaisers roter Bart ist durch den Tisch gewachsen und reicht schon zweimal um den Tisch herum. Wenn er aber zum dritten Mal herumreicht, wird der Kaiser wach und herauskommen. Neben dem Denkmal befindet sich mit 176 Metern der tiefste Burgbrunnen der Welt.
Sechs km von Bad Frankenhausen entfernt liegt die sagenumwobene Barbarossahöhle, 800 Meter lang und etwa 15.000 Quadratmeter groß: sie ist eines der außergewöhnlichsten Naturdenkmäler Europas. Sie wurde am 20. Dezember 1865 rein zufällig von Bergleuten entdeckt, die auf der Suche nach Kupferschiefer waren. In den kristallklaren, blaugrün schimmernden Seen spiegeln sich die verschiedensten Formstrukturen der Grotten mit ihren weißen und grauen Gesteinsbrocken.
Besondere Höhepunkte waren die Besuche von Weimar und der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Um 1250 wurde Weimar am Südrand des Thüringer Beckens in der Nähe einer Wasserburg angelegt. Sie ist die Stadt der klassischen deutschen Literatur, die durch die vielen Dichter und Denker Weltruhm erlangte. Auf dem Platz vor dem Deutschen Nationalmuseum zeigt ein Denkmal die nebeneinanderstehenden Goethe und Schiller, die beide einen großen Teil ihrer Schaffensjahre in Weimar verbrachten.
Im Jahre 1919 tagte im Weimarer Hoftheater die Deutsche Nationalversammlung, die die neue republikanische Verfassung ausarbeiten sollte. Aus diesem Grund spricht man von der „Weimarer Republik“, die die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen bezeichnet. Am Ende einer geschichtsträchtigen Führung wurde im traditionellen „Köstritzer Schwarzbierhaus“ eine Mittagspause eingelegt, um dann die Fahrt nach Erfurt fortzusetzen.
Die Stadt Erfurt gehört zu den größten Altstadt-Kernen in Deutschland. Der erste frühmittelalterliche Altstadtkern war bereits 1066 von einer Stadtmauer umgeben. Bis in das 15. Jahrhundert gab es noch zwei weitere Stadtringe. Bei einem Spaziergang durch die Altstadt sind imposante Kirchen, natürlich der St. Marien-Dom mit riesigem Domplatz und wunderschöne Patrizierhäuser zu bewundern. Besondere Sehenswürdigkeiten stellen die Krämerbrücke, der Fischmarkt, der Thüringer Zoopark und natürlich das evangelische Augustinerkloster dar, in dem der spätere Reformator Martin Luther von 1505 bis 1511 lebte, betete und arbeitete. Erfurt feiert 2017 nicht nur sein 1.275- jähriges Stadtjubiläum, sondern ehrt natürlich auch 500 Jahre Reformation mit zahlreichen Veranstaltungen.
Es war wieder eine sehr interessante Abschlussfahrt, wie alle Beteiligten fanden, begünstigt durch supertolles Wetter.