Pariser Flair im Harz erspürt

SoVD-Ausflügler besichtigten in Stolberg das kuriose Rathaus, das keine Treppen hat.
 
Das Gipfelkreuz auf dem Auerberg erstaunte mit seinem Erscheinungsbild.

SoVD-Ausflügler waren auf Entdeckungstour

SoVD Krähenwinkel-Kaltenweide. Der SoVD-Ortsverband bot eine Busrundfahrt durch den Harz an, 44 Mitglieder und Gäste nahmen teil. Von Werningerode aus ging es über Rübeland zur Rappbodetalsperre. Eindrucksvoll war die Fahrt über die 415 Meter lange und mit bis zu 106 Metern höchste Staumauer Deutschlands. Von dort hatte man einen guten Blick auf die 2017 eröffnete Fußgängerhängebrücke Titan RT. Sie verläuft parallel zur Staumauer. Das auf 458,5 Metern frei hängende Teilstück ist wohl das längste seiner Art weltweit. Von der einhundert Meter hoch über dem Stausee der Talsperre Wendefurth hängenden Brücke ist Bungeespringen möglich. Dafür blieb jedoch keine Zeit, denn die Fahrt ging weiter über Hasselfelde nach Stolberg.
Während der 90-minütigen Stadtführung sah die Gruppe unter anderem die „Alte Münze“, eines der schönsten Fachwerkhäuser Stolbergs, heute Museum mit historischer Münzwerkstatt. Im „kleinen Bürgerhaus“, einem der ältesten Gebäude Stolbergs, befindet sich bereits seit den 1930er Jahren das Museum für Wohnkultur zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert. Ein Kuriosum ist das 1452 erbaute, heutige Rathaus Stolbergs: Es hat keine Treppen. So gewann man mehr Platz im Erdgeschoss und auf den Etagen und nahm dafür den etwas umständlichen Weg über die bereits vorhandene Treppe, welche neben dem Gebäude zur St. Martin Kirche hinaufführt, in Kauf. Hoch über der Stadt aber prunkt das Schloss Stolberg. Das weiße Barockschloss wird gerade aufwändig restauriert. Zum Abschluss der Stadtführung gab es noch einen Leckerbissen: „Stolberger Lerchen“, eine geräucherte Bratwurstspezialität. Sie ist seit Generationen ein fester Bestandteil der Stolberger Esskultur. „Und das mit Recht!“, urteilten die Reisenden begeistert, nachdem sie gekostet hatten. Ihren Namen verdanken die Würste den vogelähnlichen Geräuschen, die sie beim Brutzeln auf dem Grill verursachen.
Die Fahrt ging nun weiter zum Auerberg mit seinem stählernen Josephskreuz. Wem bei seinem Anblick sogleich eine gewisse Ähnlichkeit zum Eifelturm auffiel, lag richtig. Der ursprünglich hölzerne, kreuzförmige Aussichtsturm brannte 1880 aufgrund eines Blitzeinschlags nieder. Der neue Turm wurde 1896 nach einem Entwurf von Otto Beißwänger in Form eines aufrecht stehenden, vierzählig drehsymmetrischen Lateinischen Kreuzes (Doppelkreuz) errichtet. Die 38 Meter hohe Stahlfachwerk-Konstruktion wiegt 125 Tonnen und wird von etwa 100.000 Nieten zusammengehalten. Bestandteile wie der Rundbogen zwischen den Beinen verweisen auf das populäre französische Vorbild. Die Reise führte dann weiter nach Alexisbad ins Selketal. In gemächlichem Bummelzugtempo ging es von dort in 45 Minuten mit der Dampflok bis nach Stiege. Die Selketalbahn befährt zusammen mit der Harzquerbahn und der Brockenbahn das größte, zusammenhängende Schmalspurbahnnetz Deutschlands. In Stiege wartete wieder der Bus und brachte die Gesellschaft über Braunlage zum Torfhaus. Bei sonnigem, klaren Wetter zeigte sich der Harz von seiner besten Seite und die 1.142 Meter hohe Granitkuppe des Brockens war weithin sichtbar. Bei Kaffee und Kuchen konnte man die tolle Aussicht genießen und so waren sich alle einig: diese Südharz-Reise hat sich gelohnt, noch dazu bei perfektem Wetter.