„SPD und Kirche“

Kinder- und Jugendarmut im Heidekreis

Region. Auf eine rund 25-jährige Tradition kann diese Runde schon zurückblicken. Daran erinnerte der ehemalige Landtagsabgeordnete Peter Rabe zu Beginn des Gesprächsforums „SPD und Kirche“ am vergangenen Dienstag im Gemeindehaus der Walsroder Kirchengemeinde. „Ich glaube, es ist hier nicht strittig, dass wir die Aufgabe haben, etwas gegen Armut zu tun.“, stellte Superintendent Ottomar Fricke fest. Gerade im Blick auf die Kinder- und Jugendarmut im Heidekreis, die sich die Gesprächsrunde zum Thema gemacht hatte, seien folgende Fragestellungen interessanter: „Wie zeigt sich jugendliche Armut? Woher kommt sie und wie kann diese Armut gelindert werden?“
Rund zwölf Prozent der Kinder und 14 Prozent der Jugendlichen des Heidekreises leben in Familien, die von Armut betroffen sind. „Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen“, berichtete Ralf Trosin, der Leiter des Fachbereichs Soziales beim Landkreis. Dabei hat Armut nicht nur einen materiellen Aspekt. Häufig ist sie verbunden mit Scham und einer kulturellen, sozialen und seelischen Benachteiligung. Ulrich Förster, der Schulleiter der Haupt- und Realschule Rethem konnte aus seiner Praxis von konkreten Beispielen berichten: „Da ist ein Schüler, der sagt er wolle nicht mit zur Klassenfahrt – dabei ist er sehr kontaktfreudig. Wir wissen, die Eltern können das Geld dafür nicht aufbringen. Eine Schülerin mit Migrationshintergrund kommt unregelmäßig und nur noch unmotiviert zum Unterricht – Ihre Eltern unterstützen ihre Schullaufbahn nicht, da sie Zuhause als Babysitterin für jüngere Geschwister benötigt wird und zudem schon einem Mann versprochen ist.“
Viele kommunale und kirchliche Hilfsmöglichkeiten für von Armut bedrohte Kinder und Jugendliche gibt es im Heidekreis und dabei werden die Eltern häufig mit einbezogen. Darauf machten Uwe Peters von der Jugendhilfe und Carsten Schlüter vom Diakonischen Werk aufmerksam. „Es geht uns aber nicht nur darum, zu helfen – wir wollen auch auf die Situation von Betroffenen hinweisen und ihnen eine Stimme verleihen.“, so Schlüter.
„Armut ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, bemerkte Lars Klingbeil, SPD-Bundestagsabgeordneter. Die Gesellschaft müsse eine Debatte darüber führen, welche Erziehungs- und Bildungsaufgaben auch in Zukunft von den Elternhäusern übernommen werden, und wo die Schulen noch stärker gefragt sind. „Darüber haben wir noch keinen Konsens. Wir wissen sehr wohl, was zu tun ist, um Kinder- und Jugendarmut zu begegnen, sind uns aber nicht immer daran einig, wie.“