Martinstag in Schwarmstedt

Martinslichter leuchten wieder am 11. November

Schwarmstedt. Am 11. November ist Martinstag. Unter dem Motto „Martinslichter leuchten wieder“ feiern die beiden Schwarmstedter Kirchengemeinden St. Laurentius und Heilig Geist wieder ein ökumenisches Fest zu Ehren des Heiligen Martin und laden zum traditionellen Martinslaternenumzug ein. Um 17 Uhr beginnt der Gottesdienst in der St. Laurentius-Kirche, bei dem das Martinsspiel in diesem Jahr von den Vorkonfirmanden aufgeführt wird. Alle Kinder können wieder “Teilen wie Sankt Martin“ und einen Teil ihrer Matten-Herrn-Süßigkeiten für die rumänischen Kindern in Botosani spenden. Die Süßigkeiten werden über das Missionswerk Osteuropa vor Weihnachten zu den Kindern gebracht, die sich über die Gaben aus Schwarmstedt schon seit fünf Jahren freuen. Im Anschluss an die Andacht führt Sankt Martin auf seinem Pferd den Laternenumzug von der evangelischen Kirche zur katholischen Kirche am Alten Heuweg. Dort warten Lagerfeuer, heiße Würstchen und Getränke auf die großen und kleinen Laternenträger sowie für jedes Kind eine gebackene Martinsgans. Der Heilige Martin, der im 4. Jahrhundert nach Christus lebte und dessen Gedenktag der 11. November ist, war schon zu seinen Lebzeiten eine Legende. Als Sohn eines heidnisch-römischen Tribuns musste er mit 15 Jahren auf Wunsch des Vaters in den Soldatendienst eintreten. Er wurde im Alter von 18 Jahren getauft und schied mit 20 Jahren aus dem Militär aus, weil sich Christsein und Militärdienst nicht vereinbaren ließen. Zuvor geschah nach der Legende, was Martin weltberühmt machte: Martin begegnete am Stadttor von Amiens als Soldat hoch zu Ross einem frierenden Bettler. Ihm schenkte er die mit dem Schwert geteilte Hälfte seines Mantels. In der folgenden Nacht erschien ihm dann Christus mit dem Mantelstück bekleidet: er war es, der Martin als Bettler prüfte. Martin wurde 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten. Eine andere Überlieferung berichtet: als Martin als Bischof predigte, wurde er durch eine Schar schnatternder Gänse unterbrochen. Sie wurden gefangen genommen und zu einer Mahlzeit verarbeitet. Der volkstümliche Brauch der Martinsgans basiert auf dem Martinstag als Hauptzinstag: am Martinstag begann das neue Wirtschaftsjahr des Bauern, an das Gesinde wurde die Löhne bezahlt, Pachtverträge wurden geschlossen, Steuern abgeführt, Knechte und Mägde konnten den Dienstherrn wechseln. Das Vieh wurde geschlachtet, das aus Kostengründen nicht den ganzen Winter hindurch gefüttert werden konnte. Dazu gehörten die Gänse; so ergab sich der Brauch, am Martinstag Gänsebraten zu essen. Martin war als gerechter, treusorgender Bischof beim Volk sehr beliebt. Alle Legenden betonen Martins schlichte Lebensart und demütige Haltung: Er putzte selbst seine Schuhe und saß nicht auf dem bischöflichen Prunksessel, sondern auf einem Bauernschemel. Auf einer Missionsreise 397 starb Martin. Zu seiner Beisetzung am 11. November - daher der Gedenktag - strömte eine riesige Menschenmenge. Der Martinskult breitete sich nach Osten aus, besonders im Harz und in Thüringen. Martinsumzüge sind heute weit verbreitet: an der Spitze des Zuges reitet "der Heilige", oft vom Bettler begleitet; dann folgen singende Kinder mit Lampions in den Händen. Martin war der erste Nichtmärtyrer, der als Heiliger verehrt wurde.