63 Abiturienten feierlich aus der KGS entlassen

Ralph Götze, Manuel Kizakis, Lena Kasprick, Lorenz Skupzig, Birk Jäger, Colin Patschkowsky, Nike Mestwerdt, Vic Stolle, Julian Berg, Josephine Füllgraf und Tabea Lohmann wurden genau wie Emma Zeppernick für ein Abitur mit einer Durchschnittsnote unter 2,0 ausgezeichnet.
 
Die Abituriennten der KGS Schwarmstedt.
Schwarmstedt. Donnerstagabend, die Mensa der KGS war gefüllt mit erwartungsfrohen Jugendlichen, ihren Eltern, Verwandten und Freunden und vielen Lehrkräften der Wilhelm-Röpke-Schule.
Wie immer, wenn es besonders feierlich wird, spielte zunächst das Schulorchester unter der Leitung von Johnny Groffmann in gewohnt beeindruckender Weise. Gleich im Anschluss behauptete Schulsozialpädagoge Christian Biringer, der als Moderator durch die Veranstaltung führte, dass man ein Studium gar nicht braucht, so jedenfalls hatte es ihm ein Schüler vor einiger Zeit gesagt, dem der Stress vor dem Abitur zu viel war. Die Jugendlichen hatten alle eine harte Zeit hinter sich, der eine mehr, der andere weniger. Jetzt aber galt es, zu feiern, stolz zu sein, glücklich zu sein, denn die Abiturzeugnisse lagen bereit.
Zunächst aber nahm Gesamtschuldirektor Tjark Ommen die Jugendlichen mit auf eine Reise durch ihr bisheriges Leben. Er wünschte sich, dass die Jugendlichen, denen er zum bestandenen Abitur gratulierte, etwas aus seiner Rede mitnehmen. Sein Text, der verschiedene Stationen auf dem Weg zum Erwachsenwerden beschrieb, war von klassischen Musikstücken untermalt, die passend zum jeweiligen Lebensabschnitt ausgewählt waren. Ommen betonte, dass die Schule stolz auf die Abiturienten sei, und bot ihnen an, dass sie sich bei Problemen immer wieder melden können. „Wir sind für euch da“, versprach er zum Schluss seiner Rede.
Auch Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs, von Christian Biringer als großer Wegbegleiter der KGS angekündigt, gratulierte zum höchsten Schulabschluss, den man an deutschen Schulen erreichen kann, der Allgemeinen Hochschulreife. Gehrs, früher selbst Schüler der Wilhelm-Röpke-Schule und sogar Schülersprecher, musste, um das Abitur zu machen, noch weite Wege auf sich nehmen, zu seiner Zeit gab es noch keinen Gymnasialzweig. In Walsrode, Mellendorf, Celle oder Hannover waren die Schulen, an denen man sein Abitur machen konnte, und erst vor 20 Jahren wurden die Weichen für die KGS gestellt.
Nach einem Queen-Medley des Schulorchesters dankte Christian Biringer dem Schulassistenten Thomas Sauer und Bjarne Kötter, Timo Lübke und Simeon Brammer aus der Arbeitsgemeinschaft Veranstaltungstechnik, die wie schon so oft für tolle Lichteffekte und für den guten Ton sorgten. Die Schulelternratsvorsitzende Birgit Cordes betonte bei ihren Glückwünschen, dass ein Abitur nicht jedem zufalle, man müsse schon dafür arbeiten, aber wer es geschafft hätte, könne gestärkt ins Leben gehen. Mit der Königsklasse der Schulabschlüsse könne man sich zwischen Studium, FSJ, Ausbildung oder Auszeit entscheiden, und nur wer flexible bleibe, sei für den zukünftigen Wandel gewappnet. Im Namen der Eltern bedankte sie sich zum Schluss bei allen, die den Jugendlichen Wissen, Werte und Kultur vermittelt haben.
Die Schülersprecher Nike Mestwerdt und Jost Hilliger bezogen sich in ihrer Rede auf Wilhelm Röpke, hatten jedoch ganz andere Facetten aus dessen Leben zum Thema gewählt als am Vortag. Beide waren sich sicher, dass es wichtig sei, mehr als nur seinen Namen zu kennen. Röpke sei ein Vorbild für alle, nicht, weil er mit 24 Jahren der jüngste Professor in Deutschland war, mit Ludwig Erhard ein neues Wirtschaftssystem einführte und über 800 Schriften veröffentlichte, sondern weil er sich in die Politik einmischte und schon sehr früh vor den Gefahren des Nationalsozialismus warnte, als viele diese noch nicht erahnten oder aber Angst hatten, ihre Bedenken kund zu tun. Nun erwartete die Schülersprecherin nicht, dass jemand sein Leben riskiert und ins Exil flüchten muss wie Röpke damals, „Aber ihr solltet für das einstehen, an das ihr glaubt, für das, das ihr für richtig und wichtig haltet.“ Sie fuhr fort: „In der Gesellschaft mag er für seine wirtschaftlichen Arbeiten und Erkenntnisse berühmt sein, an dieser Schule ist er das viel eher als Verfechter sehr viel menschlicherer Werte, wie Würde, Anmut und Ritterlichkeit.“ Diese Werte hätten bis heute nicht an Relevanz und Aktualität verloren und so wünsche sie sich, dass die Abiturienten sie nicht vergessen, sondern in ihrem weiteren Leben beherzigen, schließlich kämen sie, wie man im benachbarten Winsen sagt, von der „Ritterschule“.
Anhaltenden Beifall gab es nicht nur nach dieser Rede, sondern auch nach den beeindruckenden Gesangsvorträgen von Greta Nebel-Engehausen, Daniella Valtere, Fenja Künne und Jana Schwabe aus der Gesangs-Arbeitsgemeinschaft des SV-Verbindungslehrers Oliver Kracke. Gleich darauf hielten Malin Otto, Emma Zeppernick und Jonas Pagels die Rede für den Abitur-Jahrgang. Während Malin, die von Beginn an in diesem Jahrgang war, an viele gemeinsame Erlebnisse erinnerte und die Schulzeit an der KGS Revue passieren ließ, und außerdem den Eltern und Lehrkräften dankte, die mitgelitten und unterstützt hatten, ging Emma auf die Wirkung der Schulzeit auf die  Schüler als Personen ein. So hätte man, spätestens in der Zeit der Abiturprüfungen gelernt, welche Bedeutung der Umgang mit Stresssituationen oder ein gutes Zeitmanagement haben. Man habe viel erfahren, besonders auch über sich selbst, über Empathie, Aufrichtigkeit und Hilfsbereitschaft und so fuhr Emma fort: „Egal, wie „ gut oder schlecht “ unser Abschluss im Endeffekt ist, er definiert nicht uns als Menschen. Natürlich ist es erfreulich, ein tolles Abi zu machen und klar ist es ärgerlich, nicht das zu schaffen, was man sich vorgenommen hat. Aber diese eine, kleine Zahl, die jetzt auf dem Zeugnis steht, ist nicht das Leben. Sie hat Einfluss darauf, das ist keine Frage, aber sie ist nicht alles. Diese Zahl sagt vielleicht was darüber aus, wie gut man Texte schreiben oder Gleichungen lösen kann. Aber zeigt sie auch, wie du immer der erste bist, der andere aufheitert, wenn es ihnen nicht gut geht? Oder wie du diejenige bist, die sich für alle einsetzt, die es selbst nicht können?“ Emma appellierte an ihre  Mitschüler, in dieser Welt voller Leistungsdruck und Ehrgeiz die Menschlichkeit nie aus den Augen zu verlieren. Schülersprecher Jonas Pagels ergänzte die Worte seiner Vorrednerin um den Wert des Engagements. Nur wenn sich der Einzelne im kulturellen, politischen oder sozialen Bereich einbringt, kann Gesellschaft funktionieren, das habe man in der Schule in der Schülervertretung gesehen, bei den verschiedenen Arbeitsgruppen im Jahrgang und bei den vielen Veranstaltungen, die der Jahrgang durchgeführt hat. Man knüpft neue Kontakte, kann kreativ sein, erreicht etwas und ist am Ende glücklich. Jonas Pagels erinnerte an politische Geschehnisse der letzten beiden Jahre und bat seine Mitschüler sich einzubringen, nicht den Polemikern, den Radikalen das Feld zu überlassen, nur weil sie die Lautesten sind. Man müsse für seine Werte und Überzeugungen einstehen und nichts hinnehmen, was in den eigenen Augen falsch ist, fuhr er fort. Nach diesen so eindrucksvollen Worten gab es nicht nur tosenden Applaus, standing ovations belohnten die drei Vertreter des Jahrgangs, die für so viele tolle junge Menschen stehen. Nach einer weiteren Gesangseinlage von Fenja Künne und Jana Schwabe ergriff Gymnasialzweigleiter Jan Stünkel das Wort. Er sei stolz, dass die Entlassschüler den Geist Wilhelm Röpkes im Herzen tragen und er sei stolz auf ihre Leistungen. Er erinnerte an die Einschulung 2011 im Jahr des ersten Abiturs an dieser Schule, an die Klassenlehrer Frau Nerlich, Matthias Wehrung und Marianne Brüning, und er bat sie, die erlernten Kompetenzen in die Welt hinaus zu tragen. Anschließend verliehen Gesamtschuldirektor Tjark Ommen, Gymnasialzweigleiter Jan Stünkel und Oberstufenkoordinator Uwe Janßen mit den jeweiligen Tutoren die Abiturzeugnisse an die Schüler. Alle wurden mit Beifall bedacht, der sich noch steigerte als mit Nike Mestwerdt, Tabea Lohmann, Josephine Füllgraf, Birk Jäger, Manuel Kizakis, Julian Berg, Vic Stolle, Lena-Marie Kasprick, Lorenz Skupzig, Colin Patschkowsky und Ralph Götze alle Schüler auf die Bühne gebeten worden sind, die ihr Abitur mit einem Schnitt machten, der besser als 2,0 war.
Anschließend wurde Emma Zeppernick für die besten Leistungen im Fach Deutsch und für die besten Leistungen im Fach Englisch ausgezeichnet, Malin Otto bekam den Buchpreis der Landeskirche für die beste Prüfung im Fach Religion und Julian Berg den Preis der Deutschen physikalischen Gesellschaft und auch den Preis der deutschen Mathematiker Vereinigung. Markus Winkelhaus und Christopher Lötsch wurden für ihre Erfolge bei den Prüfungen auf „den letzten Metern“ beglückwünscht und last but noch least zeichnete Tjark Ommen die Schülerin Emma Zeppernick aus, die ihr Abitur mit dem sagenhaften Durchschnitt von 1,0 geschafft hat. Ein Ergebnis, das es an der KGS noch nicht gab.