An den Seniorinnen kommt keiner vorbei

Referentin Herma Mahne mit dem Blumenstrauß, den ihr Martina Hornbostel zum Dank für ihren Vortrag „Golden Girls – Lust und Last der dritten Lebensphase“ unter dem Beifall der knapp 90 Zuhörerinnen des ökumenischen Frauenfrühstücks in Schwarmstedt überreichte.

Interessanter Vortrag beim Frauenfrühstück

Schwarmstedt. Bei „richtig gutem Frauenfrühstückswetter“ konnten fast 90 Frauen fast jeden Alters am Sonnabend im Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Laurentius in Schwarmstedt erst ein reichhaltiges Frühstück genießen und anschließend einem interessanten Vortrag entspannt lauschen, ohne der verpassten Chance auf herbstliche Gartenarbeit nachtrauern zu müssen. Das Organisationsteam um Martina Hornbostel hatte für ein nettes Ambiente gesorgt und die Klangfreu(n)de begleiteten das ökumenische Frauenfrühstück musikalisch, so dass Jungseniorinnen (50 bis 65 Jahre), Seniorinnen (65 bis 80 Jahre) und Hochbetagte (über 80 Jahre) wie auch alle jüngeren Frauen entspannt und gut gelaunt Referentin Herma Mahne zuhören konnten. Ihr Thema „Golden girls – Lust und Last der dritten Lebensphase“ stieß auf viel Interesse, denn „Älter werden wir ja alle, schon von Geburt an“ wie Martina Hornbostel in ihrer herzlichen Begrüßung erklärt hatte.
Nach einer Einstimmung mit dem humorvollen Gedicht „An uns SeniorInnen kommt keiner vorbei“ umriss Herma Mahne den Markt, den die Wirtschaft in der „Generation 55 Plus“ entdeckt habe und erklärte, warum insbesondere die älteren Frauen sich immer wieder selbst sagen müssten, wie toll, liebenswert und wichtig sie doch seien. Die Gesellschaft, die Frauen immer noch allzu oft auf ihr Äußeres und die Rolle als Sexualpartnerin und Mutter reduziere, sehe bei Frauen mit beginnendem Klimakterium dann nur noch das Schwinden dieser „Werte“. Erschwerend komme hinzu, dass die inneren und äußeren Anzeichen des Älterwerdens auch vor Augen führten, dass „wir endliche Geschöpfe“ sind und alle sterben müssen, so die Referentin. Die Diakonin und Sozialarbeiterin im Ruhestand aus Nordstemmen erklärte, der Schlüssel sei, dieses Schicksal anzunehmen. Wem das gelänge, der könne reif und weise mit einer wohltuenden Toleranz das Unausweichliche auf sich zukommen lassen. Anzüglichen Bemerkungen zum Thema Alter könne man dann mit großer Gelassenheit begegnen und auf die Unreife der Jugend schieben, die ihre Bestandsaufnahme noch vor sich habe. Diese sollte mit der zweiten Lebenshälfte beginnen, selbst wenn vor allem Frauen gerade dann auch noch die Belastung der „Sandwitchgeneration“ zu überwinden hätten. „Die Kinder brauchen uns noch, die Eltern schon wieder. Beide zerren an unseren Nerven und Kräften“, so Herma Mahne. Doch gerade dann gelte es, „Vergangenes zu beschließen, Zukünftiges zu bedenken, frei zu werden für die Gegenwart“.
Es gelte, über sein bisheriges Leben nachzudenken, es anzuerkennen und anzunehmen, die Dinge zu klären, die vielleicht noch unklar seien und „Altlasten“ abzuwerfen. Dann könne man die Zukunft bedenken, sich Gedanken darüber machen, wie man im Alter leben wolle und könne. Was sind noch für Wünsche da, wie soll der Lebensabend aussehen? Die Referentin mahnte, hier Dinge offen und ehrlich anzusprechen und beispielsweise den Kindern auch zu sagen, wenn man sich wünsche, im Alter bei ihnen mit im Haus zu wohnen. Alles andere führe zu unnötigen Ängsten und Frustrationen. Auch Testament und Patientenverfügung gehörten zum Bedenken der Zukunft dazu.
Erst wenn das alles – die Vergangenheit und die Zukunft – bedacht sei, werde man frei für die Gegenwart und könne offen für Neues interessiert aber gelassen sich selbst annehmen. Das sei die Chance, Lust aufs Alter zu entdecken; die Lust an Wahrheit, Reife, Gelassenheit, Hobby und Kreativität. Mit der Gewissheit, viel geschafft zu haben, könne Alter als geschenkte Zeit angesehen werden, mit der Gewissheit, auch am Ende von Gottes liebevollen Armen umfangen zu sein.