Beteiligung an landesweiter Aktion

Gärtner Christian Kauffmann und Pastor Jörn Kremeike beim Pflanzen der Eiche. Foto: Anneliese von Bestenbostel
 
Viele Gottesdienstbesucher wohnen der Pflanzung der Eiche bei. Foto: Anneliese von Bestenbostel.

Luthereiche in Schwarmstedt gepflanzt

Schwarmstedt. Am Sonntag wurde in Schwarmstedt nach dem Gottesdienst an der St.-Laurentius-Kirche eine sogenannte „Luthereiche“ gepflanzt. Mit der Pflanzung beteiligte sich die evangelische Kirchengemeinde an einer landeskirchenweiten Aktion zum Auftakt des Jubiläumsjahres „500 Jahre Reformation 2017“. In ganz Niedersachsen werden dieser Tage circa 200 Luthereichen gepflanzt. Sie sollen an die Reformation Martin Luthers vor 500 Jahren erinnern. Die erste aller Luthereichen soll in Wittenberg gestanden haben, und zwar auf dem Platz, auf dem Martin Luther am 10. Dezember 1520 die gegen ihn gerichtete Bannandrohungsbulle des Papstes öffentlich verbrannt haben soll.
Dazu gibt es eine kleine Legende: Ein Wittenberger Student – ein eifriger Anhänger Luthers – liebte ein hübsches Mädchen, dessen Großmutter jedoch dem alten Glauben anhing. Am Tage der Verbrennung soll die Frau mit ihrer Enkelin aus Neugier zu besagter Stelle gewandert sein. Dort trafen sie auch auf den Studenten, der von Luthers Taten begeistert berichtete. Die Großmutter geriet darüber so in Zorn, dass sie ihren Spazierstock in die Erde rammte und dem Studenten zurief: „So wahr ich lebe, Du wirst meine Enkelin nicht eher zur Frau bekommen, als dass nicht dieser Stock zu grünen begonnen habe.“ Der Student war nicht nur über beide Ohren verliebt, sondern auch nicht auf den Kopf gefallen. Noch in derselben Nacht kehrte er zum Stock zurück, riss ihn aus und pflanzte an eben dieser Stelle eine junge Eiche, die er sorgfältig von Laub und Zweigen befreit hatte. Im nächsten Frühjahr geschah das Wunder: der vermeintliche Spazierstock der Alten trieb frisches Grün. Und als die verwunderte Großmutter dies sah, durfte der lutherische Student endlich seine Geliebte freien.
„Se non è vero, e molto ben trovato“, zitierte Pastor Jörn Kremeike in seiner Predigt den Philosophen Giordano Bruno - „Wenn es schon nicht wahr ist, dann ist es wenigstens gut erfunden.“ Und trotzdem erzähle diese Legende etwas sehr Wichtiges über Martin Luther und seine Reformation damals – und über das, was die Schwarmstedter Luthereiche den Menschen von heute zu sagen hat. „Sie steht gegen lebensfeindliche und starre Dogmen und für einen lebendigen und das Leben fördernden Glauben. Einen Glauben, der, einer Eiche gleich, fest in der Überlieferung der Bibel und im Vertrauen auf Gott wurzelt“, so Kremeike, „einen Glauben, der, so fest gegründet, frei in den Himmel wachsen darf, den Gott über uns allen ausgespannt hat.“ Die Eiche diene aber auch der Selbstvergewisserung der lutherischen Kirche und evangelischen Christen. Kremeike: „Sie soll uns allezeit an das erinnern, was uns von Jesus Christus her bestimmt ist. Und auf das uns Martin Luther neu hingewiesen hat: „Dass die Kirche immer für die Menschen da sein soll. Und dass der Glaube immer dem Leben dienen muss.“
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde die Eiche im Beisein vieler gepflanzt. Neben sie wurde ein Gedenkstein gesetzt, der die Inschrift trägt: „Christus vivit“. – Christus lebt. Dieses „vivit“ hatte Luther einst in sein selbst entworfenes Wappen, die sogenannte „Lutherrose“ eingefügt, um sich stets an das zu erinnern, was Jesus seinen Jüngern im Johannes-Evangelium sagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“. Luthereiche wie Gedenkstein sollen so von nun an alle Passanten an das Erbe der Reformation vor 500 Jahren erinnern.