Herdbrand hat ein böses Nachspiel

Die Polizei hat den Brandort untersucht und geht von einem technischen Defekt am Herd als Brandursache aus. Foto: J. Führer, Feuerwehr

Eklat um „Satire“-Artikel in der TAZ: Bürgermeister beschwert sich beim Presserat

Schwarmstedt (awi). Unter Satire versteht man heutzutage im Allgemeinen einen künstlerisch gestalteten Prosatext, in dem Personen, Ereignisse oder Zustände verspottet oder angeprangert werden. Was sich die bundesweit erscheinende Tageszeitung taz jedoch bei ihrer Berichterstattung in der Rubrik „die Wahrheit“ unter der Überschrift „Hurra, die Wache brennt“ am letzten Montag erlaubte, hat Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs zu einer Beschwerde beim Deutschen Presserat veranlasst. Und der Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Dr. Marco Trips, hat sich sogar höchstpersönlich an die Chefredaktion der taz in Berlin gewandt und eine Entschuldigung für diese „Entgleisung“ gefordert.
„Aus unserer Sicht ist der Artikel der taz weder als sachlicher Bericht noch als Glosse in irgendeiner Weise akzeptabel. Hier werden Menschen, die sich ehrenamtlich in der Freiwilligen Feuerwehr engagieren und im Einsatz ihr Leben für andere Mitmenschen riskieren, mit Hohn, Spott und fragwürdigen Unterstellungen angegangen. Wir bemühen uns auf allen Ebenen, ehrenamtliches Engagement besonders zu fördern. Mit einem derartigen Artikel erreichen wir leider dgenau das Gegenteil. Wer will sich noch engagieren, wenn es ihm die Redaktion der taz in dieser Art und Weise dankt. Wenn wir anfangen, die Menschen, die sich engagieren, öffentlich an den Pranger zu stellen, wird unsere Gesellschaft sehr sehr schnell sehr arm werden! Ich würde mir daher wünschen, dass die Redaktion sich besinnt und sich bei dem Bürgermeister und der Feuerwehr unverzüglich entschuldigt“, so Trips in seinem Schreiben an taz-Chefredakteurin Ines Pohl. Was war passiert? Am Sonntag um 8.16 Uhr waren die Feuerwehren aus Suderbruch, Norddrebber, Gilten und Nienhagen zu einem Brand am kombinierten Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrhaus in Suderbruch alarmiert worden. Im Gebäude brannte es im Küchenbereich. Die Feuerwehrleute hatten die Flammen schnell unter Kontrolle. Der Rauch- und Hitzeschaden im Gebäude ist allerdings immens, auch die Einsatzkleidung im Feuerwehrhaus wurde stark kontaminiert.
Das Einsatzfahrzeug befand sich zum Glück nicht in der Fahrzeughalle. Genau auf dieser auch von dpa vermeldeten Tatsache baute die taz ihre „Satire“ auf: „Durch einen glücklichen Zufall befand sich das Einsatzfahrzeug nicht in der Fahrzeughalle und wurde somit nicht beschädigt“, hatte die Feuerwehr in ihrer Pressemitteilung geschrieben und die Agentur dpa gab diese Informationen weiter. Die taz schreibt: „Der Wagen der Feuerwehr stand „zufällig“ (dpa) während des Brands nicht in dem Gebäude und blieb daher unbeschädigt. Warum das Wort „zufällig in Anführungszeichen steht bleibt der Interpretation des Lesers überlassen. Den Ort Suderbruch als „gottverlassenen Flecken“ zu bezeichnen, an dem es „mehr Schnucken als Menschen gibt“ und zu behaupten die Feuerwehr wäre mehr mit Feuerwehrfesten als mit Bränden beschäftigt, dürfte der sachlichen Berichterstattung ebenfalls nicht dienlich sein. Besonders sind dem Bürgermeister und anderen Kritikern jedoch die Passagen aufgestoßen: „Wie viel schöner wäre es da, wenn endlich mal wieder ein richtiges Feuer ausbräche – zum Beispiel auf der eigenen Wache“ und „Hauptsache, die Feuerwehr von Suderbruch konnte endlich mal wieder etwas anderes als ihren Durst löschen.“
„Dieser Artikel verstößt nach unserer Auffassung gegen den Pressekodex. In diesem ist in Ziffer 9 manifestiert, dass es der journalistischen Ethik widerspricht, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen. Diese Grenze wurde mit diesem Artikel überschritten“, so Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs in seiner Beschwerde an den Deutschen Presserat. Durch diese Berichterstattung könnte der Eindruck gewonnen werden, dass die Feuerwehr ein Interesse an dem Brand des Hauses gehabt haben könnte.

Die Art und Weise der Thematisierung des Umstandes, dass sich das Feuerwehrfahrzeug zum Brandzeitpunkt außerhalb der Wache befunden habe, trage zu diesem Gesamtbild bei. Als Samtgemeindebürgermeister stelle er sich vor seine Feuerwehrleute. Es sei schon schlimm genug, dass die Feuerwehr Suderbruch durch den Brand im Feuerwehrhaus schwer getroffen wurde. Hohn und Spott von der taz hätten die Ehrenamtlichen nicht verdient. Wichtige Aufgaben der Gefahrenabwehr und Brandbekämpfung können gerade in kleinen Gemeinden nur deswegen geleistet werden, weil es immer wieder Ehrenamtliche gebe, die sich hier unentgeltlich und freiwillig engagierten und dies in ihrer Freizeit, betont der Samtgemeindebürgermeister. In dem Zeitungsartikel würden Klischees bedient, die der Lebenswirklichkeit widersprächen und die es erschwerten, neue Menschen für diese wichtige ehrenamtliche Tätigkeit zu gewinnen. Es sei um so bedauerlicher, dass dies in einer Zeitung geschehe, die deutschlandweit verbreitet werde und deren Inhalt auch über das Internet weltweit abgerufen werden könne. Es habe seitdem viel positive Resonanz und Solidarität für die Feuerwehrleute gegeben, so Gehrs im Gespräch mit dem Schwarmstedter ECHO. Bei ihm habe sich Landrat Manfred Ostermann gemeldet, die CDU-Landtagsabgeordnete Gudrun Pieper, Fraktionssprecher aus Samtgemeinde und Kreis verschiedener Parteien und auch viele Bürger hätten ihr Unverständnis über diese Art der Berichterstattung ausgedrückt. Das Deutsche Feuerwehrmagazin berichtete bundesweit über den Artikel und die Reaktion der Samtgemeinde. Bis Redaktionsschluss hatte es jedoch noch keine Entschuldigung oder Reaktion der taz gegeben.
Gestern morgen berichtete Hitradio Antenne in einem Interview mit Björn Gehrs über den Herdbrand und das ungewöhnliche Nachspiel. Ebenfalls am gestrigen Freitag gab es dann eine Begutachtung des Brandortes zusammen mit dem ebenfalls betroffenen Schützenverein und dem Versicherer. Ziel ist es, den Schaden so schnell wie möglich zu beseitigen und die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr Suderbruch wieder herzustellen, die zurzeit abgemeldet ist. Die Polizei hat mittlerweile offiziell gemeldet, dass ihre Brandermittler einen technischen Defekt am Herd als Brandursache ausgemacht haben.
Das ECHO hat sich um eine Stellungnahme der taz bemüht. Leider war bis Redaktionsschluss gestern keiner der für den Artikel in der Rubrik ,Wahrheit‘ Verantwortlichen erreichbar.