IG hat ihr Ziel erreicht: Monsterhalle abgewählt

Bürgerwille hat Ratsmitglieder schließlich doch noch umgestimmt

Buchholz. Am 8. Mai fand im Buchholzer Gemeinderat eine erneute Abstimmung zur geplanten Logistikhalle statt. Anlass dieser weiteren Abstimmung durch den Buchholzer Gemeinderat war der durch die Interessengemeinschaft Gewerbeentwicklung Buchholz- Marklendorf (IG-BuMa) entwickelte Widerstand gegen die Logistikhalle, und die dem Gemeinderat vorab gemeldete Anzahl der gesammelten Unterschriften. Die große Anzahl der Unterschriften gegen die Logistikhalle führte zum Umdenken im Gemeinderat und damit zur Rücknahme des Aufstellungsbeschlusses zum Bebauungsplan Gewerbegebiet ostwärts der BAB in Marklendorf. Damit wurde das Projekt „Monsterhalle zwischen Buchholz und Marklendorf“ begraben. Die IG-BuMa hat durch vielfältige Aktionen wie Leserbriefe, Protestschilder, eine Menschenkette mit über 200 Personen, Diskussionen mit den Bürgern und zuletzt mit der Unterschriftenaktion von über 850 Unterschriften gegen das Vorhaben maßgeblich zur Meinungsbildung in der Bevölkerung und Meinungsänderung im Gemeinderat beigetragen. Bei der Vorstellung des Projektes im September 2017 durch die Gemeindeverwaltung und den Investor Bauwo hatten einige Bürger und direkte Anlieger bereits ernsthafte Bedenken geäußert. Aufgrund der nicht überzeugenden Argumente und angeblichen Vorteile für die Gemeinde hat sich dann schnell partei- und ortsübergreifend die IG-BuMa gebildet. Vor allem die vom Investor und vom Samtgemeindedirektor durch die örtliche Presse verbreiteten Versprechen zu rein hypothetisch 180 Arbeitsplätzen und Gewerbesteuereinnahmen ließen bei den Buchholzern und Marklendorfern immer größere Zweifel aufkommen. Der Investor Bauwo baute sein Vorhaben auf eine ganze Reihe von Unbekannten und jeder weiß aus der Mathematik, dass eine Rechnung mit zu vielen Unbekannten nur schwer zu lösen ist und in aller Regel ergebnislos bleibt.
Die IG-Buma hat dann immer mehr Einwohner überzeugen können, dass aufgrund der rein spekulativen Vorgehensweise bei der Planung der Logistikhalle ein Irrweg beschritten wird, der der Gemeinde und den Bürgerinnen und Bürger nur Nachteile bringt und den dörflichen Charakter zerstört. Bisher ist es der BauWo nicht einmal gelungen, ihre direkt an der Autobahn gelegenen baureifen Vorhaben in Berkhof und Hodenhagen zu vermarkten.
Nach dem Willen des Investors BauWo sollte alles schnell gehen, und die versprochenen „goldenen Zeiten“ blendeten wohl auch erst Teile des Rates, die trotz der absolut unklaren Absichten mehrheitlich das Projekt befürworteten und mit unserem Gemeindedirektor und Samtgemeindedirektor Gehrs auch einen glühenden und einflussreichen Fürsprecher fanden. Die Frage nach Transparenz und Mitnahme der Bevölkerung zu Beginn des Verfahrens war deshalb auch nur formal gegeben. Dann auch im Nachklang noch von beispielhaft transparentem Verfahren zu sprechen, ist aus unserer Sicht grenzwertig.
Erst bedingt durch den aufkeimenden Widerstand innerhalb der beiden Ortsteile gegen das Projekt wurde dann ein transparentes Verfahren entwickelt und die Bevölkerung fühlte sich nunmehr auch mitgenommen.
Dem Investor wurde mehrfach Gelegenheit gegeben, öffentlich klarere Aussagen zu seinen Absichten zu machen und Licht ins Dunkel zu bringen. Die nicht überzeugenden Auftritte und unklaren Aussagen ließen jedoch die Zahl der Zweifler an der Glaubwürdigkeit und Sinnhaftigkeit dieses Projektes immer weiter ansteigen. 858 Unterschriften sprechen nach Ansicht der Sprecher der Interessengemeinschaft eine klare Sprache gegen das Projekt, und seien ein deutliches Signal auch in Zukunft auf rein spekulative Projekte zu verzichten. Dieses deutliche Votum der Buchholzer und Marklendorfer zeige, dass die Bürger ihren dörflichen Lebensraum ohne Riesenhallen wertschätzten. Andererseits akzeptierten sie vielmehr ein Gewerbegebiet mit klein- und mittelständischen Betrieben.
Durch den gefassten Gemeinderatsbeschluss ist eine Entwicklung des Gewerbegebietes südlich des Marklendorfer Mühlenweges auch nicht mehr gegeben. Das bedauern die Interessengemeinschaftsvertreter, denn genau diese Gewerbeentwicklung fand ihre ungeteilte Unterstützung. Hier wäre der Raum für eine maßvolle, nachhaltige Entwicklung klein- und mittelständischer Betriebe möglich gewesen. Der „Doppel- beschluss“ verhindert nun eine weitere Entwicklung.
Die in der Presse prognostizierten Mehrbelastungen durch den womöglich zunehmenden Verkehr in den anderen Orten der Samtgemeinde, wenn es in Buchholz nicht weitergehen soll, können die Vertreter der IG nicht nachvollziehen. Unisono werde betont, dass die Großlogistiker direkt an die Autobahnen wollten. Damit sei die Gefahr noch weiter zunehmender Belastung für die umliegenden Dörfer eher klein.
Die Gemeinde lebe nicht nur durch und von der Wirtschaft, sondern auch durch die Zufriedenheit und das Miteinander der Einwohner, die sich mit ihrer Gemeinde gern weiter identifizieren möchten, betont die IG.
Für die IG haben die vergangenen Monate gezeigt, dass es sich lohne, die Bürger bei einem Vorhaben mit solch einer Tragweite für die Gemeinde wirklich mitzunehmen und auch die notwendige Zeit dafür zu geben. Mit schnell, schnell sei man auf dem falschen Weg. Drei Wochen zwischen erster Informationsveranstaltung und Ratsentscheidung seien zu wenig.
Es lohne sich, generell an den Ratssitzungen teilzunehmen. Nur so könne man auch in Gemeinde- angelegenheiten mitsprechen. Es lohne sich miteinander zwar kontrovers, aber immer fair, umzugehen. Nur so sei ein Dialog und Umdenken über die künftige Ausrichtung der Gewerbeentwicklung der Gemeinde überhaupt möglich gewesen.Es lohnt sich, für eine Überzeugung zu kämpfen und nicht allen Begehrlichkeiten, die von außen an die Gemeinde herangetragen würden, einfach hinzunehmen.
Die  Interessengemeinschaft dankt dem Gemeinderat nochmals für die mehrheitliche Entscheidung gegen die Halle und den Bürgern für ihre Unterstützung, auch für ihre Kritik und ihre Unterschriften. Sie dankt für den Zuspruch anderer Initiativen und Bewohner unter anderem aus der Wedemark, aus Krelingen und aus den Nachbargemeinden.
Der Dank gelte auch ausdrücklich allen Mitgliedern der IG-BuMa für ihr außergewöhnliches Engagement, ihre Ideen und Kreativität, ihren persönlichen Einsatz und das konstruktive Miteinander zum Wohle letztendlich aller. Ohne den guten Willen aller Beteiligten wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen, sind die Sprecher überzeugt.
Abschließend bleibt ein wichtiger, aber überaus positiver Effekt zu vermerken:
Die Ortsteile Buchholz und Marklendorf seien durch diese Erfahrungen näher zusammengerückt, viele Menschen hätten sich dadurch kennen- und schätzen gelernt, persönliche Freundschaften seien entstanden. Die IG-BuMa habe ihr gestecktes Ziel erreicht und werde sich bald als Interessengemeinschaft auflösen, so Pressesprecher Holger Estherr im Namen der gesamten IG.