Jan-Uwe Rogge begeistert die Schwarmstedter

Bekannter Erziehungsberater zu Gast beim Präventionsrat

Schwarmstedt. Zum zweiten Mal ist es dem Präventionsrat der Samtgemeinde Schwarmstedt mit der Unterstützung des Kreispräventionsrates gelungen, Jan-Uwe Rogge nach Schwarmstedt zu holen, und er wird hoffentlich nicht zum letzten Mal da gewesen sein. Rogge ist einer der erfolgreichsten deutschen Autoren im Themenbereich Kinder und Erziehung, seine Fachvorträge und seine Auftritte im Fernsehen begeistern seit vielen Jahren nicht nur Eltern und Fachkräfte. Auch in der gut besuchten Mensa traf der Doktor der Verhaltens- und Sozialwissenschaften den richtigen Ton, als er humorvoll und mitreißend wie immer über den oft so schwierigen Dialog zwischen Eltern und ihren Kindern referierte. Die anwesenden Eltern fühlten sich ertappt, wenn Rogge sie auf die oft so falsche Wortwahl hinwies, all das war ihnen auch passiert.
Ein Beispiel: Mutter will mit Kind die Oma besuchen und fragt: „Kommst du mit zu Oma?“ Kind hat die Wahl und entscheidet sich für: „Nein.“ Was folgt? Ein viertelstündiges Einreden auf den Nachwuchs, dass er die Oma doch wohl lieb hat, dass sie so schöne Geschenke macht und überhaupt, Mama wäre sonst enttäuscht, böse und was nicht alles. Kind kommt also mit. Viel einfacher für beide wäre es gewesen, Mutter hätte gesagt: „Ich will heute zu Oma und ich möchte, dass du mitkommst.“ Kind hätte sie sofort verstanden und beide wären eine Viertelstunde eher bei der Oma gewesen.
Solch einfache effektive Tipps von Jan-Uwe Rogge machen das Leben leichter, für Eltern und für Kinder. Er berichtete aus seiner Praxis, in der er Eltern mit Erziehungsschwierigkeiten berät, und stellt dort immer wieder fest, dass Kinder sich authentische Eltern wünschen, Eltern, bei denen sie wissen, woran sie sind. Das schafft Klarheit und verhindert Missverständnisse, die das Zusammenleben schwer machen, besonders in der Trotzphase und in der Pubertät.
Jan-Uwe Rogge behauptet, dass die Effektivität des Dialogs dabei zu 60 Prozent von der Mimik und Gestik des Erziehenden abhängt; 33 Prozent bewirke der Klang der Stimme und nur der Rest betrifft den Inhalt. Nie solle man den Kindern und Jugendlichen mit etwas drohen, dass man gar nicht einhalten kann, damit mache man sich als Erwachsener unglaubwürdig.
Ein weiterer wichtiger Tipp war es, dass man das „Wir“ vermeiden sollte. Wir müssen nicht in den Kindergarten, nein, das Kind muss hin, und zwar pünktlich.
Und bei älteren Jugendlichen müsse man auch einmal der gemeinste Vater oder die gemeinste Mutter aus ganz Schwarmstedt sein, wenn der Nachwuchs um 22 Uhr zu Hause sein muss, und alle anderen dürfen länger. Ein Anruf bei der Mutter der Freundin oder des Freundes wirke da oft Wunder.
Jan-Uwe Rogge machte den anwesenden Eltern und Erziehern Mut, ihre Erziehungsziele zu vertreten; es ginge allen Eltern gleich, niemand solle sich ein schlechtes Gewissen einreden lassen. Andererseits soll man dem Kind immer zeigen, dass man es so annimmt, wie es ist, dass man es liebt, auch wenn es etwas falsch gemacht hat. Wenn man ehrlich sei als Elternteil, müsse man sicher zugeben, dass es in der eigenen Jugend ähnlich war, auch früher zoffte man sich mit den eigenen Eltern.
Das Zauberwort einer guten Erziehung ist Geduld, ist Rogge überzeugt. Wenn man dem Kind Zeit gibt, geht es meist ganz von allein. Und wenn man nur nicht sagt: „Du putzt jetzt die Zähne“, sondern fragt: „Willst du erst die Gute-Nacht-Geschichte oder erst die Zähne putzen?“, kann das Kind entscheiden und schon ist die Stresssituation vermieden. So einfach ist es.
Die Gäste in der Mensa haben viel gelacht, die Zeit verging wie im Flug und wer wollte, konnte sich im Anschluss noch ein Buch von Jan-Uwe Rogge vom gut sortierten Büchertisch der Buchhandlung Gramann kaufen und signieren lassen, was sehr gut angenommen wurde.
Rogge hat mehr als 33 Bücher zu Erziehungsfragen veröffentlicht. Einige davon sind zu Bestsellern geworden, die in mehr als 16 Sprachen übersetzt wurden. DVDs und CDs kommen hinzu. Aber ihn live zu erleben, ist doch immer noch am besten.