Katholische Kirche vermietet Pfarrhaus an die Lebenshilfe

Gerd Steinacker (links) erläutert die Pläne zur Einrichtung einer heilpädagogischen Einrichtung im ehemaligen katholischen Pfarrhaus. Foto: B. Stache
 
Gerd Steinacker und Antje Bogdon (v. r.) von der Lebenshilfe Walsrode führen die Teilnehmer an der Informationsveranstaltung durch die Räume des ehemaligen katholischen Pfarrhauses. Foto: B. Stache

Info-Veranstaltung über Nutzung durch heilpädagogische Kleingruppe

Schwarmstedt (st). Beide Parteien waren sich offensichtlich rasch einig: Die katholische Kirche hat in ihrer Schwarmstedter Pfarrgemeinde Heilig Geist einen Mieter für das leerstehende Pfarrhaus gefunden, die Lebenshilfe Walsrode ein Domizil für ihr neues Projekt in Schwarmstedt. Am Dienstagabend hatte die Selbsthilfevereinigung für Menschen mit geistiger Behinderung (Lebenshilfe) zu einer Informationsveranstaltung in das katholische Gemeindehaus von Heilig Geist eingeladen. Günter Beermann eröffnete die Veranstaltung im Namen des Kirchenvorstandes mit der Mitteilung, dass das Pfarrhaus nicht mehr mit einem ortsansässigen Pfarrer besetzt werde. Das Bistum Hildesheim als Grundstückseigentümer sei daran interessiert gewesen, das Grundstück weiterhin zu nutzen. Ende vergangenen Jahres habe sich der Eigentümer mit der Lebenshilfe Walsrode als neuem Mieter geeinigt. „Die Kirche ist für uns ein willkommener Vermieter, weil es zwischen dem christlichen Menschenbild und dem Leitbild der Lebenshilfe viele Gemeinsamkeiten gibt“, erklärte Gerd Steinacker, Pädagogischer Gesamtleiter der 1964 in Walsrode gegründeten Lebenshilfe. „Wir wollen mit dem heutigen Info-Abend den Kontakt zu den Schwarmstedter Nachbarn unserer neuen Einrichtung herstellen“, begründete er gegenüber den mehr als 20 Teilnehmern die Gesprächsinitiative der Lebenshilfe. Die Lebenshilfe Walsrode wird ab dem 13. August dieses Jahres das ehemalige Pfarrhaus für eine heilpädagogische Kleingruppe mit sechs bis sieben Kindern im Alter von drei bis sieben Jahren nutzen. „Mit der neuen Gruppe kommen wir den Eltern und deren Kindern entgegen, die bisher noch weite Wege zu unserem Familienzentrum in Oerbke bei Fallingbostel zurücklegen müssen“, erläuterte Gerd Steinacker. Zu den Teilnehmern an der Info-Veranstaltung gehörten auch Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs und Bürgermeisterin Claudia Schiesgeries. „Beide hatten das neue Projekt der Lebenshilfe Walsrode mit angeschoben“, so Gerd Steinacker bei der Vorstellung der Ideen und Planungen zur Einrichtung der Kleingruppe für Kinder aus dem Raum Schwarmstedt. Die Betreuung durch zwei pädagogische Fachkräfte, eine Praktikantin sowie therapeutisches Fachpersonal erfolge jeweils Montag bis Freitag von 8 bis 14 Uhr, hieß es. Der Pädagogische Gesamtleiter führte aus, dass die Lebenshilfe eine Kooperation mit dem städtischen Kindergarten anstrebe und formulierte als Ziel die gemeinsame Erziehung von Kindern mit Behinderung und nichtbehinderten Kindern (Inklusion). Auch an den Aufbau einer kleinen Kindergarten- oder Krippengruppe, in der die Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam spielen, sei gedacht. Pfarrer Stefan Hesse erklärte dazu: „Hinter dem Kirchbau gibt es eine Fläche, die frei zugänglich ist und wo es die Möglichkeit gibt, mit den Kindern auch mal etwas zu unternehmen.“ Eine Anwohnerin, die in unmittelbarer Nähe zum katholischen Kirchengelände lebt, brachte ihre Bedenken gegen die geplante Nutzung sowie eine mögliche Erweiterung der Einrichtung durch die Lebenshilfe Walsrode vor. Gerd Steinacker dankte für die Offenheit und äußerte sich wie folgt: „Es ist nicht unser Ziel, hier eine Ganztagseinrichtung zu schaffen. Es wird nie eine 25er Gruppe sein, das wollen wir gar nicht. Ich glaube, mit den wenigen Kindern wird die Lärmbelästigung sicherlich überschaubar bleiben.“ Im Anschluss an die Informationsrunde bestand die Möglichkeit, sich die Räume im ehemaligen Pfarrhaus anzusehen, die derzeit für die Aufnahme einer heilpädagogischen Kleingruppe renoviert werden.