Kirche und Handwerk

Publikum während der Rede von Superintendent Schütte - die Referenten Jürgen Beichler und Azadeh Weinrich.

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“

Kreis SFA. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, dieses Sprichwort habe wohl Bildungsgeschichte geschrieben, resümierte der Soltauer Superintendent Heiko Schütte bei der Eröffnung des Gespräches „Kirche & Handwerk“ im Hotel Forellenhof, zu dem zuvor Kreishandwerksmeister Friedhelm Eggers die zahlreichen Gäste begrüßt hatte. Doch die Veranstalter des Gesprächs, die Kreishandwerkerschaft sowie die evangelische und katholische Kirche unserer
Region, hielten trotzig dagegen: „... und Hans lernt doch!“ Mit dem lebenslangen Lernen und Bildungspatenschaften zwischen den Generationen beschäftigten sich alle Beiträge des Abends. Im geistlichen Wort stellte Dechant Siegmund Bulla heraus, wie in biblischer Perspektive jedes Lebensalter des Menschen seinen eigenen Wert habe. Sei die Jugend vor allem dazu da, sich selbst auszuprobieren und das Leben in vollen Zügen zu genießen, so sei das Alter, das auf lange Lebenserfahrung zurückblicken kann, die Zeit der Weisheit, von der wiederum auch
die jüngere Generation profitieren kann. Genau darum geht in dem Mentoring-Projekt, das Jürgen Beichler unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt, Ortsgruppe Walsrode, initiiert hat. Erfahrene Berufstätige und Ruheständler helfen als Mentoren Schülern auf dem Weg in den Beruf. Dazu gehört individuelle Beratung,
Hausaufgabenhilfe, Vermittlung von Praktika, Hilfe beim Schreiben von Bewerbungen und auch das Training von Bewerbungsgesprächen. Zielgruppe sind Förder-, Haupt- und Realschüler mit besonderem Förderbedarf. Ihnen hilft das Mentoring, Selbstvertrauen und soziale Kompetenzen zu entwickeln. Das Projekt basiert auf der Überzeugung, dass der Weg in den Beruf nicht nur für die jungen Menschen selbst von entscheidender Bedeutung ist, sondern dass auch die Gesellschaft – gerade angesichts der demografischen Entwicklung – jeden von
ihnen braucht. Die vielfältigen Angebote des Bildungsbüros Heidekreis, die Azadeh Weinrich vorstellte, stehen ebenso im Dienst des generationsverbindenden Lernens. Schüler und Jugendliche können dort ebenso Unterstützung finden wie deren Eltern, aber auch Unternehmen werden im Rahmen der Bildungsinitiative Mittelstand beraten, und Berufstätige der Generation 50+ können an die verschiedenen Mentoringprogramme im Heidekreis vermittelt werden. Für letztere erleichtert es den Übergang in den Ruhestand, wenn sie ihre Erfahrungen und Kompetenzen an junge Menschen weitergeben können. In der anschließenden Diskussion berichtete unter anderem Landrat Manfred Ostermann von seinen eigenen positiven Erfahrungen als Pate in einem Projekt, das der Rotary Club
Schwarmstedt-Aller-Leine-Tal an der Wilhelm-Röpke-Schüle in Schwarmstedt etabliert hat. Dort bekommen Schüler der 8. Klassen des Hauptschulzweiges berufstätige Paten zugewiesen, die sie individuell auf ihrem Weg bis zur Berufsausbildung begleiten. Für die Schüler bedeutet dies einen deutlichen Gewinn vor allem an Selbstvertrauen. Aber auch die Paten selbst erfahren den Kontakt zur jungen Generation als bereichernd. Das Lernen bleibt eine Aufgabe alle Generationen, wie der amerikanische Industriepionier Henry Ford sagte: „Wer aufhört zu lernen, ist alt. Er mag zwanzig oder achtzig Jahre alt sein.“