Landkreis setzt auf Konsens

Ulf-Marcus Grube (stehend) führt als Moderator durch die gut besuchte Informationsveranstaltung des Heidekreises zur Schutzgebietsausweisung im Aller-Leine-Tal. Foto: B. Stache

EU-Kommission fordert Schutzgebietsausweisung für das Aller-Leine-Tal

Hodenhagen (st). „Wir treten an mit dem Ansatz, Konsens zu finden.“ Mit diesen Worten brachte Markus Heine, Leiter Natur- und Landschaftsschutz im Heidekreis, die Vorgehensweise bei der Schutzgebietsausweisung im Aller-Leine-Tal auf den Punkt. Dies war einhelliger Tenor aller Heidekreis-Verantwortlichen bei der abendlichen Informationsveranstaltung in der Aller-Meiße-Halle in Hodenhagen. Zirka 220 interessierte Bürger, darunter zahlreiche Bürgermeister, hatten daran teilgenommen. Erster Kreisrat Oliver Schulze erinnerte nach der Begrüßung als Leiter des Fachbereichs Bau, Wirtschaft und Umwelt an Vorgaben der EU-Kommission, das zum Heidekreis im Zuge des Aller-Leine-Tals gehörende Flora-Fauna-Habitat-Gebiet 090 (FFH-Gebiet) und das Vogelschutzgebiet V 23 rechtlich abzusichern und als Landschafts- oder Naturschutzgebiet auszuweisen. Der Heidekreis ist demnach verpflichtet, bis Dezember 2018 eine entsprechende Schutzgebietsausweisung zu erstellen, andernfalls drohe ein Vertragsverletzungsverfahren. Um allen Belangen bei der Ausweisung dieser Schutzgebiete gerecht zu werden, richtet der Heidekreis folgende sechs Arbeitsgruppen ein: Wasser und Deiche, Forst und Jagd, Landwirtschaft, Fischerei, Naturschutz sowie Kommunales und Tourismus. Entsprechende Verbände, Organisationen und Einrichtungen waren bereits angesprochen worden, um Vertreter zur Mitarbeit in die Arbeitsgruppen, die nicht öffentlich tagen, zu entsenden. Jeweilige Arbeitsergebnisse werden auf der Heidekreis-Homepage bekannt gegeben, ließ Markus Heine, Leiter Natur- und Landschaftsschutz im Heidekreis, die Teilnehmer an der Informationsveranstaltung wissen. Im weiteren Verfahrensverlauf wird es eine zweite Info-Gesamtveranstaltung geben – bei Bedarf könnten aber auch die einzelnen Arbeitsgruppen zu Informationsveranstaltungen einladen, hieß es. Nach diesem „Vorverfahren“ werde es eine Öffentliche Auslegung geben, gefolgt von der Bearbeitung in den Kreisausschüssen und der abschließenden Bekanntgabe der Schutzgebietsausweisung. „Ganz wichtig ist, dass wir den Dialog auf Augenhöhe mit allen Beteiligten führen“, erklärte Erster Kreisrat Oliver Schulze. „Erklärtes Ziel ist eine von einer breiten Mehrheit getragene Schutzgebietsverordnung für das Aller-Leine-Tal, die der Natur, der Umwelt und den hier lebenden Menschen, einschließlich der Flächenbewirtschafter, zugute kommt.“ Zu Beginn der Informationsveranstaltung hatte Professor Dr. Thomas Kaiser vom Planungsbüro Arbeitsgruppe Land & Wasser über die schützenswerte Natur im Aller-Leine-Tal referiert. So gehe es bei der Schutzgebietsausweisung unter anderem um den Erhalt bestimmter Waldtypen wie beispielsweise Au-, Buchen- oder Eichenwälder. Bei den Tierarten stünden Biber, Fischotter, Fledermaus und Libelle im Fokus, aber auch viele Vogelarten, vom Weißstorch bis zum Singschwan. „Jetzt geht es darum, die fachlichen Vorgaben in eine Verordnung zu gießen“, führte der Professor aus. Svenja Stelse-Heine vom Natur- und Landschaftsschutz beim Heidekreis trug die weitere Vorgehensweise im Verfahren vor. „Wir werden nach dieser heutigen Kick-Off-Veranstaltung gemeinsam mit Ihnen in die Facharbeit einsteigen – in einem fachübergreifenden Arbeitskreis und den sechs verschiedenen Facharbeitskreisen“, erklärte sie. Durch die anschließende Fragestunde führte Moderator Ulf-Marcus Grube, Ortsvorsteher von Hützel, mit Sachverstand und sicherer Hand. „Wir haben das ganze Programm mit der Ausweisung des Schutzgebietes in der Gemeinde Bispingen schon durchexerziert. Nach anfänglicher Unruhe wurde es erfolgreich abgeschlossen. Das Schutzgebiet Luhe in Bispingen ist beschlossen und ausgewiesen“, berichtete Grube. Das öffentliche Interesse an der Schutzgebietsausweisung für das Aller-Leine-Tal wurde am Mittwochabend durch viele Fragen deutlich. Manch Fragesteller ließ tiefe Sorgen an dem Verfahren erkennen, machte der Moderator in einem Statement deutlich. Die Heidekreis-Verantwortlichen konnten einige Anregungen mitnehmen, so auch den Hinweis, dass es im geplanten Schutzgebiet acht Angelvereine statt der bisher angenommenen fünf gibt. Dem Vorschlag eines Bürgers, die Arbeitsgruppe Naturschutz zu streichen und deren Mitglieder auf die anderen aufzuteilen, widersprach Markus Heine. Auf die Frage, wie entschieden wird, wenn zwei Arbeitsgruppen nicht zueinander finden, verwies er auf den Konsens-Gedanken. Ein Teilnehmer steigerte sich in seinem mehrfach vorgebrachten Protest gegen die vom Landkreis Heidekreis gewählte Vorgehensweise im Schutzgebietsausweisungsverfahren zu der Forderung, das gesamte Vorhaben zu boykottieren. Moderator Ulf-Marcus Grube meisterte diese Situation souverän.