„Lebensverlängerung ja, Sterbeverlängerung nein“

Dr. Roland Heitmann (li.) und Siegfried Voelzke referierten auf Einladung der Johanniter des Ortsverbandes Aller-Leine zum Thema „Patientenverfügung und andere Vorsorgeregelungen“. (Foto: U. Fischer)

Großes Interesse bei Johanniter-Veranstaltung über Patientenverfügung

Schwarmstedt. Der Wunsch nach einem würdevollen Sterben veranlasst viele Menschen, eine Patientenverfügung zu verfassen. Darin erklären sie konkret, was für den Fall ihrer Einwilligungsunfähigkeit bezüglich der medizinischen Behandlung oder Nichtbehandlung durch Ärzte und Pflegepersonal geschehen soll. Schon fast neun Millionen Menschen in Deutschland haben eine Patientenverfügung. Doch der Informationsbedarf darüber ist immer noch sehr hoch. Dies zeigte sich auch bei der Vortragsveranstaltung der Johanniter des Ortsverbandes Aller-Leine zum Thema „Patientenverfügung und andere Vorsorgeregelungen“, zu der der Johanniter Dienststellenleiter Klaus Kramer fast hundert Teilnehmer begrüßen konnte. Mit Siegfried Voelzke, Rechtsanwalt und Notar aus Walsrode, und Dr. Roland Heitmann, Leiter der Palliativstation des Heidekreisklinikums Walsrode, hatten die Johanniter zwei Experten eingeladen, die die juristischen und medizinischen Aspekte der Patientenverfügung referierten.
Jeder Mensch möchte gerne sterben, ohne zu leiden. Ärzte verhindern diesen Wunsch jedoch häufig, denn im Zweifel müssen sie sich immer für das Leben entscheiden. In diesem Spannungsfeld zwischen Lebensschutz und Lebenszwang ist eine Willenserklärung des Patienten für alle Beteiligten entlastend, verdeutlichte Dr. Heitmann seine beruflichen Erfahrungen. Das 2009 erlassene Gesetz zur Patientenverfügung ermöglicht Angehörigen und Medizinern im Sinne des Patienten zu handeln, wenn dieser seinen Willen nicht mehr äußern kann.
Voelzke und Heitmann gingen in ihren Vorträgen unter anderem auf die gesetzliche Lage in Deutschland ein, wo aktive Sterbehilfe im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern verboten, aber passive oder indirekte Sterbehilfe möglich ist. Sie nannten die verschiedenen Regelungen, die in einer Patientenverfügung festgelegt werden können, sowie die Voraussetzungen, die der Gesetzgeber vorgesehen hat. Eigene Erfahrungen und praktische Ratschläge rundeten die Veranstaltung ab. Wer eine Patientenverfügung schreiben möchte, sollte sich vorab die Frage stellen, ob er sich mit einer Patientenverfügung für bestimmte Situationen verbindlich festlegen will oder ob es im sozialen Umfeld jemanden gibt, der für ihn nach seinem Willen entscheiden kann. So ist eine Kombination von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht eine gute Absicherung für alle Situationen. Denn eine Patientenverfügung, die in mittleren Lebensjahren aufgesetzt wurde, entspricht nach zehn oder zwanzig Jahren vielleicht nicht mehr dem Willen des Verfassers. Daher empfiehlt es sich dringend, so der Rat der beiden Referenten, dass alle drei bis fünf Jahre die Verfügung überprüft und bei Bedarf der Lebenssituation angepasst wird. Vorlagen für Patientenverfügungen werden im Internet in vielen Varianten angeboten. Doch haben Menschen zu Therapien und Behandlungen im Krankheitsfall sehr individuelle Einstellungen. Jeder muss sich darüber seine eigenen Gedanken machen. Es sei daher wesentlich besser einen Arzt des Vertrauens aufzusuchen, der persönlich beraten kann, empfehlen Voelzke und Heitmann. Die Vortragsreihe „Die Johanniter laden ein“ wird im August mit einer Veranstaltung zum Thema Organspende fortgesetzt. Weitere Informationen dazu erteilen die Johanniter des Ortsverbandes Aller-Leine unter Telefon (0 50 71) 37 37.