Menschenkette gegen Logistikhalle

Zirka 200 Bürger bilden eine Menschenkette entlang der mit rot-weißem Flatterband abgesteckten Fläche als Protest gegen die geplante 40 000 Quadratmeter große Logistikhalle. Foto: B. Stache
 
Jung und Alt kommen zum friedlichen Bürgerprotest der Initiative Buchholz/Marklendorf zusammen und bilden eine Menschenkette. Foto: B. Stache

Initiative Buchholz/Marklendorf organisiert friedliche Protestaktion an der BAB 7

Marklendorf (st). Deutlicher hätten die Teilnehmer an der Protestaktion der Initiative Buchholz/Marklendorf ihren Unmut über die geplante Logistikhalle an der BAB 7 nicht zum Ausdruck bringen können: Zirka 200 Bürger waren dem Aufruf der Initiative gefolgt und bildeten eine Menschenkette entlang des zukünftigen Standorts der 40 000 Quadratmeter großen Halle. Die Organisatoren hatten den Bereich mit rot-weißem Flatterband abgesteckt und damit die Ausmaße allen deutlich vor Augen geführt. Zahlreiche Ordner sorgten für eine geregelte An- und Abfahrt des friedlich verlaufenden Protests. Die Bürger aus Marklendorf und Buchholz seien mit Info-Zetteln und Anzeigen in den örtlichen Zeitungen zur Teilnahme an der Protestaktion aufgerufen worden, berichtete Walter Haller, der die Gesamtleitung der Aktion übernommen hatte. „Wir wollen damit ein Zeichen nach außen setzen, insbesondere für den Gemeinderat, der darüber entscheiden muss. Wir sind gegen diese Halle“, erklärte er. Eine Unterschriftenliste war ausgelegt, in die sich die Hallengegner eintragen konnten. Die Liste mit der Erklärung „Ich bin gegen diese Halle“ werde dem Gemeinderat übergeben, kündigte Walter Haller als zweiter Sprecher der Initiative an. Mitglied Andreas Weymann hatte es übernommen, die Menschenkette zu organisieren. Erster Pressesprecher der Initiative Holger Estherr zeigte sich erfreut über einen Protestbutton, den die Buchholzerin Melanie Foorden entworfen hat. Er zeigt eine mit rotem Balken durchgestrichene Logistikhalle und viele Lastkraftwagen als sichtbares Symbol des bürgerlichen Protests: „Nein, wir wollen diese Riesenhalle nicht.“ Der 27-jährige Tore-Magnus Duensing aus Grindau war einer der Teilnehmer. „Ich bin hier in Buchholz aufgewachsen. Ich finde die gesamte Verkehrssituation und den Bau der Halle absolut nicht mehr tragbar. Viel schlimmer ist, dass dieses ganze schöne Naturbild hier darunter leiden wird“, begründete er seine Motivation für den Protest in Begleitung von Ehefrau Jasmin. Auch viele ältere Protestierer hatten sich der Menschenkette angeschlossen, darunter Achim Braasch. Er lebt seit 60 Jahren in Buchholz. „Ich möchte nicht, dass die Natur so zugebaut wird, obwohl es aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich scheint“, machte er deutlich. Ilse Engehausen, geboren in Marklendorf, begründete ihren Protestbeitrag vor allem mit der schon bestehenden Verkehrsbelastung in den Dörfern. Sie formulierte einen Satz, den die Schwarmstedter Geschäftswelt sicher nicht gerne hört: „Wir müssen uns neuerdings überlegen, ob wir nach Wietze zum Einkaufen fahren. Wir sind bald von Schwarmstedt abgeschnitten.“ Wegen der vielen Staus sei auch der stark befahrene Mühlenweg keine Alternativroute zur Bundesstraße 214. „Wir sollten den dörflichen Charakter hier in Marklendorf belassen. Wir haben bereits ein Gewerbegebiet und brauchen diese große Logistikhalle nicht.“ Zwei Beamte der Polizeidienststelle aus Schwarmstedt waren zu Beginn der Demonstration mit ihrem Dienstwagen vorgefahren und führten mit den Verantwortlichen der Initiative Buchholz/Marklendorf Kontaktgespräche. Die Veranstaltung nahm einen friedlichen Verlauf. Nachdem die Menschenkette sich aufgelöst hatte, machten noch zirka 100 Bürger von dem kulinarischen Angebot der Initiative Gebrauch und suchten das Gespräch. Kaffee, Tee, Punsch und Kuchen standen kostenfrei zur Verfügung. Beim Abräumen des mehrere hundert Meter langen Flatterbands wurden die Organisatoren dann auch von zahlreichen freiwilligen Helfern unterstützt. „Es hat uns besonders gefreut, dass auch Buchholzer und Marklendorfer Bürger dabei waren, die bisher nicht mitgemacht hatten“, berichtete Gudrun Schlechter, Mitglied der Initiative. „Wir sind ganz stolz, dass wir die größte Protestaktion hier im Südkreis organisiert haben“, erklärte Walter Haller abschließend. Björn Gehrs, Gemeindedirektor Gemeinde Buchholz, hat zum Thema Logistikhalle folgende Stellungnahme abgegeben: „Es ist gut, dass das Für und Wider intensiv öffentlich diskutiert wird. Die Gemeinde hat sich diesem Dialog mit dem Bürger in zahlreichen Sitzungen von Anfang an gestellt und alles öffentlich gemacht. Mit Protesten war zu rechnen, zumal auch in der Vergangenheit Projekte in der Gemeinde Buchholz, wie die erfolgte Ausweisung des Windparks (Thema „Energiewende"), die geplante Errichtung eines Sendemastes für Mobilfunk in Marklendorf (Thema „Funklöcher") oder eines Truckstops ebenfalls umstritten waren und zu Bürgerinitiativen geführt hatten. Letztlich geht es um die Frage welcher Standort am geeignetsten ist. Im konkreten Fall, ob Gewerbeansiedlungen und die Logistikhalle direkt an der Autobahn oder woanders entstehen sollen. Hierüber erfolgt eine intensive Abwägung in den Ratsgremien, die noch nicht abgeschlossen ist und die kürzlich wieder anhand des Verkehrsgutachtens geführt wurde. Die letztendliche Entscheidung über den Bebauungsplan trifft der Buchholzer Gemeinderat und als Verwaltungschef werde ich jedes Votum der hierfür gewählten Vertreter respektieren und entsprechend umsetzen.“