Nazis blieben diesmal weg

Demonstration gegen Faschismus und Krieg am Soldatenfriedhof Essel

Essel. Insgesamt 60 Menschen beteiligten sich am zweiten Sonntagsspaziergang und der Mahnwache des Bündnisses aus DGB, Jusos, Grünen, Linken, jungen Antifaschisten und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN/BdA) am Soldatenfriedhof Essel. Die organisierten Nazis sahen keine Chance und blieben weg. Die Aktion richtete sich gegen Faschismus, Krieg und die Heldenverehrungen für die verbrecherische Waffen-SS. Auf dem Soldatenfriedhof liegen meist Jugendliche und Soldaten der Waffen-SS. Das jahrzehntelange Heldengedenken von Altnazis der Waffen-SS und jungen Kameradschaften wurde immer wieder für Jahre unterbrochen durch Demonstrationen gegen die nationalistischen Huldigungen für Kriegsverbrecher. In den letzten Jahren wuchs in Essel erneut die Zahl der Teilnehmer um Niedersachsens bekannteste Nazi-Kameradschaften aus Celle, Schneverdingen und Hildesheim. Dabei waren auch die "Düütschen Deerns", Lüneburgs rechter Kreistagsabgeordneter Berisha und Bauer Nahtz, auf dessen Hof in Eschede ständig große Nazi-Feste stattfinden. Der bekannte Nazi-Führer Dennis Bührig ließ in Essel vor zwei Jahren das SS-Lied absingen und sprach: "Ihr Opfer, unser Auftrag". Die alten der HIAG-Waffen-SS hatten Burschenschaftler als aggressive Gruppe um sich geschart. Die HIAG-Waffen-SS fordert immer wieder, dass auch Bundeswehrsoldaten heute ihr Leben für Deutschland einsetzen müßten.
Den Organisator Charly Braun verbindet mit dem Soldatenfried Essel eine lange Geschichte. Der DGB-Kreisvorsitzende berichtete, dass in den 1970er Jahren ein Pastor von Nazis mit Schlägen verjagd wurde. Als Leserbriefschreiber gegen das Nazi-Treiben, mußte Braun 1968 lange Zeit Hetztiraden über sich ergehen lassen. 1983 schlugen Nazis auf eine Gruppe protestierender Gewerkschaftsjugendlicher ein. Dann wurde mit großen Demonstrationen das Nazi-Treiben gleich für viele weitere Jahre verhindert. Braun zog jetzt in seiner Rede Bilanz über Nazi-Verbrechen und Neonazis und forderte, dass die Info-Tafel demokratisiert wird. Er schloss mit dem Wort: "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen". Mechthild Hartung, Landessprecherin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN/BdA), protestierte, "dass Behörden und Polizei in falsch verstandener Neutralität glauben, Demokraten und Nazis gleiche Rechte einräumen zu müssen". Dagegen habe bereits 1930 Tucholsky sein Gedicht "Rosen auf den Weg gestreut" verfaßt. Darin heißt es zu den Nazis, "ihr müßt sie lieb und nett behandeln". Frau Hartung: "Tucholsky ahnte das nur. Heute wissen alle wohin das geführt hat."Das Bündnis legte auf dem Friedhof zwei Kränze "gegen Faschismus und Krieg" nieder. Die Teilnehmenden dieser Aktion kamen zumeist aus Celle, Soltau-Fallingbostel und dem Aller-Leine-Tal, darunter auch eine Chilenin, die vor Jahren vor den Chilenischen Faschisten flüchten konnte.