„Nur Beobachter sein, ist mir zu wenig“

1)Gudrun Pieper vor dem Niedersächsischen landtag in hannover im Gespräch mit Gerd Müller vom Sozialisministerium. Foto: Uta Paschke-Albeshausen

Alltag und Ansichten der CDU-Landtagsabgeordneten Gudrun Pieper

(upa). Frauen sollten sich mutiger in die Politik einbringen, aber auch in der Wirtschaft vermehrt führende Positionen anstreben – eine Aussage, die nicht ganz neu ist und die einst schon der niedersächsische Ministerpräsident Dr. Ernst Albrecht als praktisch umzusetzenden Anspruch formulierte.
Die Entwicklung in Politik und Wirtschaft zeigt, dass in den letzten Jahren immer mehr Frauen auch in Führungspositionen zu finden sind, dass es aber immer noch Bereiche in unserer Gesellschaft gibt, in der praktisch jede einzelne Frau in einer Chefetage ein besonders bemerkenswertes Faktum darstellt.
Eine, die sich den Herausforderungen des politischen und gesellschaftlichen Engagements schon seit Jahren stellt und die dabei „ihre Frau steht“, ist die CDU-Landtagsabgeordnete Gudrun Pieper aus Schwarmstedt. Sie sieht das eigentliche Problem heute aber viel breiter angelegt: „Ich halte es für ganz wichtig, dass sich beispielsweise gerade hier vor Ort, in unserem Kreis, mehr Frauen kommunal-politisch einbringen und versuche das nach Kräften zu fördern. Aber in meinen Augen ist die Frauenquote allein auch nicht das Allheilmittel, obwohl sie nach wie vor erforderlich ist. Zumal es heute insgesamt nicht einfacher geworden ist, Frauen wie Männer für politische Arbeit zu begeistern, weil es einen Imageverlust von Politikern gibt. Es wird oft nicht wahrgenommen, dass sich der überwiegende Teil von ihnen mit viel Herzblut für die Belange der Bürger einsetzt und bei einer 70- bis 80-Stunden-Woche viele private Dinge und Termine hintenan stehen, vor allem die Familien zurückstecken müssen.“


Verwurzelt in Adenauers Nachkriegsdeutschland

Die eigene „politische Kinderstube“ wurzelt in der Familie: Ihre Eltern befanden sich bis 1955 in russischer Kriegsgefangenschaft und zählten zu denen, die damals dank Adenauers Intervention bei Stalin freikamen: „Sie kamen mit dem letzten Zug über Friedland nach Deutschland und haben in Lüneburg ihre Heimat gefunden. Mein Vater verstarb kurze Zeit später, aber meine Mutter vermittelte mir von Kindesbeinen an, welch wichtige Rolle Konrad Adenauer gespielt hatte und wie wichtig das wiederum für ihr ganzes Leben war. So gehört Adenauer bis heute auch für mich zu den politisch prägenden Persönlichkeiten, ebenso Friedrich-Otto Ripke, von dem ich als mein Vorgänger viel lernen konnte und der mir bis heute eine wichtige Stütze ist“, begründet Gudrun Pieper.
Zunächst, mit 17, war sie Mitglied in der Jungen Union. Später nach Familienzeit und Wiedereinstieg in den Beruf, folgte der Eintritt in die CDU, setzte Gudrun Pieper politisches Denken dann auch in Handeln um. Nur Beobachter zu sein, reichte ihr nicht aus und entspricht noch heute nicht ihren eigenen politischen Grundsätzen. So ist es auch nur folgerichtig, dass sie 1999 als stellvertretende CDU-Samtgemeinde-verbandsvorsitzende startete, heute Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Soltau-Fallingbostel ist und zudem Landtagsabgeordnete der CDU in Hannover.


Ein randvoller Terminkalender

Ein Blick in den Terminkalender der Abgeordneten und Parteifunktionärin Gudrun Pieper verrät schnell, dass das mit der mehr als 70-Stunden-Woche nicht nur so dahingesagt, sondern alltägliche Realität ist. Ein Tag beginnt in der Regel morgens zwischen 6 und 7 Uhr und ohne gute Planung und eiserne Disziplin ist die Flut der Aufgaben nicht umsetzbar.
Da gibt es die monatlich stattfindenden Plenumswochen in Hannover, in denen sich die Fraktion trifft, die Ausschüsse des Landtages beraten, in Landtagsdebatten politisch hart um Standpunkte und Beschlüsse, beispielsweise in Fragen des niedersächsischen Haushaltes, gerungen werden muss. Nicht selten kommt es vor, dass die frauenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, Gudrun Pieper, zu Terminen wie einer Ausstellungseröffnung, jünst zu „Gewalt gegen Frauen“, eingeladen wird oder an der Festveranstaltung zum 40-jährigen Bestehen des Landesfrauenrates teilnimmt. Aber auch als Mitglied des Sozial- sowie des Ausschusses Bund, Europa und Medien ist ihre Präsenz bei Terminen und Veranstaltungen und ein offenes Ohr für Fragen, Sorgen und Nöte von Einrichtungen, Verbänden und Vereinen gefragt.


Im Wahlkreis nah an den Dingen dran sein

In der Zeit zwischen den Plenumstagungen fordert einmal mehr der Wahlkreis „sein Recht“ und sorgt für ausgefüllte Tage. So finden in den Städten und Gemeinden des Kreises regelmäßig Bürgersprechstunden statt, von denen reger Gebrauch gemacht wird. „Es ist für mich ein absoluter Vertrauensbeweis, wenn die Bürger mitunter wirklich mit allen Problemen zu mir kommen. Selbst, wenn ich eigentlich nicht der geeignete Ansprechpartner für eine Sache bin, versuche ich Kontakte zu Verantwortlichen herzustellen und einfach Hilfe und Unterstützung für Lösungen zu geben“, betont Gudrun Pieper. Auch im Wahlkreis erwarten gesellschaftlich tätige Vereine, dass gerade „ihre“ Abgeordnete zu wichtigen Zusammenkünften vorbeikommt, ein Grusswort hält und brennende Fragen beantwortet. Hier wird sie zu „Lokalterminen“ und Ortsbegehungen eingeladen, „weil von mir zu recht erwartet wird, dass ich mir ein Bild von konkreten Problemen mache, mir unterschiedliche Standpunkte der Beteiligten anhöre, um später sachkundig entscheiden zu können.“ Entweder als Kreistagsabgeordnete direkt im Wahlkreis oder, um ein Anliegen auch mal mit nach Hannover in die Landespolitik zu nehmen und um dort für Unterstützung zu werben. Zu diesem Zwecke lädt Gudrun Pieper ihre Parteikollegen aus der Landtagsfraktion umgekehrt auch in den Wahlkreis ein: Erst kürzlich war CDU-Fraktionschef Björn Thümler Gast einer Runde, die sich in der Walsroder Luisenhöhe mit dem Thema „Tourismus im ländlichen Raum“ beschäftigte.


Wochenenden ohne freie Tage

Bescheid wissen, Probleme kennen, über Hintergründe oder den Werdegang einer Sache informiert sein, das ist unerlässliche Voraussetzung, um von den Wählern als sachkundig und kompetent eingeschätzt zu werden. Deshalb ist ein Tag im Leben der Landtagsabgeordneten und CDU-Politikerin auch längst noch nicht zuende, nur weil die letzte Veranstaltung vorbei ist: „Dann muss ich Informationsmaterialien oder Beschlussvorlagen studieren, Reden vorbereiten, mein Emailfach ‚aufräumen’, all das abarbeiten, das bis dato aus Zeitgründen ‚liegen geblieben’ ist.“
Nicht selten muss dazu auch das Wochenende herhalten, aber das klappt auch nur dann, wenn Sonnabend oder Sonntag keine Termine anliegen.
Deshalb meint der oft so lapidar hingesagte Wunsch nach „einem schönen und erholsamen Wochenende“ für Gudrun Pieper manchmal auch die Hoffnung, die Nase einmal aus den Unterlagen heraus und einfach nur in ein spannendes Buch stecken zu dürfen.