Patronat lebt wieder auf

Horst Hirschler, Wilken von Bothmer und Sigrid Maier-Knapp-Herbst (v.l.) nach dem Gottesdienst in der Giltener Kirche.

Kirchengemeinde Gilten hat wieder einen Patron

Gilten. Am Sonntag feierte die evangelisch-lutherische St.-Pauli-und-St.-Katharinen-
Kirchengemeinde Gilten, dass sie seit diesem Jahr wieder einen Patron hat: Wilken von Bothmer hat dieses besondere Ehrenamt übernommen. Im Festgottesdienst in der Giltener St.-Pauli-Kirche hielt Horst Hirschler, der frühere Landesbischof der Hannoverschen Landeskirche und heutige Abt des Klosters Loccum, die Predigt.
Darin erzählte er von seinen persönlichen Erfahrungen mit verschiedenen Formen des Patronats. Schon in Jugendjahren und in seiner Zeit als Pastor in Lüneburg lernte er das Stadtpatronat kennen, in dem eine Stadt seit Alters her Rechte und Pflichten gegenüber einer ortsansässigen Kirchengemeinde innehat. Später übte Hirschler als Konventual-Studiendirektor des Loccumer Predigerseminars selbst das Patronat über die sechs Gemeinden des Stiftsbezirks aus und lernte in dieser Zeit das Amt des Patrons zu schätzen. Und danach erlebte er als Landessuperintendent des Sprengels Göttingen einen sehr regen und fruchtbaren Austausch zwischen adligen Patronen und den Pastoren ihrer Patronatsgemeinden. Er drückte die Wertschätzung der Landeskirche gegenüber den Patronen aus sowie die Freude darüber, dass in Gilten das bereits im Jahre 1500 begründete Patronat nun wieder auflebt, nachdem es 1978 im Zuge der Zusammenlegung der Kirchengemeinden Gilten und Suderbruch erloschen war. Damit ist Gilten die erste Kirchengemeinde in der Hannoverschen Landeskirche, in der ein ehemals erloschenes Patronat wieder auflebt. Seitens des Kirchenvorstandes berichtete der Vorsitzende Friedrich Sternberg, wie es dazu gekommen ist. Bereits vor fünf Jahren nahm die Kirchengemeinde anlässlich der anstehenden Orgelrestaurierung in Suderbruch Kontakt mit Wilken von Bothmer auf. Der Sohn des letzten Suderbrucher Patrons war der Kirchengemeinde sehr behilflich beim Beschaffen von dringend benötigten Drittmitteln zur Finanzierung des aufwändigen Projekts. Bei dieser gelungenen Zusammenarbeit wuchs auf beiden Seiten der Wunsch nach einer Erneuerung des Patronats, der nun in Erfüllung ging. Und auch ein neues gemeinsames Projekt haben sie sich schon vorgenommen: Eine Stiftung soll ins Leben gerufen werden, um die halbe Pfarrstelle der kleinen Gemeinde für die Zukunft zu sichern. Im Anschluss an den Gottesdienst sprach Sigrid Maier-Knapp-Herbst, die als Präsidentin der Klosterkammer Hannover selbst 14 Patronate ausübt, in einem kurzen Vortrag über die historische Bedeutung dieses besonderen Amtes.